interview

Hochpräzisions-Werkzeugbau aus Österreich: Markus Böhm über Automatisierung, Fachkräfte und die Zukunft von VTW

Mitten im Waldviertel ist in wenigen Jahren ein hochmoderner Werkzeugbau entstanden. Die VTW GmbH in Waidhofen an der Thaya wurde 2019 von erfahrenen Branchenexperten gegründet und verbindet jahrzehntelange Erfahrung im Hochpräzisions-Formenbau mit modernster Fertigungstechnologie, Automatisierung und globaler Kundenstruktur. Im Gespräch mit Markus Böhm, Head of Business Development der VTW GmbH, geht es um die Gründung und den Aufbau eines Werkzeugbaus auf der grünen Wiese, den Stellenwert von Fachkräften sowie um die Frage, warum Präzisionswerkzeugbau im DACH-Raum auch künftig wettbewerbsfähig sein kann.

„Der Hochpräzisions-Werkzeugbau lebt von Erfahrung, Technologie und vor allem von Menschen, die ihren Beruf mit Leidenschaft ausüben.“
Markus Böhm, Head of Business Development, VTW GmbH

„Der Hochpräzisions-Werkzeugbau lebt von Erfahrung, Technologie und vor allem von Menschen, die ihren Beruf mit Leidenschaft ausüben.“ Markus Böhm, Head of Business Development, VTW GmbH

Zum Unternehmen

Die VTW GmbH mit Sitz in Waidhofen an der Thaya wurde 2019 von erfahrenen Branchenexperten gegründet und steht für hochpräzisen Werkzeugbau im Bereich Spritzgießformen. Das Unternehmen verbindet jahrzehntelange Erfahrung im Formenbau mit modernster Fertigungstechnologie, Automatisierung und digital vernetzten Produktionsprozessen. VTW ist Teil der Vasantha-Gruppe, einem international tätigen Werkzeugbauunternehmen mit globaler Präsenz. Gemeinsam realisieren sie anspruchsvolle Projekte für Kunden aus der Medizin-, Pharma- und Verpackungsindustrie und begleiten diese von der Produktentwicklung über den Werkzeugbau bis hin zur Serienqualifizierung.

• Gründung: 2019
• Mitarbeiter: rund 70
• Produktionsfläche: ca. 4.000 m²
• Schwerpunkte: Hochpräzisions-Spritzgießformen, Turnkey-Projekte, Prozessvalidierung
• Märkte: Medizin, Pharma, Verpackung

VTW GmbH
Thayaparkstrasse 9, A-3830 Waidhofen/Thaya
Tel.: +43 2842-21600
www.vtw.co

Herr Böhm, Sie sind einer der Mitgründer des Unternehmens. Wie kam es zur Gründung von VTW im Jahr 2019?

Der Ausgangspunkt war die Entscheidung des damaligen Eigentümers Husky-KTW, sich aus dem Formenbau für Spezialverschlüsse zurückzuziehen. Für uns war das der Moment, indem wir gesagt haben: Dieses Know-how darf in der Region nicht verloren gehen. Ziel war es, die Kompetenz hier im Waldviertel zu halten und gleichzeitig Arbeitsplätze zu sichern. Aus vielen Gesprächen und Planungen entstand schließlich ein konkreter Businessplan. Parallel dazu suchte die indische Vasantha-Gruppe nach Produktionsmöglichkeiten in Europa. Wir konnten unser Konzept präsentieren und der Gründer von Vasantha hat sehr schnell erkannt, dass hier eine einmalige Chance besteht, ein erfahrenes Team zu übernehmen und gemeinsam ein neues Unternehmen aufzubauen.

Ein 32-fach-Spritzgießwerkzeug für die Verpackungsindustrie, gefertigt mit höchsten Anforderungen an Maßhaltigkeit und Reproduzierbarkeit.

Ein 32-fach-Spritzgießwerkzeug für die Verpackungsindustrie, gefertigt mit höchsten Anforderungen an Maßhaltigkeit und Reproduzierbarkeit.

Markus Böhm
Head of Business Development, VTW GmbH

„Wir wollen auch in Zukunft ein Werkzeugbau sein, auf den sich Kunden verlassen können – besonders dann, wenn es um innovative und anspruchsvolle Projekte geht.“

Eine Unternehmensgründung in der Industrie ist immer mit Risiken verbunden. Wie haben Sie diese Anfangsphase erlebt?

