anwenderreportage
Mit der Coscom ECO-Plattform hat SBPT die Produktion von IT-Inseln befreit
Tradition trifft auf Moderne: Für den Technologieführer Schoeller-Bleckmann trifft dieses geflügelte Wort nicht nur auf die Firmengeschichte, sondern auch auf die Digitalisierung im Shopfloor zu. Die Coscom ECO-Plattform verknüpft traditionell gewachsene IT-Inseln zu einem durchgängigen Informationsfluss modernsten Designs – vom ERP-System bis hin zum Bearbeitungszentrum.
Insgesamt sorgen 70 Coscom InfoPoint-Terminals dafür, dass alle erforderlichen Informationen zu den Arbeitsgängen wie Werkzeuge, Zeichnungen, Programme, Hinweise oder Skizzen direkt an den Bearbeitungszentren im Zugriff sind. Sogar die Visualisierung von DIN-A0-Zeichnungen ist möglich.
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Aufgabenstellung: Ablöse der Insellösungen in der Werkzeugverwaltung und in der Maschinenanbindung.
Lösung: Coscom ECO-System mit zentraler Datenbank und leistungsfähiger ERP-Anbindung, bestehend aus FactoryDirector VM für die Fertigungsdatenverwaltung, ToolDirector VM für das Werkzeugdatenmanagement, InfoPoint VM für die DNC-Anbindung und Vor-Ort-Datenvisualisierung an den NC-Maschinen.
Nutzen: Vollständige Bestandsübersicht über die Betriebsmittel samt Vereinheitlichung der Datenprozesse; signifikante Prozessbeschleunigung infolge der Datendurchgängigkeit.
Der Weltmarktführer in der Herstellung von Hochpräzisionskomponenten für die Ölfeldindustrie, die Schoeller-Bleckmann Precision Technology GmbH (SBPT), steht für Tradition und Moderne gleichermaßen. Die Anfänge der abwechslungsreichen Firmengeschichte gehen mit dem Erwerb der österreichischen Eisenwerke „Theresienhütte“ durch Alexander Ritter von Schoeller zurück ins Jahr 1862. Der Zusammenschluss mit den Bleckmann Stahlwerken erfolgte 1924 und gut ein halbes Jahrhundert später wurde Schoeller Bleckmann zur „Vereinigten Edelstahlwerke AG (VEW)“ als 100-Prozent-Tochter der Voestalpine. 1988 kam es zur Aufspaltung der VEW und bei SBPT wurde ab 1995 das wichtige Know-how über die Herstellung und Verarbeitung nichtmagnetischer Stähle gebündelt – Insider sprechen in diesem Zusammenhang gerne von einem „Glücksfall“.
Die Schoeller-Bleckmann Precision Technology GmbH steht aber auch für Zukunftsfähigkeit, wurde doch 2023 ein Zentrum für Additive Fertigungsverfahren am Firmensitz in Ternitz in Betrieb genommen, wo Metallkomponenten bis zu einem Durchmesser von 600 mm und 550 mm Höhe gedruckt werden können. Seit 2016 werden im Zuge der EN-9100-Zertifizierung die Geschäfte im Bereich der Luft- und Raumfahrt über die Marke Schoeller-Bleckmann Aerospace Technology systematisch ausgebaut, um die Auswirkungen der volatilen Märkte der Ölförderung auszugleichen.
Die Kernkompetenz der Schoeller-Bleckmann Precision Technology liegt neben der Herstellung von nichtmagnetischen, sehr korrosionsbeständigen Spezialstählen, in der Zerspanung von Hochpräzisionsteilen – genau in jenem Bereich, in dem das Coscom ECO-System eingesetzt wird.
„Die Fähigkeit zur Anbindung anderer IT-Systeme war das Wesentliche, was uns von Coscom überzeugt hat. So bietet die Coscom ECO-Plattform die Möglichkeit, unser SAP, unser ECM für die Zeichnungsverwaltung und MES für die Auftragsfeinplanung zu integrieren.“
Das gesamte Know-how im Zugriff
Die Kernkompetenz von Schoeller-Bleckmann liegt in der zerspanenden Bearbeitung von nichtmagnetischen, sehr korrosionsbeständigen Spezialstählen – genau in jenem Bereich, in dem das Coscom ECO System seine Stärken ausspielt. Die Werkstücke haben eine stattliche Länge von bis zu 10 m bei einem Durchmesser bis zu 10 Zoll. 12.000 t bis 13.000 t des speziellen Vormaterials werden von der Voestalpine Böhler Edelstahl geliefert, wobei jedes Bauteil fein säuberlich serialisiert ist. Jede Stange Rohmaterial wird verschiedensten Proben unterzogen. Aufgrund der Serialisierung sind diese Ergebnisse nachvollziehbar und die maximale Transparenz im Herstellungsprozess ist damit garantiert. Die hochfesten Stähle haben einen Nickelanteil von bis zu 31,5 Prozent. Die Konzerngruppe hat sich voll und ganz dem Richtungs- und Horizontalbohren verschrieben.
