anwenderreportage
Siemens Mobility Austria setzt am Standort Graz bei der Bearbeitung von Fahrwerksrahmen auf Sonderwerkzeuge von Jongen
Siemens Mobility Austria bietet Lösungen im Bereich Schienenverkehrstechnik und Mobilität. Die Kernkompetenzen des Standorts in Graz liegen in der Produktion von Fahrwerken für verschiedenste Schienenfahrzeuge und Pantografen. Ein wesentlicher Fertigungsschritt ist die mechanische Bearbeitung der Fahrwerksrahmen, die maßgeblich zum Reisekomfort sowie der Sicherheit moderner Schienenfahrzeuge beitragen. Um bei der Zerspanung die Prozesssicherheit gewährleisten zu können und auch die Produktivität möglichst hochzuhalten, setzt man unter anderem auf perfekt abgestimmte Sonderwerkzeuge aus dem Hause Jongen.
Siemens Mobility Austria setzt am Standort Graz bei der Bearbeitung von Fahrwerksrahmen auf Sonderwerkzeuge von Jongen.
Shortcut
Aufgabenstellung: Anspruchsvolle Motorlagerbearbeitung in einer Aufspannung – Schrupp- und Schlichtspan mit einem Werkzeug.
Lösung: Sonderwerkzeug von Jongen.
Nutzen: Prozesssicherheit; enorme Zeitersparnis; hohe Genauigkeit; kurze Reaktionszeiten.
Die Erneuerung und der Ausbau des Schienenverkehrs sind zentrale Elemente des Green Deals der Europäischen Union. Hier gilt es noch viel zu tun – insbesondere beim Ausbau des Streckennetzes und der Investition in neue, hochmoderne Züge, Straßen- und U-Bahnen. „Vor dem Hintergrund des Klimawandels ist es für Städte und Regionen notwendig, Mobilität auf die umweltfreundliche Schiene zu verlagern“, betont Martin Gruber, Meister Mechanische Fertigung, Siemens Mobility Austria GmbH.
Aufgrund der besonderen Anforderung sowie der beschränkten Zugänglichkeit bei der Motorlagerbearbeitung hat die Siemens Mobility Graz gemeinsam mit Jongen spezielle Sonderwerkzeuge ausgearbeitet.
Fußnote
*Ein Stromabnehmer ist eine Komponente am Dach von Schienenfahrzeugen zur Übertragung von elektrischer Energie von einem entlang der Fahrbahn montierten stromführenden Leiter zu den elektrisch betriebenen Anlagen des Fahrzeugs.
Fahrwerkskompetenzzentrum in Graz
Der Standort Graz ist das Weltkompetenzzentrum für Fahrwerke von Siemens Mobility. Die Produktionsmöglichkeiten werden daher laufend ausgebaut und erweitert. „Qualitativ hochwertige Fahrwerke prägen maßgeblich den Reisekomfort sowie die Sicherheit in modernen Zügen und tragen dazu bei, Mobilität von Menschen und Gütern auf die umweltfreundliche Schiene zu verlagern“, so Gruber weiter. Mit unterschiedlichen Maßnahmen bereitet sich Siemens Mobility auf ein mittel- bis langfristig positives Marktumfeld vor. Neben der Steigerung des Outputs und der Qualität liegt ein wesentlicher Schwerpunkt auf der Senkung der Fertigungsdauer der teils sehr großen Komponenten.
Das aktuell und auch langfristig positive Marktumfeld sorgt am Standort Graz für intensive Forschungs- und Produktionsaktivitäten. Auch Fahrwerke für Regionalzüge und Straßenbahnen haben einen hohen Anteil an der sehr guten Auftragslage. „Pro Jahr produzieren wir rund 3.500 Fahrwerke sowie 1.500 Pantografen (Anm.: Stromabnehmer)*. Unsere Erzeugnisse sind rund um den Globus im Einsatz. Das macht uns besonders stolz“, freut sich der Fertigungsleiter.