Natürlich gab es auch schlaflose Nächte. Aber wir hatten großes Vertrauen in unsere Mannschaft und in unsere Erfahrung. Viele von uns bauen seit Jahrzehnten hochpräzise Spritzgießformen und haben ein sehr gutes Standing in der Branche. Gleichzeitig hatten wir in den Gesprächen mit unserem Partner das Gefühl, die gleiche Sprache zu sprechen und dieselben Ziele zu verfolgen. Irgendwann kommt dann dieser Punkt, an dem man den Schritt einfach wagen muss – und heute können wir sagen, dass sich dieser Mut gelohnt hat.

Markus Böhm, Head of Business Development, im Gespräch mit Robert Fraunberger über die Entwicklung des jungen Unternehmens VTW.

Markus Böhm, Head of Business Development, im Gespräch mit Robert Fraunberger über die Entwicklung des jungen Unternehmens VTW.

Heute steht hier in Waidhofen an der Thaya ein moderner Werkzeugbau. Welche Rolle spielt der Standort für VTW?

Der Standort war von Anfang an ein zentraler Faktor. Ein Großteil unseres Teams aus früheren Zeiten ist mit uns gestartet, deshalb war es wichtig, in der Region zu bleiben. Waidhofen an der Thaya ist seit Jahrzehnten ein Zentrum des Präzisions-Werkzeugbaus, hier gibt es enormes Know-how. Wir haben im neuen Industriegebiet ideale Voraussetzungen vorgefunden und konnten den Betrieb auf der grünen Wiese neu aufbauen. Heute beschäftigen wir rund 70 Mitarbeiter auf etwa 4.000 m² Produktionsfläche und haben gleichzeitig noch Erweiterungsmöglichkeiten für die Zukunft.

Ein Blick in die hochmoderne Fertigung der VTW GmbH in Waidhofen an der Thaya, die konsequent auf Automatisierung und digital vernetzte Produktionsprozesse setzt.

Ein Blick in die hochmoderne Fertigung der VTW GmbH in Waidhofen an der Thaya, die konsequent auf Automatisierung und digital vernetzte Produktionsprozesse setzt.

Die letzten Jahre waren wirtschaftlich nicht einfach. Wie hat sich VTW in dieser Phase entwickelt?

Uns geht es aktuell sehr gut – das sagen wir aber auch mit einer gewissen Demut, weil wir wissen, dass das nicht selbstverständlich ist. Wir haben eine gute Auslastung, attraktive Lieferzeiten und können gleichzeitig neue Projekte annehmen. Besonders dankbar sind wir unseren langjährigen Kunden. Gerade in der schwierigen Startphase während der Corona-Zeit haben sie uns unterstützt und Vertrauen in unser neues Unternehmen gesetzt. Diese Partnerschaften sind für uns ein wesentlicher Erfolgsfaktor.

Im eigenen Technikum werden bei VTW Spritzgießformen getestet, qualifiziert und unter realitätsnahen Produktionsbedingungen validiert.

Im eigenen Technikum werden bei VTW Spritzgießformen getestet, qualifiziert und unter realitätsnahen Produktionsbedingungen validiert.

Der Produktionsstandort Österreich wird immer wieder kritisch diskutiert. Kann der Werkzeug- und Formenbau im DACH-Raum weiterhin wettbewerbsfähig sein?

Ja, davon bin ich überzeugt. Natürlich gibt es Herausforderungen, aber entscheidend ist, dass man ein hochqualitatives Produkt effizient herstellen kann. Im Formenbau spielt Vertrauen eine große Rolle. Kunden müssen sich darauf verlassen können, dass ein Werkzeug exakt funktioniert und langfristig stabile Prozesse ermöglicht. Wenn man diese Qualität liefern kann und gleichzeitig technologisch auf dem neuesten Stand ist, hat man auch in Europa sehr gute Chancen.

Blick hinter die Kulissen des Video- und Podcastdrehs für die FERTIGUNGSTECHNIK: Markus Böhm im Gespräch.

Blick hinter die Kulissen des Video- und Podcastdrehs für die FERTIGUNGSTECHNIK: Markus Böhm im Gespräch.

Ihre Fertigung ist stark automatisiert und digitalisiert. Warum haben Sie diesen Weg eingeschlagen?