Die hohe Effizienz in der Herstellung wird durch das durchgängige Datenmanagement, der Coscom ECO-Plattform, sichergestellt. Stolz ist man bei SBPT unter anderem auf die Gun-Drilling-Maschinen, die das Bohren von zentrischen und exzentrischen Löchern ab einem Durchmesser von 2,0 mm bis zu einer Tiefe von 5,0 m in Stahl erlauben. Charakteristisch für dieses gemeinsam mit der Technischen Universität Wien entwickelte Einlippen-Tiefbohren ist, dass durch einen Kühlkanal im Werkzeug der Kühlschmierstoff zugeführt wird und die Späne zusammen mit der Kühlflüssigkeit durch eine Sicke im Bohrerschaft abgeführt werden. Eine weitere Spezialität ist das Goose Neck Drilling – kurz GND genannt, ebenfalls gemeinsam mit der TU Wien entwickelte Erodierverfahren (EDM). Es erlaubt, im Inneren eines metallischen Werkstückes abgelenkte Bohrungen mit kontrolliertem Verlauf durch Verwendung von EDM Prozessen zu erzeugen. Das Funkenerodieren (kurz EDM von engl. electrical discharge machining), ist ein abtragendes, thermisches Fertigungsverfahren für leitfähige Materialien, das auf elektrischen Entladevorgängen zwischen einer Elektrode und einem leitenden Werkstück beruht. Nach fünfjähriger Entwicklungsphase wurde 2015 von Schoeller-Bleckmann Precsion Technology das Patent angemeldet. Im Maschinenpark befinden sich zudem 5-Achs-Fräs-Drehzentren, unter anderem mit schwingungsgedämpften Bohrwerkzeugen. Hinzu kommen CNC-Maschinen fürs 6-achsige Laserauftrags- und Engspaltschweißen sowie WIG-Schweißen zum präzisen Aufbringen kundenspezifischer Materialien in bis zu 10 m tiefen Bohrlöchern.
Der Schwerpunkt von SBPT ist die Herstellung von Hochpräzisionskomponenten für die Ölfeldindustrie. Die zentrale Datendrehscheibe im Shopfloor ist FactoryDirector VM, das auch über eine Anbindung an das SAP-System des Standorts verfügt.
Isolierte IT-Inseln zum schlagkräftigen Ganzen verknüpft
Das Coscom ECO-System managed bei SBPT eine Produktionsfläche von stattlichem Ausmaß: 40.000 m² mit 120 CNC-Maschinen (die alle mit Siemens 840D Steuerungen ausgerüstet sind). Weltweit sind es 450 CNC-Maschinen im gesamten SBO-Kosmos. Coscom ToolDIRECTOR VM (einschließlich der Module Lagerverwaltung und Bestellen) sowie Coscom FactoryDIRECTOR VM sind im Einsatz. Auf die Plattform-Informationen greifen sieben Mitarbeiter aus dem Lager sowie acht Mitarbeiter aus der NC-Programmierung zu. Darüber hinaus sind 70 InfoPOINT-Terminals installiert, die alle erforderlichen Informationen zu den zu produzierenden Artikeln wie Werkzeuge, Zeichnungen, Programme, Hinweise oder Skizzen direkt an den Maschinen visualisieren. Dabei können sogar DIN-A0-Zeichnungen als Plot auf den OLED-Bildschirmen angezeigt werden.
„Schoeller-Beckmann ist stets am Puls der Zeit. Das gilt für technologische Innovationen in der Ölfördertechnik ebenso wie für den Einsatz von Software-Produkten. Lange vor Coscom hatten wir bei der Werkzeugverwaltung die Lösung einer international tätigen Firmengruppe ausgewählt. Leider hatte die Systemintegration nicht so funktioniert wie geplant. Dieser Umstand führte zu einer Neuevaluierung des Toolmanagements“, erläutert Geschäftsführer Franz Wurzer.
