interview

Neue Schneidstoffsorten im Portfolio

Chromhaltige Werkstoffe, rostfreie Stähle Ceratizit entwickelt und fertigt innovative Hartmetalllösungen für die Zerspanung. Das Unternehmen besitzt weltweit über 1.000 Patente und beschäftigt mehr als 200 Mitarbeiter in Forschung und Entwicklung. Wir sprachen mit Dr. Uwe Schleinkofer, F&E-Direktor von Ceratizit, unter anderem über neue Entwicklungen im Bereich der Schneidstoffsorten, die Erfolgsgeschichte der neuen SilverLine-Werkzeuge sowie über die Integration der einzelnen Marken unter dem Dach der Marke Ceratizit. Das Gespräch führte Christof Lampert, x-technik

Wir wollen unsere technologische Führerschaft im Bereich der Beschichtung weiter halten bzw. ausbauen.

Dr. Uwe Schleinkofer, F&E-Direktor von Ceratizit

Wir wollen unsere technologische Führerschaft im Bereich der Beschichtung weiter halten bzw. ausbauen. Dr. Uwe Schleinkofer, F&E-Direktor von Ceratizit

Herr Schleinkofer, Ceratizit gilt seit mehr als 95 Jahren als der Pionier für Hartstoffe. An welchen Entwicklungen wird aktuell geforscht?

Das Forschungs- und Entwicklungsteam von Ceratizit arbeitet ständig daran, Zerspanungswerkzeuge wie Wendeschneidplatten, Vollhartmetallwerkzeuge sowie Speziallösungen weiter zu entwickeln, damit unsere Kunden noch effizienter und produktiver fertigen können. Gleichzeitig versuchen wir, die dazugehörigen Herstellungsprozesse zu verbessern, auch im Sinne der Nachhaltigkeit. Ein weiteres wichtiges Thema, welches immer mehr in den Fokus rückt, ist der Bereich der Digitalisierung und deren Anwendungen. Hier sprechen wir vor allem über Toolmanagement, Prozessüberwachung, Hilfestellungen oder auch das Einwirken in die Steuerung, das CAD/CAM-System usw. Last but not least halten wir natürlich unsere Substrate permanent auf dem neuesten Stand und im Bereich der Beschichtung wollen wir unsere technologische Führerschaft weiter halten bzw. ausbauen. Das Ganze natürlich gepaart mit einem erstklassigen Service-Portfolio.

Die Sorte CTCM245 verfügt über eine optimierte Schicht- und Substratkombination, die speziell zur Bearbeitung von hochlegierten Stählen entwickelt wurde.

Die Sorte CTCM245 verfügt über eine optimierte Schicht- und Substratkombination, die speziell zur Bearbeitung von hochlegierten Stählen entwickelt wurde.

Sie präsentierten während ihrer „It’s Tool Time Premiere“ neue Schneidstoffsorten für die Bearbeitung hochlegierter und rostfreier Stähle. Können Sie hier etwas detaillierter werden?

Die Frässorte CTCM245 verfügt über eine optimierte Schicht- und Substratkombination, die speziell zur Bearbeitung von chromhaltigen Werkstoffen, martensitische rostfreie Stähle und höher legierte, austenitische rostfreie Stähle, entwickelt wurde. Aufgrund ihrer hohen Temperaturbeständigkeit, enormen Härte und Zähigkeit profitieren unsere Anwender von sehr hohen Schnittgeschwindigkeiten, hohen Standzeiten, einer sehr guten Prozesssicherheit und berichten über hervorragende Ergebnisse vor allem bei der Trockenbearbeitung. Die Schneidstoffsorte CTCM245 ist zudem auf den verschiedensten Wendeschneidplatten etabliert, sodass man die Vorzüge dieser neuentwickelten Sorte auf unterschiedlichsten Prozessen wie Planfräsen, Profil-3D-Fräsen oder auch Nutfräsen nutzen kann.

Die Sorten CTCM120, CTPM125 und CTCTM130 decken den gesamten Einsatzbereich von hoch verschleißfest bis ausgesprochen zäh für den Drehbereich von rostfreien Stählen ab. Unsere Kunden können hier je nach Anwendung aus drei Geometrien bei negativen Wendeplatten bzw. zwei bei positiven Wendeplatten wählen – und das über alle drei Schneidstoffsorten hinweg. Damit decken wir alle Anwendungsbereiche in der Bearbeitung von austenitischen rostfreien Stählen lückenlos ab. Ich glaube, mit diesen unterschiedlichen Sorten ist uns ein ganz gutes Paket gelungen, um die unterschiedlichsten Anforderungsprofile perfekt abzudecken.

Die Sorten CTCM120, CTPM125 und CTCTM130 sind dank der Dragonskin-Beschichtung besonders leistungsstark und prozesssicher.

Die Sorten CTCM120, CTPM125 und CTCTM130 sind dank der Dragonskin-Beschichtung besonders leistungsstark und prozesssicher.

In welchen Werkzeugsystemen kommt die neue Frässorte CTCM245 zum Einsatz?

