interview

Lehrlingsausbildung als Investition in die Zukunft

Das Familienunternehmen W&H Dentalwerk mit Sitz in Bürmoos bei Salzburg zählt weltweit zu den führenden Dentalunternehmen. Innovative Produkt- und Service-Lösungen im Bereich dentaler Präzisionsinstrumente und -geräte, eine moderne Unternehmensstruktur, ein starker Fokus auf Forschung & Entwicklung und vor allem die Investition in die eigenen Mitarbeiter zeichnen das Vorzeigeunternehmen aus. Geschäftsführer Dipl.-Ing. Peter Malata stand uns Rede und Antwort.

Dipl.-Ing. Peter Malata, Geschäftsführer W&H Dentalwerk Bürmoos GmbH

Dipl.-Ing. Peter Malata, Geschäftsführer W&H Dentalwerk Bürmoos GmbH

Zur Person Dipl. Ing Peter Malata

• Studium des Wirtschaftsingenieurwesens / Maschinenbau an der Technischen Universität Graz.
• 1984 Eintritt in das elterliche Unternehmen W&H Dentalwerk Bürmoos GmbH als Mitglied der Geschäftsleitung.
• 1991 Bestellung zum Co-Geschäftsführer mit Aufgabenbereich Produktentwicklung und Produktion.
• seit 1991 Miteigentümer des Familienunternehmens
• seit 1996 alleiniger Geschäftsführer
• seit 1990 Mitglied des Vorstands der Industriellenvereinigung Salzburg;
• seit 2002 Vizepräsident der Industriellenvereinigung Salzburg; Vorsitzender des Bildungsausschusses.
• seit 2010 Vorsitz des Kuratoriums der HTL Salzburg.
• seit 2010 Mitglied im Beirat für Aus- und Weiterbildungsangelegenheiten der Wirtschaftskammer Salzburg.
• 2005 - 2010 Mitglied des Wirtschaftsparlaments Salzburg, Wirtschaftskammer Salzburg.

W&H gilt als einer der weltweit führenden Hersteller im Bereich der Dentaltechnik. Wie haben Sie diese Stellung erreicht?

W&H spielt weltweit eine bedeutende Rolle im Dentalbereich. Als international renommierte Marke stehen wir beim Zahnarzt für Qualität, Verlässlichkeit und gutes Service. Dies erreichten wir einerseits durch unseren starken Fokus auf Forschung und Entwicklung in der Größenordnung von 10 bis 12 Prozent vom Umsatz. Nicht zuletzt deshalb haben wir auch eine Reihe von Pionierarbeiten in der Entwicklung von Systemen für die zahnärztliche Präparationstechnik geleistet, die heute nach wie vor Stand der Technik sind. Andererseits produzieren wir mit einer sehr hohen Fertigungstiefe – dies garantiert höchste Qualität und kürzeste Durchlaufzeiten. Einen sehr großen Anteil am Erfolg haben aber vor allem unsere Mitarbeiter.

Chefredakteur Ing. Robert Fraunberger (links) im Gespräch mit Dipl.-Ing. Peter Malata.

Chefredakteur Ing. Robert Fraunberger (links) im Gespräch mit Dipl.-Ing. Peter Malata.

W&H Dentalwerk Bürmoos GmbH

Das Familienunternehmen W&H Dentalwerk mit Sitz in Bürmoos bei Salzburg, einziger österreichischer Hersteller von dentalen Präzisionsinstrumenten und -geräten, zählt zu den führenden Dentalunternehmen weltweit. Innovative Produkt- und Service-Lösungen, eine moderne Unternehmensstruktur, ein starker Fokus auf Forschung & Entwicklung sowie Verantwortung machen das W&H Dentalwerk zu einem lokal und global erfolgreichen Player. Mit rund 1.000 Mitarbeitern weltweit (davon 625 am Stammwerk Bürmoos) exportiert W&H seine Produkte in über 110 Länder. Das Familienunternehmen betreibt zwei Produktionsstätten in Bürmoos (Österreich), eine in Brusaporto (Italien) sowie 19 Tochterunternehmen in Europa, Asien und Nordamerika.