Hohe Wirtschaftlichkeit durch moderne Fertigung
In Graz finden alle Fertigungsschritte für die Fahrwerke statt – von der Bereitstellung der Schweißkonstruktion, der mechanischen Bearbeitung über das Kugelstrahlen und Lackierung, die Vor- und Endmontage bis hin zur Qualitätssicherung. Große Fortschritte bei der Fertigungsgeschwindigkeit wurden beispielsweise durch eine neue Druckstandslinie erzielt. „Unser Hauptaugenmerk am Standort in Graz liegt auf der Zerspanung der kompletten Fahrwerksrahmen. Für diese Bearbeitung haben wir in den letzten Jahren in entsprechend hochwertige Fahrständerfräsmaschinen inklusive Teilautomatisierung investiert“, bringt sich Marcel Krainer, zuständig für die Arbeitsvorbereitung der mechanischen Fertigung, ein.
Aufgrund der hohen Nachfrage ist laut Krainer der Produktmix in den letzten Jahren massiv gestiegen: „Dementsprechend haben wir auch unsere Aufspannungen und Bearbeitungsstrategien auf eine möglichst hohe Flexibilität hin ausgerichtet.“ Hauptziel der Fertigungsoptimierung war die Reduktion der Nebenzeiten sowie die Optimierung der Zerspanung an sich. „Die Schwierigkeit bei der Zerspanung unserer Fahrwerksrahmen ist, dass diese möglichst in einer Aufspannung stattfinden soll. Dazu haben wir bei den Maschinen auch entsprechende Winkelfräsköpfe im Einsatz und setzen hochproduktive Sonderwerkzeuge von Jongen ein“, geht Krainer ins Detail.
Sonderwerkzeuge von Jongen
Da die Fahrwerksrahmen als Schweißkonstruktionen gefertigt sind, treten bei der Zerspanung häufig auch Schwingungen auf. Die Zerspanungswerkzeuge haben mitunter auch eine hohe Auskraglänge, damit die Zugänglichkeiten bei den einzelnen Bearbeitungen erst möglich werden. So ist es auch bei der sehr heiklen Motorlagerbearbeitung, die pro Fahrwerk viermal durchzuführen ist. „Für diese Motorlagerbearbeitung gibt es am Markt keine Standardwerkzeuge, mit denen wir die Zugänglichkeit erreicht hätten. Daher haben wir gemeinsam mit Jongen spezielle Sonderwerkzeuge ausgearbeitet“, begründet Krainer die Notwendigkeit, dafür spezielle Werkzeuge zu entwickeln.
Dass man Projekte wie diese gemeinsam mit Jongen durchführt, hat laut den Siemens Mobility-Spezialisten gute Gründe. Zum einen verbindet die beiden Unternehmen bereits eine mehr als 20-jährige Kooperation. Zum anderen bringt Jongen für Siemens Mobility höchste Kompetenz in der Entwicklung von Sonderwerkzeugen mit. „Aufgrund unserer Spezialisierung auf Fräs- und Bohrwerkzeuge verstehen wir die Anforderungen solch komplexer Projekte. Zudem können wir aufgrund unserer Struktur mit einer eigenen Engineering-Abteilung für Sonderwerkzeuge und hoher Eigenfertigung sehr schnell auf die Bedürfnisse unserer Kunden eingehen. So können wir Sonderwerkzeuge innerhalb von vier Wochen – von der Auftragserteilung, Konstruktion, Fertigung bis hin zur Auslieferung – realisieren“, begründet Jörg Schrattel, zuständig für Anwendungstechnik und Vertrieb bei der Jongen Werkzeugtechnik GmbH, warum man ein Partner auf Augenhöhe ist.