Natürlich hatten sich die einzelnen Abteilungen über die Jahre hinweg damit befasst, ihre Arbeitsläufe zu verbessern und haben daher durch Workarounds eigene Digitalisierungsansätze umgesetzt. Die Ergebnisse mögen aus Sicht der Impulsgeber zufriedenstellend gewesen sein, doch ein ganzheitliches, konzertiertes Abbild der Informationslogistik in der Produktion war dadurch nicht möglich. Diese IT-Lösungen mussten daher im Jahr 2023 einer End-zu-End-Integration auf Basis von bewährten Coscom-Lösungen weichen. „Wir hatten viele Insellösungen im Einsatz und es gab keine Integration. Das erzeugte bei uns einen hohen Mehraufwand in der Datenpflege“, erinnert sich IT-Leiter Manfred Reiter. „Die Fähigkeit zur Anbindung führender IT-Systeme war daher das Wesentliche, was uns an Coscom überzeugte. Die ECO-Plattform ist offen konzipiert und bietet die Möglichkeit, unser SAP, unser ECM für die Zeichnungsverwaltung und MES für die Auftragsfeinplanung über Standard-Gateways zu integrieren.“
Alle erforderlichen Informationen werden nun zusammengeführt und über InfoPOINT-Terminals unmittelbar in der Nähe der Bearbeitungszentren visualisiert. Direkt an den Bearbeitungszentren ist auf einem Blick ersichtlich, welche Werkzeuge für den jeweiligen Arbeitsgang benötigt werden. „Im Vorfeld der Implementierung der Coscom ECO-Plattform war eine der wichtigsten Kunden-Anforderung, dass nach jedem Software-Update alles wieder wie zuvor funktionieren muss – ohne Zusatzaufwand. Bei den bisher eingesetzten Insellösungen war das nicht der Fall“, erklärt Christian Snetivy, Kundenbetreuer bei Coscom. Seit dem Einsatz der Coscom-Lösung ist eine komfortable Update-Fähigkeit kein Thema mehr.
Anwender: SBPT
Schoeller-Bleckmann Precision Technology (SBPT)
stellt Hochpräzisionsteile für die Ölfeldindustrie her. Die Hauptkunden tragen bekannte Namen wie Schlumberger und haben überwiegend ihren Sitz in Houston, Texas (USA). Schoeller-Bleckmann Aerospace Technology (SBAT) ist eine Marke der SBO AG (Mutterkonzern) und bedient die Luft- und Raumfahrt. Mit seinen 18 Tochterunternehmen und weltweit rund 1.600 Mitarbeitern ist der Konzern in technologisch anspruchsvollen, profitablen Nischen erfolgreich positioniert. Der Umsatz liegt jährlich bei rund 500 Millionen Euro. Der Hauptsitz der Gruppe befindet sich in Ternitz, südlich von Wien gelegen.
Schoeller-Bleckmann Precision Technology GmbH
Hauptstraße 2
A-2630 Ternitz
http://www.sbot.co.at
Werkzeugmanagement aus einem Guss
„Durch die Zentralisierung hat sich das Werkzeugmanagement bei uns signifikant verbessert, ab sofort werden Datendubletten vollständig vermieden“, gibt Mario Wallner vom SBPT-Engineering zu Protokoll. Mario Wallner verantwortet gemeinsam mit Manfred Reiter bei SBPT die Coscom-Einführung und den weiteren Rollout. „Vor der Coscom-Einführung haben unsere CNC-Programmierer auf Eigeninitiative Komplettwerkzeuge modelliert, ohne zu wissen, ob diese bereits im Lager zusammengebaut oder noch in Einzelteilen zerlegt verfügbar sind.“ Nun haben die Programmierer die Möglichkeit, über ToolDIRECTOR VM die Datenbank als „Single Source of Truth“ nach passenden Werkzeugen zu durchsuchen.
Aktuell sind im ToolDIRECTOR VM ca. 1.700 Komplettwerkzeuge organisiert. „Das angelegte Werkzeug kann sowohl im Programmiersystem Esprit sowie in der Simulation CHECKItB4 zum Einsatz gebracht werden“, fügt Wallner hinzu. In dieser Durchgängigkeit – über System- und Abteilungsgrenzen hinweg – war zuvor ein derartig effizienter Einsatz aufgrund der vielen, lose gekoppelten oder gar isoliert administrierten Lösungen nicht möglich. „Die gesamte Werkzeugvorbereitung hat sich durch die Coscom ECO-Plattform beträchtlich verbessert“, bringt es Wallner zufrieden auf den Punkt. Es ist nun eine widerspruchsfreie Bestandsübersicht von allen Betriebsmitteln möglich, zum Beispiel unterteilt in Standard- und Sonderwerkzeugen. „Im Coscom-System hat der Programmierer nun die Möglichkeit, von den Ideen der anderen Programmierer und deren Werkzeugzusammenbauten zu profitieren. Der entsprechende Kontext ist anhand der Spezifikationen im Arbeitsplan ersichtlich. Dies ermöglicht einen effizienten Know-how-Transfer“, ergänzt Reiter.
