interview

Neukundenanteil von fast 40%

Anfang Februar fand das traditionelle Motion Meeting in Thun statt. Wir nutzten die Gelegenheit, mit Herrn Sandro Bottazzo, CSO der Fritz Studer AG, über die aktuelle wirtschaftliche Situation, den österreichischen Markt und die Ausbildung bei Studer zu sprechen. Das Gespräch führte Christof Lampert, x-technik

Unser Ziel ist es, unsere Kunden noch erfolgreicher zu machen.

Sandro Bottazzo , CSO der Fritz Studer AG

Unser Ziel ist es, unsere Kunden noch erfolgreicher zu machen. Sandro Bottazzo , CSO der Fritz Studer AG

Herr Bottazzo, Studer hat in den letzten Jahren sehr viel in den Standort Thun investiert. Wie ist die wirtschaftliche Lage bei Studer aktuell?

Nach dem Rekordjahr 2018 hatten wir 2019 das drittbeste Jahr in unserer Firmengeschichte, obwohl die Investitionsfreude schon getrübt war und einige Entscheidungen bereits auf die lange Bank geschoben wurden. In 2020 sehen wir ganz klar, dass der Wind rauer wird und es mehr Wolken am Himmel gibt. Besonders der Bereich Automotive befindet sich in einem Umbruch und schwächelt. Aber es gibt auch in diesem Jahr noch Bereiche, die durchaus Potential für Wachstum haben.

Studer Maschinenüberholungen – am Ende wird dem Kunden ein Produkt übergeben, das sich in Qualität und Präzision mit der Erstauslieferung vergleichen lässt.

Studer Maschinenüberholungen – am Ende wird dem Kunden ein Produkt übergeben, das sich in Qualität und Präzision mit der Erstauslieferung vergleichen lässt.

In welchen Branchen bzw. Regionen sehen Sie das größte Wachstumspotenzial?

Wenn wir von den nächsten ein bis zwei Jahren sprechen, dann ist das ganz klar der Bereich Aerospace und die angrenzenden Industrien. Ebenso sehen wir im Bereich der Lohnfertiger gute Wachstumsmöglichkeiten. Das ist auch das Rückgrat unserer Firma und deshalb werden diese Klein- und Mittelbetriebe bei Studer genauso intensiv und seriös gepflegt wie große OEMs. Wenn wir von den Regionen sprechen, dann sehe ich das größte Wachstumspotential ganz klar in Asien. Aber auch in den europäischen und amerikanischen Kernmärkten sehe ich durchaus weiteres Wachstumspotenzial und die Chance, Neukunden zu gewinnen.

Unter dem Motto «The Art of Grinding» fand das diesjährige Motion Meeting im Berner Oberland statt.

Unter dem Motto «The Art of Grinding» fand das diesjährige Motion Meeting im Berner Oberland statt.

Schweiz ist als Hochlohnland bekannt, welche Vorteile hat der Werkplatz Schweiz?

Ich glaube, dass wir im Wettbewerbsumfeld sehr gute Möglichkeiten haben. Ein wesentlicher Vorteil der Schweiz ist sicherlich der flexible Arbeitsmarkt auf der Arbeitnehmerseite und das gute Verhältnis, welches zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer herrscht. Des Weiteren verfügen wir durch unser duales Ausbildungssystem über top qualifizierte Arbeitskräfte. Ganz zu schweigen von dem riesigen Standortvorteil durch unsere Sprachenvielfalt und dem hohen Exportanteil. Wir glauben also ganz fest an den Werkplatz Schweiz.

Die favorit ist eine CNC-Universal-Rundschleifmaschine für kurze bis lange Werkstücke in der Einzel- und Serienfertigung und wurde laut Sandro Bottazzo sehr gut am Markt angenommen.

Die favorit ist eine CNC-Universal-Rundschleifmaschine für kurze bis lange Werkstücke in der Einzel- und Serienfertigung und wurde laut Sandro Bottazzo sehr gut am Markt angenommen.

Wie wichtig ist der österreichische Markt für Ihr Unternehmen?

Für uns ist Österreich ein sehr wichtiger Markt. Von der Größe her können Sie den österreichischen Markt natürlich nicht mit Deutschland oder China vergleichen, aber es ist ein Land, das man nicht unterschätzen darf. Hier gibt es immer wieder die Möglichkeit für sehr interessante und spannende Projekte, die technisch gesehen oft sehr anspruchsvoll sind. Genau diesen Herausforderungen stellen wir uns gerne.