(h3)Fundierte Lehrlingsausbildung im Fokus

W&H zeichnet sich durch flache Hierarchien, eine ausgezeichnete Ausbildungspolitik sowie sehr gute Weiterbildungs- und Karrieremöglichkeiten aus. Lehrlinge übernehmen - in allen Bereichen – von Anfang an wertvolle und hilfreiche Aufgaben. Bereits im ersten Lehrjahr stellen sie Produkte her, die vom Unternehmen benötigt und tatsächlich eingesetzt werden. Darüber hinaus fördert W&H gute Mitarbeiter und versucht diese langfristig an das Unternehmen zu binden. Viele Mitarbeiter bei W&H arbeiten schon seit mehr als 20 Jahren im Unternehmen. Dabei haben sie oftmals als Lehrling begonnen und sich durch ihr außerordentliches berufliches Engagement innerhalb des Unternehmens weiterentwickelt.

(H3)Lehrberufe bei W&H

• MetalltechnikerIn – Zerspanungstechnik
• MechatronikerIn
• Informationstechnologie-TechnikerIn
• ElektrotechnikerIn – Gebäudetechnik
• Industriekaufmann/-frau

Warum diese hohe Fertigungstiefe?

Eine hohe Fertigungstiefe ist meiner Meinung nach für ein Produktionsunternehmen notwendig. Man wird dadurch gegenüber Zulieferern unabhängiger. Das dadurch aufgebaute Know-how und somit das Prozesswissen ist nur von Vorteil. Wir beherrschen alle Schlüsseltechnologien – lediglich Elektronikkomponenten, die wir aber auch selber entwickeln, kaufen wir aufgrund zu geringer Stückzahlen zu.

Eine wichtige Voraussetzung für den Unternehmenserfolg ist eine praxisnahe und fundierte Lehrlingsausbildung. Bei W&H werden unter der Leitung von Matthias Hufnagl jährlich zirka 10 Lehrlinge zum MetalltechnikerIn – Zerspanungstechik ausgebildet.

Eine wichtige Voraussetzung für den Unternehmenserfolg ist eine praxisnahe und fundierte Lehrlingsausbildung. Bei W&H werden unter der Leitung von Matthias Hufnagl jährlich zirka 10 Lehrlinge zum MetalltechnikerIn – Zerspanungstechik ausgebildet.

Welche Rolle spielt dabei Produktivität ?

Neben einer kontinuierlichen Optimierung und Weiterentwicklung unserer Fertigungsmittel achten wir darauf, auch die innerbetriebliche Zusammenarbeit zwischen unseren Mitarbeitern permanent zu verbessern. Das wirkt sich überaus positiv auf die Produktivität unseres Unternehmens aus. Darum ist Teamarbeit heute ein wesentliches Element unserer Unternehmensorganisation. Aktuell wird W&H von rund 95 Teams getragen. Neben der wechselseitigen Unterstützung entsteht ein hohes Maß an Eigenverantwortung. Eine starke Ausrichtung am Kunden sowie die berufliche und persönliche Förderung unserer Mitarbeiter stehen dabei im Fokus.

W&H setzt auf eine sehr hohen Fertigungstiefe – dies garantiert höchste Qualität und kürzeste Durchlaufzeiten.

W&H setzt auf eine sehr hohen Fertigungstiefe – dies garantiert höchste Qualität und kürzeste Durchlaufzeiten.

Der Mitarbeiter steht bei Ihnen also im Zentrum?

Zu den Aufgaben unserer Mitarbeiter gehört es beispielsweise, den eigenen Arbeitsplatz zu verbessern und weiter zu optimieren. Eigenverantwortliches Agieren und Handeln sind meiner Meinung nach Werte, die ein Mitarbeiter braucht, um sich positiv zu entwickeln.

Dass der Zerspanungstechniker kein reiner Männerberuf mehr ist, beweist W&H mit aktuell acht Facharbeiterinnen.

Dass der Zerspanungstechniker kein reiner Männerberuf mehr ist, beweist W&H mit aktuell acht Facharbeiterinnen.

Was soll ein junger Mensch also mitbringen, um bei W&H erfolgreich zu sein?

Vor allem das Interesse an der Tätigkeit, denn nur dann macht die Arbeit auch Spaß. Das Unternehmen muss dafür die nötigen Rahmenbedingungen schaffen.

W&H setzt auf eine fundierte Lehrlingsausbildung. Warum?

