interview
Die Zukunft der Fertigung beginnt beim Spannen: Martin Greif, Stark Spannsysteme
Automatisierung, Digitalisierung und steigender Wettbewerbsdruck verändern die Fertigung nachhaltig. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Spanntechnik – insbesondere die Nullpunktspannsysteme. Im Interview erläutert Martin Greif, Geschäftsführer von Stark Spannsysteme, wie moderne Fertigungsstrategien aussehen, welche Rolle Automatisierung und Digitalisierung spielen und warum präzises Spannen die Basis zukunftsfähiger Produktion ist.
„Wir verstehen uns nicht als Anbieter einzelner Produkte, sondern als Lösungspartner, der gemeinsam mit dem Kunden Fertigungsprozesse weiterdenkt.“ Martin Greif, Geschäftsführer, Stark Spannsysteme
„Präzision ist bei uns kein Anspruch, sondern Teil unserer DNA. Sie prägt unsere Produkte, unsere Prozesse und unser tägliches Arbeiten.“
Herr Greif, Sie sind seit 2017 Geschäftsführer von Stark Spannsysteme. Wie würden Sie das Unternehmen heute beschreiben?
Stark Spannsysteme ist ein traditionsreiches Unternehmen, das 1977 gegründet wurde und sich von Beginn an mit der Effizienz in der Fertigung beschäftigt. In den vergangenen Jahren war das Unternehmen von tiefgreifenden technologischen und strukturellen Veränderungen geprägt. Wir haben uns frühzeitig mit Digitalisierung auseinandergesetzt, Krisen wie die Corona-Zeit aktiv genutzt und unser Portfolio gezielt weiterentwickelt. Ein zentraler Schritt war dabei die strategische Erweiterung unseres Portfolios: Neben der Nullpunktspanntechnik umfasst unser Angebot heute die Werkstückspannung der Marke Hilma. Durch die enge Verzahnung dieser beiden Bereiche können wir unseren Kunden ganzheitliche, aufeinander abgestimmte Spannlösungen anbieten. Unser Anspruch ist es, Fertigungsprozesse messbar effizienter, präziser und wirtschaftlicher zu machen – und das ist bis heute unsere Kernaufgabe.
Stark Classic 2: Nullpunktspannsystem für präzises, schnelles und prozesssicheres Spannen in automatisierten Fertigungsumgebungen.
Nullpunktspanntechnik ist eng mit Stark Spannsysteme verbunden. Wie hat sich diese Technologie entwickelt?
Ursprünglich war die Nullpunktspanntechnik ein klassisches Aufbauelement auf dem Maschinentisch. Über die Jahre hat sie sich jedoch immer stärker zu einem integralen Bestandteil der Werkzeugmaschine entwickelt. Heute steht die vollständige Integration der Spanntechnik in den Prozess im Vordergrund. Es geht nicht mehr nur um das reine Spannen, sondern um ein System, das nahtlos in automatisierte und digitalisierte Fertigungsabläufe eingebettet ist. Dabei gewinnt die Sensorik zunehmend an Bedeutung, weil sie Transparenz über den Zustand von Spannmittel, Werkstück und Prozess schafft und damit die Basis für stabile, automatisierte Abläufe bildet.
Die hohe Fertigungstiefe bei Stark Spannsysteme ermöglicht maximale Flexibilität, kurze Wege und höchste Präzision – von der Entwicklung bis zum fertigen Spannsystem.
Was zeichnet Stark Spannsysteme im Wettbewerb besonders aus?
Ganz klar: Präzision. Sie ist tief in unserer DNA verankert – vom Lehrling bis zur Geschäftsführung. Gleichzeitig verfügen wir über ein sehr breit abgestimmtes, serienreifes Produktportfolio, aus dem wir sowohl Standardlösungen als auch kundenspezifische Anwendungen realisieren können. Wir verstehen uns nicht als Anbieter von Produkten „von der Stange“, sondern als Lösungspartner. Wir analysieren die Herausforderungen beim Kunden und entwickeln darauf abgestimmte Spannlösungen, die sich schnell realisieren lassen und dem Anwender echte Wettbewerbsvorteile bringen.
Kundenspezifische Spannlösungen bei Stark Spannsysteme sind exakt auf die jeweiligen Prozessanforderungen der Kunden abgestimmt.
Warum ist Nullpunktspanntechnik aus Ihrer Sicht die Basis moderner Fertigung?
