anwenderreportage
Shopfloor-Management als Kulturwandel
Wie ein einfaches Whiteboard den Alltag in der CNC-Fertigung verändert: Nach einer tiefgreifenden Restrukturierung suchte der Lohnfertiger Kowe CNC GmbH eine praxisnahe Methode, um trotz knapper Ressourcen effizient zu arbeiten, Probleme schneller zu lösen und Mitarbeitende besser einzubinden. Die Antwort fand das Unternehmen in einem analogen Shopfloor-System, das ohne klassische Kennzahlen auskommt, auf direkte Kommunikation setzt und einen echten Kulturwandel angestoßen hat.
Tägliche Shopfloor-Runde: Betriebsleiter Peter Heise moderiert die Besprechung mit seinem Team – Austausch, Struktur und Fortschritt in 20 Minuten.
Anwender: Kowe CNC
Kowe CNC ist ein verlässlicher Partner für Firmen aus den Branchen Maschinenbau, Automotive, Metall- und Holzbau sowie Luftfahrt. Der Lohnfertiger produziert präzise CNC-Dreh- und Frästeile aus allen Werkstoffen nach den Kundenvorgaben. Die Losgrößen liegen bei 1.000 bis 100.000 im Drehen bzw. 500 bis 50.000 Stück im Fräsen. 43 Fachkräfte sorgen für eine hohe Qualität der Bauteile sowie termingerechte Lieferung.
KOWE CNC GmbH
Moosham 76
4943 Geinberg
http://www.kowe-cnc.com
Als Lohnfertiger produziert Kowe CNC präzise CNC-Dreh- und Frästeile. Dabei ist man auf Klein- und Mittelserien spezialisiert. 43 Fachkräfte sorgen für eine hohe Qualität der Bauteile sowie deren termingerechte Lieferung. Die Einführung des Shopfloor Managements (SFM) war eine notwendige Reaktion auf die tiefgreifende Restrukturierung im Jahr 2023. Aufgrund eines deutlich verkleinerten Teams, komplexerer Anforderungen in der Serienfertigung und des hohen wirtschaftlichen Drucks war eine neue Methode erforderlich. Ziel war es, das Wissen, die Erfahrung und die Flexibilität der Mitarbeitenden optimal zu nutzen, Transparenz zu schaffen und Probleme direkt am Ort des Geschehens zu lösen. „Für uns war klar: Wir müssen aus weniger mehr machen“, so Geschäftsführer Paul Kobinger zur Zielsetzung. Statt auf Kennzahlen zu schauen, setzt Kowe nun auf Maßnahmen, klare Verantwortlichkeiten und lösungsorientierte Kommunikation.
Boardstruktur im Überblick. Klar strukturierte Themenbereiche am Whiteboard: Maschinenstatus, Qualität, Einteilung, Optimierung – einfach, sichtbar, verbindlich.
Abläufe verbessern, Probleme sofort lösen
Shopfloor Management beschreibt die systematische Führung in der Fertigung – mit täglichem Austausch zwischen Produktion, Führungskräften und relevanten Schnittstellen. Ziel ist nicht nur das Monitoring von Kennzahlen, sondern vor allem die Verbesserung von Abläufen und die Lösung von Problemen in Echtzeit. Der sichtbare Teil von SFM – das Whiteboard, die Kennzahlen, das Ritual – dient in erster Linie der Synchronisation. Doch SFM ist mehr als eine Methode. Es ist ein kultureller Ansatz: Probleme werden sichtbar gemacht, Maßnahmen vereinbart, deren Umsetzung verfolgt. Bei Kowe wurde dieser Standard bewusst in Frage gestellt und an die realen Gegebenheiten eines mittelständischen Lohnfertigers angepasst.
Magnetische Statusanzeige: Die Maschinenampel auf dem Whiteboard macht Betriebszustände für alle auf einen Blick erkennbar.