Die Firma Jongen Werkzeugtechnik GmbH wurde 1974 gegründet und hat ihren Stammsitz in Willich in Nordrhein-Westfalen. Seit 50 Jahren produziert man dort Fräs- und Bohrwerkzeuge zur Metall- und Kunststoffbearbeitung auf höchstem Niveau. Jongen fertigt Vollhartmetallwerkzeuge, Trägerwerkzeuge sowie auch Wendeplatten inklusive Beschichtung. Das Hartmetall bezieht man großteils von der Schwesterfirma Tribo Hartstoffe GmbH.
Prozesssicherheit inklusive Produktivitätssteigerung
„Bei dem aktuellen Projekt der Motorlagerbearbeitung war die Schwierigkeit, dass wir mit einem Werkzeug verschiedene Bearbeitungsstrategien perfekt umsetzen mussten“, so Schrattel weiter. „Wir mussten das Werkzeug so konzipieren, dass der Durchmesser nicht zu groß gewählt wird, weil wir sonst Probleme bei der Umschlingung haben und dass der Durchmesser auch nicht zu klein gewählt wird, da sonst das Werkzeug zu instabil werden würde.“
Bei der Schruppbearbeitung muss das Werkzeug bis zu acht Millimeter in der Tiefe bewältigen, dabei kann der Schruppspan jedoch zwischen drei und acht Millimeter variieren. „Trotzdem muss diese Bearbeitung immer prozesssicher in einem Schnitt fertigbar sein. Anschließend wird mit dem Schichtspan die geforderte Durchmessertoleranz und die Oberflächengüte der Bohrung gefertigt“, ergänzt Marcel Krainer und bestätigt: „Das Sonderwerkzeug von Jongen läuft einwandfrei und hat nicht nur die Prozesssicherheit gewährleistet, sondern bringt zusätzlich eine enorme Produktivitätssteigerung mit sich.“
Konzepte auf Schiene bringen
Siemens Mobility in Graz setzt nicht nur beim Einsatz von Sonderwerkzeugen auf die Kompetenz des deutschen Werkzeugherstellers. Auch Standardwerkzeuge von Jongen sind vermehrt im Einsatz und die Zusammenarbeit wird weiter ausgebaut. „Wir haben eine starke Partnerschaft aufgebaut und mit Jongen einen Ansprechpartner, der absolut verlässlich ist und uns immer kompetent zur Seite steht. Ausfälle können wir uns nicht leisten und dafür bietet uns Jongen eine 100%ige Sicherheit. Es ist heute wirklich wichtig am Markt, dass man schnell agieren kann, schnell reagieren kann und Konzepte auf Schiene bringt“, fasst es Marcel Krainer abschließend plakativ zusammen.
www.jongen.de
Fußnote:* Ein Stromabnehmer ist eine Komponente am Dach von Schienenfahrzeugen zur Übertragung von elektrischer Energie von einem entlang der Fahrbahn montierten stromführenden Leiter zu den elektrisch betriebenen Anlagen des Fahrzeugs.
Anwender: Siemens Mobility
Am Siemens Mobility Standort Graz arbeiten rund 1.600 Menschen. Pro Jahr werden rund 3.500 Fahrwerke sowie 1.500 Pantografen erzeugt. Mehr als 270 Engineering-Experten arbeiten im Bereich Forschung und Entwicklung, um Innovationen und Verbesserungen für die Kunden umzusetzen. Erzeugnisse aus Graz sind rund um den Globus im Einsatz wie etwa bei den ÖBB Railjets, den Railjets der neuen Generation, den neuen Nachtreisezügen oder den ICEs der Deutschen Bahn DB. In zahlreichen Nah- und Regionalzügen in ganz Europa finden sich die Fahrwerke aus Graz, sie sind außerdem einer der Schlüssel für den Erfolg der mehr als 2.000 verkauften Vectron-Loks. Auch in U-Bahnen und Straßenbahnen der Metropolen Wien, München, London, Berlin, Oslo, Singapur oder Bangkok trifft man Erzeugnisse aus der Steiermark.
Siemens Mobility Austria GmbH
Eggenbergerstrasse 31
A-8020 Graz
https://www.mobility.siemens.com/at/de.html












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