Nullpunktspanntechnik ist die Grundlage jeder Automatisierung. Nur wenn Werkstücke und Paletten schnell, sicher und reproduzierbar gespannt werden können, lassen sich Prozesse automatisieren und stabil betreiben. Rüstzeiten sind unproduktive Zeiten, jede stehende Spindel kostet Geld. Mit Nullpunktspannsystemen lassen sich diese Zeiten drastisch reduzieren, die Spindellaufzeit maximieren und damit Produktivität und Wirtschaftlichkeit deutlich steigern. Das ist ein entscheidender Wettbewerbsfaktor.
Mit dem neuen Maschinenschraubstock Hilma.UC können Anwender Schraubstöcke für unterschiedliche Werkstücke schneller umrüsten und benötigen weniger Spannmittel.
Welche Rolle spielt Automatisierung in der zukünftigen Fertigung?
Automatisierung ist einer der beiden zentralen Zukunftstreiber, neben der Digitalisierung. Sie schafft die Voraussetzung, Wertschöpfung auch in Hochlohnländern wirtschaftlich und wettbewerbsfähig zu gestalten. Für die Zukunft der Fertigung in Mitteleuropa sind vor allem zwei Faktoren entscheidend: technologische Exzellenz und Automatisierung. Was sich dabei zunehmend verändert, ist der Fokus auf kleinere Losgrößen bis hin zur Losgröße 1. Wer Prozesse beherrscht, die anderswo nicht umsetzbar sind und diese gleichzeitig flexibel automatisiert, bleibt wettbewerbsfähig – unabhängig von steigenden Lohnkosten.
Das 1977 gegründete Hightech-Unternehmen Stark Spannsysteme in Rankweil entwickelt und produziert Nullpunktspannsysteme und Schraubstöcke mit höchster Qualität und Präzision.
Und wie fügt sich die Digitalisierung in dieses Bild ein?
Automatisierung und Digitalisierung gehören untrennbar zusammen. Digitalisierung bedeutet, Prozesse transparenter zu machen, Daten zu nutzen und Maschinen intelligenter einzubinden. Darüber hinaus eröffnet sie neue Möglichkeiten etwa bei der Zustandsüberwachung, der frühzeitigen Erkennung von Verschleiß oder der Prozessüberwachung während der Bearbeitung. Ziel ist es, Störungen frühzeitig zu erkennen, Ausschuss zu vermeiden und Stillstandzeiten auf ein Minimum zu reduzieren.
STARK.intelligence erlaubt eine vollständige digitale Zustandserfassung. Das System liefert zudem wertvolle Informationen zum Gesundheitszustand der Spannmittel und erlaubt damit eine zustandsbasierte Wartung.
Welche Bedeutung hat dabei die eigene Fertigungstiefe bei Stark Spannsysteme?
Eine sehr große. Wir haben bewusst eine hohe Wertschöpfungstiefe am Standort Rankweil aufgebaut. Nur so können wir flexibel auf Kundenanforderungen reagieren, höchste Qualitätsstandards einhalten und kurze Lieferzeiten realisieren. Diese Fertigungstiefe ist auch notwendig, um unsere eigenen Ansprüche an Präzision und Prozesssicherheit dauerhaft erfüllen zu können.
Stark Spannsysteme arbeitet seit vielen Jahren eng mit Maschinenherstellern zusammen. Welche Bedeutung haben solche Partnerschaften?
Solche Partnerschaften sind ein entscheidender Erfolgsfaktor. Eine enge Zusammenarbeit mit Maschinenherstellern ermöglicht es uns, unsere Spanntechnik frühzeitig und optimal in neue Maschinenkonzepte zu integrieren. Gerade bei modernen Bearbeitungszentren spielt das Zusammenspiel aus Maschine, Spanntechnik und Automatisierung eine zentrale Rolle. Ziel ist es, die Leistungsfähigkeit der jeweiligen Maschine bestmöglich zu unterstützen. Eine leistungsstarke Werkzeugmaschine kann ihr Potenzial nur dann ausschöpfen, wenn auch die Spanntechnik entsprechend ausgelegt ist.
Welche Chancen sehen Sie für Anwender, die frühzeitig auf moderne Spanntechnik setzen?
Die größte Chance liegt in der Prozesssicherheit und der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit. Wer heute in moderne Spanntechnik investiert, schafft die Grundlage für Automatisierung, flexible Fertigungsstrategien und stabile Prozesse. Insbesondere sensorintegrierte Spannsysteme liefern zusätzliche Transparenz über den Prozess und ermöglichen es, Abweichungen frühzeitig zu erkennen. Das zahlt sich nicht nur kurzfristig aus, sondern ist eine strategische Entscheidung für die Zukunft der Fertigung.
Apropos Fertigung der Zukunft: Wie sieht diese für Sie aus?