Studer bietet seinen Kunden eine grosse Spannbreite an Automationslösungen an. Beim Einsteiger-Modell Studer easyLoad geht es in erster Linie um die kostengünstige Möglichkeit, der Schleifmaschine die gewünschten Teile zuzuführen bzw. abzuführen.

Studer bietet seinen Kunden eine grosse Spannbreite an Automationslösungen an. Beim Einsteiger-Modell Studer easyLoad geht es in erster Linie um die kostengünstige Möglichkeit, der Schleifmaschine die gewünschten Teile zuzuführen bzw. abzuführen.

Themawechsel: Wie wichtig ist der Bereich Ausbildung bei Studer?

Für die Firma Studer war und ist eine gute Ausbildung sehr wichtig. Wir haben aktuell um die 80 Lehrlinge, also mehr als 10 % unserer Belegschaft sind Auszubildende. Daran kann man gut ermessen, welchen Stellenwert zukünftige Fachkräfte bei uns haben. Wir bieten unseren Polymechaniker-Lehrlingen ab dem zweiten Lehrjahr auch die Möglichkeit, sich als Schleifer zu spezialisieren. Wir bilden so unsere Lehrlinge zu Schleifprofis im eigenen Haus aus und sind weniger auf den externen Arbeitsmarkt angewiesen.

Durch eine Maschinenüberholung wird die ursprüngliche Präzision und Qualität komplett wiederhergestellt und mittels Zertifikat belegt. Hier im Bild ein Studer Schleifspindelstock vor und nach der Überholung.

Durch eine Maschinenüberholung wird die ursprüngliche Präzision und Qualität komplett wiederhergestellt und mittels Zertifikat belegt. Hier im Bild ein Studer Schleifspindelstock vor und nach der Überholung.

Sie selbst haben ja auch die Lehre bei Studer absolviert, wenn ich richtig recherchiert habe?

Ja, das stimmt. Ich weiß nicht ob Sie das wissen, aber mein Vater arbeitet ja auch für die Firma Studer und das hat mich in der Kindheit schon sehr geprägt. Für mich war Studer immer der Wunscharbeitgeber und mir war immer klar, dass ich die Lehre bei Studer machen werde. Im zweiten Bildungsweg holte ich die Matura nach, absolvierte meinen Master an der Fachhochschule und vertiefte später mein Wissen mit Weiterbildungen an diversen internationalen Universitäten. Sie sehen, die duale Ausbildung hat auch mich stark geprägt und ist ein wesentlicher Vorteil der Schweiz.

Mit dem drittbesten Jahresumsatz in der Geschichte konnte der Rundschleifmaschinenhersteller erneut den Marktanteil steigern. Die Geschäftsleitung von Studer: Jens Bleher (CEO), Stephan Stoll (COO), Daniel Huber (CTO) und Sandro Bottazzo (CSO).

Mit dem drittbesten Jahresumsatz in der Geschichte konnte der Rundschleifmaschinenhersteller erneut den Marktanteil steigern. Die Geschäftsleitung von Studer: Jens Bleher (CEO), Stephan Stoll (COO), Daniel Huber (CTO) und Sandro Bottazzo (CSO).

Der Bereich Customer Care war für Sie immer ein wichtiges Segment. Immer noch?

Dieser Bereich ist für uns nach wie vor sehr wichtig und wird auch immer bedeutender. Mit dem Customer Care bieten wir eine klare Differenzierung zu unseren Marktbegleitern. Wir haben zum Beispiel weltweit rund 130 Servicetechniker, die nur für die Marke Studer unterwegs sind. In Europa sind es alleine über 70 Techniker. Das ist in unserer Branche mit Sicherheit ein Alleinstellungsmerkmal. Wir werden diesen Bereich auch kontinuierlich ausbauen, denn wir sind davon überzeugt, dass wir mit unseren Servicedienstleistungen einen Mehrwert für unsere Kunden generieren können.

Durch eine Maschinenüberholung wird die ursprüngliche Präzision und Qualität komplett wiederhergestellt und mittels Zertifikat belegt. Hier im Bild ein Studer Schleifspindelstock vor und nach der Überholung.

Durch eine Maschinenüberholung wird die ursprüngliche Präzision und Qualität komplett wiederhergestellt und mittels Zertifikat belegt. Hier im Bild ein Studer Schleifspindelstock vor und nach der Überholung.

Welche Servicedienstleistungen bieten Sie hier konkret an?