SAP-System bidirektional angebunden
Die Vernetzung durch das Coscom ECO-System umfasst Anbindungen an das Lagersystem samt Werkzeugausgabeautomaten sowie Paternoster-Systemen, an die Zoller-Werkzeugvermessung, an die CAM-Systeme Esprit und CHECKItB4 sowie an die Siemens-Steuerungen der Bearbeitungszentren. Der IT-Leiter weist darauf hin, dass „gerade der Datenzugriff auf die Lagerverwaltung der Werkzeuge für SBPT sehr wichtig ist, weil damit die Voraussetzung geschaffen wurde, einen vollständig digital abgebildeten Werkzeugkreislauf einzuführen“.
Ein ungewöhnlicher Aspekt ist, dass Coscom das führende System ist – zumindest im Shopfloor. „Meist wird SAP diese bedeutende Rolle eingeräumt, weil dort die Stammdaten hinterlegt sind. Beim Management der Werkzeugkomponenten setzen wir indes auf Coscom als führendes System“, veranschaulicht Wurzer. Natürlich ist bei der Steuerung des Kundenauftrags SAP der Lead. Die Coscom ECO-Plattform übernimmt beim Toolmanagement die Bestandsführung, Bedarfsermittlung mit Bestellvorschlägen und Bestellpunktprüfung. Diese Daten werden als Bestellanforderungen an SAP übergeben. Das Initial dazu kommt aus der Coscom-Lagerverwaltung. SAP wiederum übergibt im Rahmen der Auftragsabwicklung an Coscom den entsprechenden Artikelstamm und die Arbeitsplandaten. „Durch eine bidirektionale Kommunikation zwischen SAP und Coscom hat SBPT die maximale Transparenz in der Werkzeugbereitstellung bereits heute erreicht“, erläutert der Geschäftsführer.
Beachtliche Ergebnisse
SBPT folgt dem Prinzip der Einzelteilfertigung. Circa 300 Fertigungsaufträge für rund 100 unterschiedliche Erzeugnisse sind im Durchlauf. Dabei ist die maximale Losgröße fünf Stück, es wird nichts auf Lager produziert. Je nach Produktkomplexität liegen die Durchlaufzeiten bei bis zu sechs Monaten. „Auf den Punkt gebracht: SAP ist bidirektional mit FactoryDIRECTOR VM verbunden und gemeinsamen sorgen beide Backbone-Systeme für maximale Effizienz. Mit dem professionellen Projektmanagement und der umfangreichen Funktionalität der Standard-Schnittstellen zu Coscom haben wir unsere Integrationsziele erreichen können“, resümiert Reiter und ergänzt: „Im nächsten Schritt geht es nun darum, den geschlossenen Werkzeugkreislauf vollständig digital abzubilden.“
Produkte im Einsatz
Coscom FactoryDirector VM
Coscom FactoryDirector VM ist die zentrale Datenplattform für die Fertigung. Fertigungsinformationen, wie Artikelstammdaten und Arbeitsplaninformationen aus dem führenden ERP-System bilden die Grundlage für eine strukturierte Datenablage und Datensteuerung im Shopfloor. Alle im Shopfloor erzeugten Daten und Informationen werden in der zentralen Datenbank dem versionierten Fertigungsartikel und der konkreten Arbeitsfolge (Vorgang) des Arbeitsplans zugeordnet.
Coscom ToolDirector VM
CoscomToolDirector VM ist eine modulare Softwarelösung, die den Toolmanagement-Prozess ganzheitlich unterstützt. Eingebettet in die Shopfloor-IT werden durchgängige Datenprozesse von der NC-Programmierung in die Werkzeugvoreinstellung und zur CNC-Werkzeugmaschine realisiert. Dabei werden bestehende Systeme, wie ERP und PLM, berücksichtigt und Lager-/Logistiksysteme in den Datenprozess integriert.
Coscom ECO-System
Das Coscom ECO-System ist ein modulares Applikationssystem, basierend auf einer zentralen Datenplattform. Mit dem Applikationsmodulen ToolDirector und FactoryDirector verschmelzen Werkzeugdaten, Artikel- und Fertigungsdaten zu einem intelligenten Datenpool für alle Prozessteilnehmer in der CNC-Fertigung. Es entsteht eine Datenvernetzung zum führenden ERP-System und organsiert bei Bedarf die Beschaffungs- und Logistikprozesse in der Werkzeugbereitstellung.













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