Die Fertigung der Zukunft wird hochpräzise, automatisiert und digital vernetzt sein. Spanntechnik spielt dabei eine Schlüsselrolle, weil sie die Verbindung zwischen Maschine, Werkstück und Prozess darstellt. Gleichzeitig wird die Fertigung sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Nicht jedes Bauteil wird vollautomatisch gefertigt, entscheidend bleibt immer die Wirtschaftlichkeit. Insgesamt wird der Automatisierungsgrad weiter steigen, während Losgrößen kleiner werden. Unternehmen, die diese Zusammenhänge verstehen und konsequent umsetzen, haben beste Chancen, auch in Zukunft erfolgreich zu produzieren.
Welche Impulse und Neuheiten haben Sie dazu auf der EMO gesetzt?
Die EMO ist für uns eine wichtige Plattform, um zu zeigen, wie wir unser Portfolio technologisch und anwendungsseitig weiterentwickeln. Ein besonderes Highlight war sicherlich der Hilma.UC. Bei diesem 5-Achs-Schraubstock haben wir die klassische Spannphysik neu gedacht. Durch einen veränderten Kraftfluss erreichen wir eine sehr hohe Spannkraft, ohne den Maschinentisch zu belasten. Das ermöglicht ein kompaktes, modulares Design mit minimalen Störkonturen und klaren Vorteilen in komplexen Bearbeitungsprozessen. Darüber hinaus standen sensorintegrierte Spannmittel, modulare Schraubstocklösungen, die Automatisierung des Werkstückwechsels sowie neue elektrisch angetriebene Spannlösungen im Fokus. Auch Themen wie verzugsfreies Spannen und die Werkstück-Direktspannung haben wir gezielt adressiert.
Wie fällt die Resonanz der Kunden aus?
Die Resonanz ist sehr positiv. Insbesondere beim verzugsfreien Spannen und bei sensorintegrierten Lösungen zeigt sich ein klarer Trend hin zum produktiven Einsatz in der Fertigung. Diese Technologien werden von den Kunden nicht nur intensiv getestet, sondern zunehmend auch in laufenden Prozessen eingesetzt. Die Rückmeldungen aus realen Anwendungen bestätigen, dass unsere Lösungen prozesssicher funktionieren und den aktuellen Anforderungen der Fertigung entsprechen, auch in internationalen Projekten.
Abschließend gefragt: Was motiviert Sie täglich, die Herausforderungen anzunehmen?
Mich motiviert vor allem die Zusammenarbeit mit meinen Mitarbeitenden. Wir arbeiten als Team zusammen, jeder übernimmt Verantwortung und entwickelt Lösungen gemeinsam weiter. Dieses Miteinander, der fachliche Austausch und auch der Spaß an der täglichen Zusammenarbeit sind für mich ein ganz wesentlicher Antrieb. Damit das auch langfristig so bleibt, ist es mir wichtig, passende Rahmenbedingungen zu schaffen – mit sicheren Arbeitsplätzen, klaren Perspektiven und einem Umfeld, in dem man sich einbringen und weiterentwickeln kann. Zu sehen, wie aus Ideen präzise, funktionierende Lösungen entstehen, ist für mich eine große Motivation, sich jeden Tag neuen Herausforderungen zu stellen.
Vielen Dank für das Gespräch!
Produkte im Bericht
Römheld Hilma.UC 125
Das universal Spannsystem Hilma.UC 125 ist für fast unbegrenzte Spannaufgaben geeignet. Kleine Werkstücke können ebenso wie große Platten gespannt und mit hohen Freiheitsgraden bearbeitet werden. Auch bei sich ändernden Anforderungen an die Fertigung, muss keine weitere Investition in neue Spannmittel getätigt werden. Das universal Spannsystem Hilma.UC ist mit wenigen Handgriffen auf unterschiedliche Werkstückgeometrien anpassbar.
Stark Spannsysteme Stark Classic 2
Die Schnellspannverschlüsse der Produktfamilie STARK.classic sind Nullpunktspannsysteme mit vielseitigen Einsatzmöglichkeiten. STARK.classic werden zum Einbau in Maschinenpaletten, Platten, Winkeln, Würfeln, Türmen und Schwenkbrücken verwendet. Einsetzbar für alle gängigen Bearbeitungen wie Fräsen, Drehen, Schleifen, Erodieren sowie auf Prüfständen für Montagevorrichtungen. Die Schnellspannverschlüsse aus hochwertigem Werkzeugstahl werden mechanisch gespannt und hydraulisch gelöst.









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