Wir haben uns bei diesen Schneidstoffsorten zuerst einmal nur auf bestimmte Frässysteme fokussiert. Im zweiten Schritt werden wir diese dann sukzessive ausbauen und weiter etablieren. Jedoch nur dort, wo es aus unserer Sicht auch Sinn macht und wo der Kunde einen Mehrwert generieren kann.

Höhere Schnittgeschwindigkeit und längere Standzeiten – das versprechen die universellen Fräser der neuen SilverLine-Generation von Ceratizit.

Höhere Schnittgeschwindigkeit und längere Standzeiten – das versprechen die universellen Fräser der neuen SilverLine-Generation von Ceratizit.

Apropos Innovationen. Wie wird die neue Generation der SilverLine-Werkzeuge am Markt angenommen?

Sehr gut. Wir haben nach der Einführung teilweise in wenigen Wochen Verdoppelungen der Umsätze erzielt. Das ist natürlich sehr erfreulich und hat unsere Erwartungen mehr als übertroffen. Dass wir mit dieser Linie erfolgreich sein werden, hat mich nicht sonderlich überrascht, denn wir haben ein Hochleistungswerkzeug entwickelt, welches zudem noch multifunktionell und für sehr viele Anwendungen einsetzbar ist. Auf diese Kombination hat der Markt lange gewartet und mit der Einführung unserer SilverLine-Werkzeuge konnten wir für unsere Kunden eine Art „Sorglos-Paket“ schaffen.

Kommen wir zu einem anderen Thema. Ist Ceratizit eigentlich auch im Bereich der Additiven Fertigung tätig?

Die Additive Fertigung ist ein Hype, da brauchen wir nicht darüber reden. Aber ich habe manchmal den Eindruck, dass die Additive Fertigung als Mittel zum Zweck, um innovativ dazustehen, missbraucht wird. Wir versuchen das ein bisschen differenzierter zu sehen und fokussieren uns hier auf die Anwendungsbereiche Fertigungshilfsmittel, Rapid Prototyping sowie auf Komponenten, die wir ohne Additive Fertigung so nicht herstellen können. Um es auf den Punkt zu bringen, wir setzen die Additive Fertigung nur dann ein, wenn es für unsere Kunden und uns auch Sinn macht und nicht, um innovativ zu wirken. Der Nutzen des Kunden muss immer im Fokus stehen. Unsere PKD-Planfräser sind ein gutes Beispiel. Die additive Fertigung erlaubt es uns nicht nur, bei gleichem Durchmesser deutlich mehr Schneiden zu realisieren und die Werkzeugstabilität durch innovative Geometrieausgestaltung zu optimieren, sondern auch die Kühlmittellenkung so zu designen, dass die Zerspanstelle optimal gekühlt und die Späne zielgerichtet gelenkt werden.

Wie sehen Sie eigentlich die aktuelle Entwicklung bezüglich Elektromobilität?

Die Elektromobilität ist nicht mehr aufzuhalten und wir werden im Bereich Automotive sicherlich mit Verlusten leben müssen. Im Bereich Powertrain verlieren wir ca. 70 % Zerspanungsanteil. Damit müssen bzw. haben wir uns schon abgefunden. Wir werden aber weiterhin im Bereich Automotive mit Achsen, der Aluminiumrad-Bearbeitung sowie in den neuen Bereichen wie bei der Batteriewanne, dem Elektromotorgehäuse und vielen anderen Anwendungsthemen unsere Umsätze machen. Die Hersteller wissen jetzt, wie viele neue Bauteile sie in den nächsten Jahren brauchen – die sie oft noch nie gefertigt haben. Hier stehen unser Projekt-Engineering-Team und unsere Komplettlösungen zur Verfügung, um effiziente Lösungen anzubieten.

2019 hat Ceratizit die Marken Ceratizit, Komet und WNT unter die Dachmarke Ceratizit Group zusammengeführt. Ist diese Integration jetzt abgeschlossen?

Ja, absolut! Wir werden diesen Sommer einen neuen Katalog herausbringen, der erstmalig alle Marken in einem Gesamtkatalog zusammenfasst und symbolisch für die erfolgreiche Integration steht. Unter der Dachmarke Ceratizit Group steht Komet für Wendeplattenbohrer, Reibahlen, Senker, Ausspindelwerkzeuge und Aussteuerwerkzeuge. WNT ist unsere Marke für HSS- und VHM-Bohrer sowie Fräser, Gewindewerkzeuge, Werkzeugaufnahmen und Werkstückspannungen und zu guter Letzt steht die Marke Ceratizit für Wendeplattenwerkzeuge zum Drehen, Fräsen, Stechen, Werkzeuge mit ultraharten Schneidstoffen sowie die Toolüberwachungssysteme und Digitalisierungsprodukte. Wie Sie sehen, sind wir im Zerspanungsbereich bestens aufgestellt und freuen uns, unseren neuen Katalog mit all unseren neuen Produkten im Verlauf des Jahres auch auf der EMO in Mailand zu präsentieren.

Vielen Dank für das Gespräch!

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