anwenderreportage
Pöttinger modernisiert Fertigung in 12 Wochen: Digitaler Zwilling und CHECKitB4 von Pimpel als Schlüssel zum Erfolg
Der komplette Austausch einer hoch automatisierten Fertigungsanlage im laufenden Betrieb innerhalb von nur zwölf Wochen gelang bei Pöttinger Landtechnik in Grieskirchen nur durch den gezielten Einsatz digitaler Lösungen. Neben Starrag Heckert als Maschinenlieferant und Promot als Automatisierungspartner spielte dabei die Pimpel GmbH eine zentrale Rolle. Mit der Softwareplattform CHECKitB4 und dem Einsatz eines realitätsgetreuen Digitalen Zwillings wurde die Inbetriebnahme der Anlage praktisch vorgezogen – in den virtuellen Raum.
Die Inbetriebnahme der hoch automatisierten Fertigungsanlage bei Pöttinger mit vier Heckert H75 und Promot-Automation wurde in nur zwölf Wochen realisiert. Ermöglicht wurde dies durch die virtuelle Inbetriebnahme mit CHECKitB4 von Pimpel.
Shortcut-Box:
Aufgabenstellung: Austausch eines bestehenden flexiblen Fertigungssystems im laufenden Betrieb innerhalb von nur zwölf Wochen.
Lösung: Installation einer hoch automatisierten Fertigungsanlage mit vier Heckert H75, Paletten- und Hochregallagersystem von Promot sowie durchgängiger Digitalisierung mittels Digitalem Zwilling und CHECKitB4 von Pimpel zur virtuellen Inbetriebnahme.
Nutzen: Deutlich verkürzte Einfahrphase, hohe Prozesssicherheit ab Produktionsstart, rund 20 % Produktivitätssteigerung.
Pöttinger Landtechnik zählt zu den international führenden Unternehmen der Branche. Seit 1871 am Standort Grieskirchen verwurzelt, steht das Familienunternehmen heute mit rund 2.200 Mitarbeitenden und einem Exportanteil von etwa 90 Prozent für bestes Arbeitsergebnis, zukunftsweisende Innovationen und verlässliche Partnerschaft. Für Jörg Lechner, Geschäftsführer Produktion und Materialwirtschaft, ist eine hohe Fertigungstiefe ein wesentlicher Erfolgsfaktor: „Nur diejenigen, die produktiv fertigen können, können auch wirtschaftlich konstruieren.“ Die enge Verzahnung von Entwicklung und Produktion ermöglicht es Pöttinger, flexibel auf Kundenanforderungen zu reagieren und gleichzeitig wirtschaftlich zu bleiben.
Diese Philosophie spiegelt sich auch im Produktionssystem wider: Statt auf Lager zu fertigen, werden die Maschinen in einem wöchentlichen Zyklus kundenindividuell produziert, bei gleichzeitig sehr kurzen Reaktionszeiten in Richtung Montage.
Der direkte Vergleich zwischen realer Bearbeitung und virtueller Simulation macht sichtbar, wie Pöttinger mit CHECKitB4 Prozesse schon im Vorfeld validiert und absichert.
„Für uns ist diese Investition ein klares Bekenntnis zum Standort. Wir zeigen damit, dass sich moderne Fertigung, hohe Qualität und wirtschaftlicher Erfolg auch in Österreich verbinden lassen, wenn man bereit ist, neue Wege zu gehen.“
Ersatzinvestition mit strategischer Bedeutung
Vor diesem Hintergrund fiel die Entscheidung für die neue Fertigungsanlage als Teil einer langfristigen Standortstrategie. Ursprünglich war die Investition im Zuge eines Werkneubaus geplant, doch die veränderte Marktsituation eröffnete ein Zeitfenster für eine Umsetzung direkt am bestehenden Standort. Iskender Merkezoglu, Leiter der Mechanischen Fertigung und maßgeblich für das Projekt verantwortlich, beschreibt die Ausgangssituation pragmatisch: Die bestehende Anlage war technologisch an ihre Grenzen gekommen, gleichzeitig bot eine reduzierte Auslastung die einmalige Chance, einen kompletten Systemtausch im laufenden Betrieb umzusetzen. „Wir haben die Situation genutzt“, lässt sich seine Haltung zusammenfassen. Ziel war es, die Produktivität nachhaltig zu steigern, gleichzeitig die Flexibilität weiter zu erhöhen und den Standort weiter zu stärken. Die Entscheidung fiel bewusst gegen ein Retrofit und für einen kompletten Neustart – ein „Big Bang“ in der Fertigung.