Wir hatten den Vorteil, unseren Werkzeugbau von Grund auf neu planen und daher modernstes Equipment einsetzen zu können. Automatisierung ist für uns ein entscheidender Faktor, um die Auslastung unserer Bearbeitungszentren zu erhöhen – beispielsweise durch mannlose Fertigung über Nacht oder am Wochenende. Gleichzeitig ist unsere gesamte Fertigung digital vernetzt. Dadurch können wir den Fertigungsstand der Spritzgießwerkzeuge jederzeit transparent verfolgen. Weil wir alles neu aufgebaut haben, arbeiten wir ausschließlich mit modernsten Maschinen.

Blick hinter die Kulissen des Video- und Podcastdrehs für die FERTIGUNGSTECHNIK: Markus Böhm im Gespräch über Hochpräzisions-Werkzeugbau im Waldviertel.

Blick hinter die Kulissen des Video- und Podcastdrehs für die FERTIGUNGSTECHNIK: Markus Böhm im Gespräch über Hochpräzisions-Werkzeugbau im Waldviertel.

Sie erreichen extrem hohe Präzision im Bereich weniger Mikrometer. Wie lässt sich das wirtschaftlich realisieren?

Das funktioniert nur mit der richtigen Kombination aus Erfahrung, Technologie und qualifizierten Mitarbeitern. Unsere Fachkräfte spielen eine entscheidende Rolle, weil sie die Maschinen bedienen und die Prozesse verstehen. Gleichzeitig sorgt Automatisierung dafür, dass wir eine sehr hohe Reproduzierbarkeit der Qualität erreichen. Genau diese stabile Prozessfähigkeit ist im Hochpräzisions-Werkzeugbau entscheidend.

Neben dem Werkzeugbau betreiben Sie auch ein eigenes Technikum. Welche Aufgaben übernimmt es?

Es ist im Grunde ein Labor, in dem wir die Spritzgießformen testen und serienreif machen. Wir simulieren dort die Produktionsbedingungen unserer Kunden und validieren sowohl die Werkzeuge als auch den Spritzprozess. Ziel ist es, dass die Formen nach der Auslieferung möglichst schnell in die Serienfertigung beim Kunden übergehen können. Gleichzeitig begleiten wir unsere Kunden über den gesamten Prozess hinweg, von der Produktentwicklung und Konstruktion bis hin zu Turnkey-Projekten und After-Sales-Service.

Unsere Hauptmärkte liegen in der Medizin- und Pharmabranche sowie in der Verpackungsindustrie. Viele unserer Kunden sind global tätige Unternehmen mit Produktionsstandorten auf mehreren Kontinenten. Deshalb sind auch wir international unterwegs, um nah bei unseren Kunden zu sein.

Welche Rolle spielen Fachkräfte für den Erfolg Ihres Unternehmens?

Eine sehr große. Ein schlagkräftiges Team entsteht über Jahrzehnte. Unser Durchschnittsalter liegt derzeit bei etwa 40 Jahren – eine gute Mischung aus Erfahrung und Dynamik. Gleichzeitig investieren wir stark in Nachwuchsarbeit. Wir bilden Lehrlinge aus, gehen aktiv in Schulen, organisieren Schnuppertage und Tage der offenen Tür. Es ist wichtig, jungen Menschen zu zeigen, wie spannend moderner Werkzeugbau heute ist.

Wenn Sie heute durch Ihre Produktion gehen – macht Sie das manchmal stolz?

Absolut. Wenn man sieht, wie motiviert das Team gemeinsam an Lösungen arbeitet, dann ist das ein sehr gutes Gefühl. Vor allem wenn man bedenkt, dass all das erst vor wenigen Jahren entstanden ist.

Welchen Rat würden Sie jungen Technikern abschließend mit auf den Weg geben?

Ich bin vor über 30 Jahren in den Formenbau gekommen und war von Anfang an begeistert. Deshalb würde ich jungen Menschen raten: Sucht euch einen Beruf, für den ihr wirklich brennt. Wenn man etwas mit Leidenschaft macht, kann daraus ein sehr erfüllendes Berufsleben entstehen.

Danke für das Gespräch!

Filtern

Suchbegriff

Unterkategorie

Firmen

Inhaltstyp

Firmentyp

Land