Analoge Visualisierung als Schlüssel
Kowe hat sich bewusst gegen ein digitales Tool und für ein physisches Whiteboard entschieden. Es ist niederschwellig, intuitiv und immer präsent. Ein Beispiel ist die Magnetampel für Maschinenstörungen: Grün steht für „in Betrieb“, Gelb signalisiert Einschränkungen, Rot bedeutet Stillstand. „Wir wollten gerade zu Beginn eine möglichst einfache Zugänglichkeit schaffen – etwas, das die Menschen aktiviert, nicht vor Bildschirmen passiv werden lässt“, unterstreicht Peter Heise, Betriebsleiter bei Kowe und Initiator des Systems.
Dazu kommen Schichtpläne, Hinweise zu Qualitätsthemen, laufende Verbesserungsmaßnahmen sowie Aspekte zu Sicherheit und Ordnung. Die Besprechung dauert in der Regel nicht länger als 20 Minuten pro Schicht. Zwei tägliche Runden – morgens und nachmittags – sichern die Umsetzung und stellen den Fortschritt dar. „Das Board ist unser kollektives Gedächtnis – ungelöste Themen bleiben sichtbar, bis sie erledigt sind“, betont Kobinger.
Qualitätsprüfung mit Fokus: Drei Facharbeiter diskutieren an einem Bauteil mögliche Fehlerursachen – der Shopfloor-Ansatz fördert gemeinsames Lernen.
Wirkung in der Praxis
Der größte Nutzen des analogen Shopfloor-Systems liegt nicht in seiner Struktur, sondern in der Haltung dahinter. Probleme gelten nicht als Störfaktor, sondern als Ausgangspunkt für Zusammenarbeit. Durch die Regelmäßigkeit entsteht Verbindlichkeit – allen ist klar, wann, wie und mit wem Themen besprochen werden. Qualitätssicherer Bernd Gottschaller bringt es auf den Punkt: „Ich muss nicht mehr allen nachlaufen. Ich bringe das Thema aufs Board – und weiß, es bleibt sichtbar.“ Auch Facharbeiter Alexander Kaindlstorfer schätzt die Transparenz: „Jetzt weiß jeder, wer an welcher Maschine steht. Man bekommt viel mehr mit – auch bei Problemen, die einen selbst gar nicht betreffen.“ Die tägliche Runde schafft Klarheit, fördert gegenseitiges Lernen und verhindert, dass wiederkehrende Probleme übersehen werden.
Verbindlichkeit durch Hand: Maßnahmen werden direkt am Board schriftlich festgehalten – sichtbar, bis die Aufgabe abgeschlossen ist.
Grenzen und Herausforderungen
Trotz der positiven Erfahrungen gibt es auch Herausforderungen und Verbesserungsmöglichkeiten. Die Disziplin in den Runden muss gewahrt bleiben, insbesondere in der Frühschicht mit hoher Beteiligung. Mitarbeitende mit stark repetitiven Aufgaben erkennen nicht immer den unmittelbaren Nutzen, hier ist gezielte Einbindung gefragt. Zudem besteht das Risiko, dass das System zur Routine ohne Tiefe verkommt – Moderatoren müssen daher konsequent nachfragen und auch Unbequemes ansprechen. Kowe verzichtet bewusst auf klassische Kennzahlen an der Tafel. Dem oberösterreichischen Lohnfertiger geht es nicht um Zahlen, sondern um Verhalten und Umsetzung. Das ist mutig – birgt aber das Risiko, Trends zu übersehen.
Mehr als eine Methode
Das Shopfloor-System bei Kowe ist kein Reporting-Tool, sondern ein Kulturinstrument. Es macht Verantwortung für Qualität, Produktivität und Ordnung sichtbar – und verankert sie bei den Menschen, die täglich an der Wertschöpfung beteiligt sind. „Wenn ich in der Früh ein Problem bringe, reden wir mittags nochmal drüber – dann ist es meistens auch gelöst“, fasst Paul Kobinger zusammen. Shopfloor Management ist für Kowe keine Methode oder ein Tool, sondern eine Haltung. Und genau das macht es so erfolgreich.


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