Der direkte Vergleich zwischen realer Bearbeitung und virtueller Simulation macht sichtbar, wie Pöttinger mit CHECKitB4 Prozesse schon im Vorfeld validiert und absichert.
Hochflexibles Fertigungssystem als technologische Basis
Das Ergebnis ist eine hoch automatisierte Fertigungsanlage, bestehend aus vier Heckert H75 Horizontal-Bearbeitungszentren, verkettet über ein Paletten- und Hochregallagersystem von Promot. Ergänzt wird das System durch ein durchgängiges Werkzeugmanagement, das über 1.000 Werkzeuge flexibel zwischen den Maschinen verteilt. „Der größte Vorteil besteht sowohl in der Maschinenperformance, als auch in der Systemflexibilität“, beschreibt Merkezoglu die neue Anlage in Grieskirchen: „Vom Einzelteil bis zur Kleinserie können wir alles auf derselben Anlage wirtschaftlich fertigen. Zudem ermöglicht uns das Werkzeughandling, teure Sonderwerkzeuge nur einmal vorzuhalten und bedarfsgerecht einzusetzen.“ Die Anlage ist damit exakt auf die Anforderungen von Pöttinger ausgelegt: hohe Variantenvielfalt, kleine Losgrößen und kurze Durchlaufzeiten.
Basis für das Projekt ist der Digitale Zwilling der Heckert H75, mit dem reale Bearbeitung und virtuelle Simulation bei Pöttinger deckungsgleich abgebildet und Prozesse bereits im Vorfeld abgesichert werden konnten.
Digitalisierung als entscheidender Erfolgsfaktor
Die technische Lösung allein hätte jedoch nicht ausgereicht, um das Projekt im vorgegebenen Zeitrahmen umzusetzen. Der entscheidende Unterschied lag in der durchgängigen Integration der Digitalisierung, mit einer zentralen Rolle von Pimpel.
Für Mario Hamedinger, verantwortlich für Programmierung und Arbeitsvorbereitung bei Pöttinger, war früh klar: Klassische Einfahrstrategien würden unter diesen Rahmenbedingungen nicht funktionieren. Mit CHECKitB4 von Pimpel und dem Digitalen Zwilling wurde daher ein völlig neuer Ansatz gewählt. Die Inbetriebnahme startete bereits Monate vor der physischen Anlage auf Basis eines digitalen Abbilds der Maschine und ihrer Steuerung.
Screenshots aus CHECKitB4 mit „Run MyVirtual Machine“ von Siemens: Die virtuelle Maschine bildet die reale Steuerung exakt ab und ermöglicht eine realitätsnahe Simulation der Bearbeitungsprozesse.
Anwender: Pöttinger
Die Pöttinger Landtechnik GmbH mit Sitz in Grieskirchen (OÖ) ist ein international führendes Familienunternehmen in der Landtechnik. Seit der Gründung 1871 steht der Name Pöttinger für Innovation, Verlässlichkeit und Nähe zu den Kunden. Heute beschäftigt das Unternehmen weltweit rund 2.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und erzielt einen Exportanteil von etwa 90 Prozent. Das Produktprogramm umfasst Maschinen für Grünland, Bodenbearbeitung, sowie die digitale Landtechnik. Aktuell feiert Pöttinger „25 Jahre Sätechnik“.