Wir bieten hier alle klassischen Standarddienstleistungen an. Also von der Inbetriebnahme, Schulung, Wartung, Inspektion bis hin zu ganzen Maschinen- und Baugruppenüberholungen sowie Umbauten und Nachrüstungen. Wir haben alleine in Thun und Biel große Vorführ- und Technologiezentren mit über 30 Maschinen, um Schleifversuche und die unterschiedlichsten Schulungen anzubieten und unsere Kunden optimal auf die verschiedensten Schleifaufgaben vorzubereiten. Erfolgsstorys in diesem Zusammenhang sind unsere Maschinenüberholungen und unsere standardisierten Wartungsverträge. Letzteres haben aktuell beispielsweise über 70 % unserer installierten Maschinen. Ein Wartungsvertrag ist bei uns ein klar definiertes Produkt mit einem festen Preis. Somit weiß der Kunde schon im Vorhinein, was er für sein Geld bekommt. Das wird sehr gut angenommen.

Nach der favorit im Jahr 2018 hat die Fritz Studer AG 2019 die neue Universal-Außenrundschleifmaschinen S31 und S33 vorgestellt. Wie wurden die Maschinen im Markt angenommen?

In Summe wurden alle drei Maschinen sehr gut angenommen. Dadurch, dass wir die favorit mit den Spitzenweiten von 400 / 650 / 1.000 / 1.600 mm anbieten, passt sie nicht nur preis-leistungsmäßig perfekt in das Segment der Lohnfertiger, sondern auch für jene Kunden, die eine Universalmaschine benötigen, um flexibel zu agieren. Mit der S31 konnten wir zudem technologisch eine Lücke zwischen der alten S31 und der S41 schließen. Mittlerweile haben wir über 100 Stück dieser Maschinen verkauft und wir bekommen auch von unseren Kunden ein sehr gutes Feedback bezüglich Qualität und Präzision, was mich persönlich sehr freut.

Welche Trends gibt es Ihrer Meinung nach aktuell auf dem Schleifmaschinen-Markt? Oder anders gefragt: Wie sieht die Zukunft der Branche aus und wohin entwickelt sie sich?

Die Digitalisierung ist sicherlich ein Trendthema. Wenn wir jedoch von Digitalisierung sprechen und wir das ganzheitlich betrachten, dann sprechen wir auch immer von Automatisierung. In diesem Bereich haben wir in der Vergangenheit sehr viel Geld investiert und dadurch sind wir jetzt auch in der Lage, unseren Kunden unterschiedlichste Lösungen und eine große Spannbreite an Automationslösungen anzubieten. Ein weiterer Trend ist sicherlich auch die mannlose Fertigung sowie die Benutzerfreundlichkeit. In Sachen Benutzerfreundlichkeit bin ich sehr stark davon überzeugt, dass sich die Welt der Schleifmaschinen verändern wird. Hier wird die Konsumgütergesellschaft sehr viel vorgeben und natürlich auch der demografische Wandel, in dem wir uns gerade befinden.

Wo sehen Sie Ihr Unternehmen in 10 Jahren?

Wir sind heute im Rundschleifen der größte Anbieter von Schleifmaschinen. Wenn Sie sich die Marktanteile anschauen, dann wollen wir natürlich auch in 10 Jahren weiterhin führend im Markt sein. Dafür müssen und wollen wir uns in allen Bereichen weiterentwickeln, sei das in der Forschung und Entwicklung oder auch auf der Vertriebsseite. Persönlich wünsche ich mir, dass wir als Unternehmen modern und agil bleiben und dass unsere Mitarbeiter auch noch in zehn Jahren genauso viel Herzblut einbringen, wie sie es heute schon tun und wir ein Unternehmen sind, bei dem unsere Kunden im Mittelpunkt stehen.

Abschließend noch die Frage, was unterscheidet eine Studer von anderen Schleifmaschinen?

Ich möchte Ihnen jetzt nicht die technischen Unterschiede zu unseren Marktbegleitern aufzählen, da kann ich Ihnen einen Prospekt mitgeben. „The Art of Grinding.“, so wie wir das hier leben, das macht ganz klar den Unterschied aus. Oder besser gesagt, die Summe aus vielen kleinen Dingen wie z. B. unsere Forschung und Entwicklungsabteilung, die Nähe zum Kunden, das Thema Customer Care, die Breite unseres Produktportfolios oder über 100 Jahre an Erfahrung. Kommen Sie nach Thun und sehen Sie sich an, wie unsere Mitarbeiter „The Art of Grinding.“ leben und dann spüren Sie auch unseren Spirit, wie wir arbeiten, wie die Fritz Studer AG so tickt – nehmen Sie sich die Zeit, es lohnt sich wirklich!

Vielen Dank für das Gespräch.

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