Die Philosophie der Lehrlingsausbildung habe ich von meinem Vater übernommen, der bereits im Jahr 1946 – aufgrund des damaligen akuten Facharbeitermangels – die ersten Facharbeiter ausgebildet hat. (Anm. W&H wurde 1890 in Berlin gegründet und 1944 aus strategischen Gründen nach Bürmoos verlagert.) Heute ist die Anzahl der Lehrlinge mit rund 8 % an die Mitarbeiterzahl gebunden. Einerseits um den eigenen Nachwuchs zu fördern und andererseits auch die soziale Verantwortung eines Unternehmens unserer Größenordnung zu wahren und damit jungen Menschen eine fundierte Facharbeiterausbildung zu bieten.

Wie ist die Lehrlingsausbildung bei W&H aufgebaut, bzw. welche Lehrberufe bieten Sie an?

Bis zu 8 % unserer Belegschaft in Bürmoos besteht aus Lehrlingen, die in insgesamt fünf Berufen (Anm. siehe Infobox) ausgebildet werden. Grundlegendes Ziel ist es dabei, die Lehrlinge möglichst frühzeitig selbständig an realen Projekten mitwirken zu lassen, um damit deutlich zur Motivation und Selbstverantwortung der jungen Mitarbeiter beizutragen. Nach einer Grundausbildung durchlaufen sie die einzelnen Abteilungen, um eine möglichst praxisnahe und vielfältige Ausbildung zu erhalten.

Immer wieder nehmen Ihre Lehrlinge auch an Wettbewerben teil.

Das ist richtig, im Juni 2013 konnten unsere jungen Zerspanungstechniker beispielsweise beim jährlichen Landeslehrlingswettbewerb der Berufsschule Hallein die Plätze 1, 2 und 3 für sich entscheiden. Gefragt waren hohes technisches Verständnis, handwerkliche Geschicklichkeit sowie theoretisches Wissen im Bereich CNC-Drehen und -Fräsen. Das bestätigt unser hohes Ausbildugnsniveau. Besonders freut mich auch, dass wir aktuell acht Facharbeiterinnen beschäftigen, denn der Zerspanungstechniker ist kein reiner Männerberuf mehr.

Wie kann man wieder mehr Jugendliche für die Lehre begeistern?

Um Lehrlinge zu bekommen, müssen wir uns heute in den Haupt- und Mittelschulen und auf Aus- und Weiterbildungsmessen oder etwa am W&H-Lehrlingstag präsentieren. All diese Dinge sind notwendig, um die Jugend auf unser Unternehmen aufmerksam und auch eine gewisse Werbung für beispielsweise den Beruf des Zerspanungstechnikers zu machen. Leider nimmt die Lehre in der Bevölkerung nicht den Stellenwert ein, der ihr eigentlich gebührt. Ein Lehrberuf im Bereich der Metallbearbeitung stellt eine hohe Anforderung dar und setzt Mathematik, ein hohes Maß an räumlichem Darstellungsvermögen, Englischkenntnisse und soziale Kompetenz voraus – das Facharbeitertum ist ein ganz wesentlicher Baustein für unsere Industrie.

Was kann man im österreichischen Bildungssystem diesbezüglich noch verbessern?

Mir fällt vor allem auf, dass unsere Kinder in den jungen Ausbildungsjahren – vom Kindergarten bis zur Unterstufe – zu wenig mit der Technik in Kontakt gebracht werden. Ebenso sehe ich eine gewisse Zurückhaltung der SchülerInnen gegenüber der Physik. Hier sollte man ansetzen und gerade den Unterricht in den Naturwissenschaften verständlicher, spannender und praxisorientierter gestalten, um damit das Interesse für die Technik zu wecken bzw. zu steigern. Beispiele wie die Spürnasenecke der Firma Tecan (Anm. www.spuernasenecke.com) für den Kindergarten oder das Projekt SPICI (Anm. Success Stories about Professions in Cool Industries) der Industriellenvereinigung für die 3. und 4. Klasse Unterstufe belegen den Erfolg. Die Ideen sind also vorhanden, aber für das nachhaltige Umsetzten braucht es nicht nur das Engagement der Lehrkräfte, sondern vor allem auch die finanziellen Rahmenbedingungen.

Was würden Sie Unternehmen in Bezug auf die Ausbildung mit auf den Weg geben?

Eine Lehrlingsausbildung bildet den Nachwuchs und ist die Basis für Kontinuität eines jeden Unternehmens – egal welcher Größe. Der Facharbeiter ist letztlich ein wesentlicher Bestandteil des Erfolges. Wichtig ist, aktiv in die Schulen zu gehen und dort die Firmenphilosophie bzw. die eigenen Werte und die vielen Vorteile einer technischen Ausbildung darzustellen.

Danke für das Gespräch!

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