• Gründung: 1871 in Grieskirchen
• Familienunternehmen, 4. Generation
• Mitarbeitende: rund 2.200 weltweit
• Exportanteil: ca. 90 %
• Geschäftsfelder: Grünlandtechnik, Bodenbearbeitungstechnik, digitale Landtechnik
Pöttinger Landtechnik GmbH
Industriegelände 1
A-4710 Grieskirchen
http://www.poettinger.at
Virtuelle Inbetriebnahme als Projektbeschleuniger
Grundlage dafür war der von Starrag bereitgestellte Digitale Zwilling der Heckert H75, der Maschine und Steuerung realitätsgetreu abbildet. In Kombination mit CHECKitB4 konnten NC-Programme bereits Monate vor der realen Installation simuliert und optimiert werden. „CHECKitB4 stellt eine exakte digitale Kopie der realen Maschine dar und ermöglicht eine vollständige virtuelle Abbildung des Fertigungsprozesses. Kollisionsrisiken, Steuerungsfehler oder ineffiziente Bewegungsabläufe werden bereits in dieser Phase sichtbar“, beschreibt Markus Zwicklhuber, Technischer Direktor bei der Pimpel GmbH, das System.
Parallel dazu nutzte Pöttinger eine identische Maschine im Werk Chemnitz von Starrag Heckert, um die Programme zusätzlich unter realen Bedingungen einzufahren. Simulation und Praxis griffen dabei nahtlos ineinander. „Dadurch konnten wir Stillstände im realen Prozess vermeiden und dafür sorgen, dass die Programme bereits im Vorfeld fehlerfrei laufen“, so Zwicklhuber weiter. Das Ergebnis war ein massiver Zeitgewinn und eine Inbetriebnahme, die von Beginn an auf einem stabilen Prozessniveau stattfand.
Screenshots aus CHECKitB4 mit „Run MyVirtual Machine“ von Siemens: Die virtuelle Maschine bildet die reale Steuerung exakt ab und ermöglicht eine realitätsnahe Simulation der Bearbeitungsprozesse.
Durchgängige Prozessabsicherung
Die Rolle von Pimpel ging dabei deutlich über die reine NC-Simulation hinaus. Durch die exakte Abbildung der Steuerung konnten auch Schnittstellen und Wechselwirkungen zwischen Maschine, Automation und Leitsystem getestet werden. Damit wurde der Digitale Zwilling zu einem zentralen Werkzeug der gesamten Projektkoordination. In einem Projekt ohne Generalunternehmer, in dem Pöttinger selbst die Gesamtverantwortung trug, war diese Transparenz ein wesentlicher Erfolgsfaktor.
Mit der neuen Anlage erreicht Pöttinger eine Produktivitätssteigerung von rund 20 Prozent inklusive einer deutlich höheren Flexibilität. Noch wichtiger ist jedoch die gewonnene Prozesssicherheit: „Unsere Programme sind validiert, Abläufe optimiert, Risiken minimiert“, fasst es Hamedinger klar zusammen. Die Anlage konnte vom ersten Tag an produktiv betrieben werden, ein entscheidender Vorteil bei den kurzen Planungshorizonten und der hohen Variantenvielfalt bei Pöttinger.
Digitalisierung als Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit
Die Investition von rund sechs Millionen Euro in die neue Fertigungsanlage war für Pöttinger weit mehr als ein reines Technologieprojekt. „Sie steht exemplarisch für den strategischen Anspruch, auch in einem Hochlohnland wie Österreich wettbewerbsfähig zu bleiben und die eigene Fertigungskompetenz gezielt weiterzuentwickeln“, betont Jörg Lechner.
Die frühzeitige Einbindung digitaler Werkzeuge wie CHECKitB4 zeigen, wie sich klassische Investitionsprojekte verändern können – weg von reiner Maschinenbeschaffung hin zu ganzheitlich gedachten Produktionssystemen. Eine virtuelle Inbetriebnahme machte im konkreten Fall den entscheidenden Unterschied. Sie reduzierte die Inbetriebnahmezeit und schuf die Grundlage für einen stabilen Produktionsanlauf. „Ohne den Digitalen Zwilling und CHECKitB4 wäre das enge Umbau-Zeitfenster von nur zwölf Wochen nicht einzuhalten gewesen“, bringt es Iskender Merkezoglu abschließend auf den Punkt.
Die Stärke dieser Investition liegt somit in der Kombination aus Technologie, Digitalisierung sowie partnerschaftlicher Zusammenarbeit und ist ein weiteres Bekenntnis zum Standort Grieskirchen.







Teilen: · · Zur Merkliste