interview

Ein Familienunternehmen mit Weitblick: Hans und Stefan Kostwein im Gespräch

Kostwein – ein Name, der in der internationalen Industrie für höchste Präzision, Verlässlichkeit und Innovationskraft steht. Seit der Gründung im Jahr 1921 hat sich das Kärntner Familienunternehmen vom kleinen Maschinenbauer zu einem anerkannten Anbieter in der Lohnfertigung und Montage für Weltmarktführer entwickelt. Unter der Leitung von DI Hans Kostwein in dritter und seinem Sohn Ing. Stefan Kostwein MSc in vierter Generation zeigt sich, wie Tradition, Technologie und Unternehmergeist auf einzigartige Weise verschmelzen.

Tradition trifft Zukunft, Erfahrung trifft frische Perspektiven: Hans und Stefan Kostwein, Vater und Sohn, führen das Familienunternehmen gemeinsam mit weiteren Familienmitgliedern in dritter und vierter Generation mit Erfahrung, Leidenschaft und Blick in die Zukunft. (Bilder: x-technik)

Tradition trifft Zukunft, Erfahrung trifft frische Perspektiven: Hans und Stefan Kostwein, Vater und Sohn, führen das Familienunternehmen gemeinsam mit weiteren Familienmitgliedern in dritter und vierter Generation mit Erfahrung, Leidenschaft und Blick in die Zukunft. (Bilder: x-technik)

Über Kostwein

Kostwein versteht sich als strategischer Partner im Build-to-Print-Business mit höchster Qualität und kürzesten Lieferzeiten zu geringsten Life Cycle Costs. Neben modernster Fertigungstechnik stehen die Mitarbeiter im Zentrum – mit starker Lehrlingsausbildung und kontinuierlicher Weiterbildung. Kostwein ist spezialisiert auf die Auftragsfertigung komplexer Einzelteile, wirtschaftlicher Kleinserien, Baugruppen bis hin zur Montage kompletter Maschinen und Module, welche das Kerngeschäft darstellen. Das Unternehmen begleitet seine Kunden vom Prototyp bis zum Factory Acceptance Test. Wesentliche Branchen: Verpackungsindustrie, Pharmaindustrie, Halbleiterindustrie, Solarindustrie, allgemeiner Maschinenbau.

• Gründung: 1921 in Klagenfurt
• Leitbild: „Maschinen für Weltmarktführer“
• Familiengeführt in 3. und 4. Generation
• Mitarbeitende: rund 1.400 weltweit
• > 200 CNC-Maschinen
• Standorte: Österreich (2x Klagenfurt, Völkermarkt, Unterbergen, Ratzendorf, St. Veit), 2x Kroatien, Italien, Indien, USA

www.kostwein.at

Herr Kostwein, Ihr Großvater hat das Unternehmen 1921 gegründet. Was war das damals für ein Betrieb?

Hans Kostwein: Mein Großvater war ein sehr innovativer Mensch und hat erstmals in Österreich Kühlkompressoren für Schankanlagen entwickelt – damit hat alles begonnen. Das Unternehmen wuchs langsam aus einem kleinen Gewerbebetrieb. Nach seinem frühen Tod hat meine Großmutter das Unternehmen durch die schwierigen Jahre des Krieges geführt. Mein Vater kam 1949 aus der Kriegsgefangenschaft zurück und hat gemeinsam mit seinem Bruder die zweite Generation aufgebaut – mit Holzbearbeitungsmaschinen.

Stefan und Hans Kostwein mit Robert Fraunberger über Verantwortung, Innovation und die gelebte Kultur eines Familienunternehmens.

Stefan und Hans Kostwein mit Robert Fraunberger über Verantwortung, Innovation und die gelebte Kultur eines Familienunternehmens.

DI Hans Kostwein
Geschäftsführer, Kostwein Holding GmbH

„Ein Unternehmen über Generationen erfolgreich zu führen, bedeutet Verantwortung – gegenüber den Menschen, der Familie und der Zukunft. Wenn wir es schaffen, diesen Weg mit Haltung und Innovationsgeist weiterzugehen, dann ist das für mich die größte Erfüllung.“

Also ein Maschinenbaubetrieb von Anfang an?

Hans Kostwein: Richtig und spannend ist: Einige Kunden fragen heute noch nach Ersatzteilen für diese alten Modelle. Das zeigt, wie langlebig die Produkte waren. Das Thema Qualität zieht sich bei uns bis heute durch. Wir haben einige dieser alten Maschinen mit unserer Lehrlingsabteilung restauriert. Sie stehen heute an verschiedenen Standorten – als Symbol für unsere Wurzeln.

Stefan Kostwein im Gespräch mit Lehrlingen: Rund 130 junge Menschen werden bei Kostwein derzeit ausgebildet und bilden die Basis für die Zukunft des Unternehmens.

Stefan Kostwein im Gespräch mit Lehrlingen: Rund 130 junge Menschen werden bei Kostwein derzeit ausgebildet und bilden die Basis für die Zukunft des Unternehmens.

Stefan, wie fühlt es sich an, Teil dieser Geschichte zu sein?

Stefan Kostwein: Klarerweise bin ich bin stolz, ein Teil davon zu sein. Unsere Familie hat über Generationen Großartiges geleistet. Wir – also meine Schwester Barbara, meine Cousins Michael und Philipp und ich – sind jetzt in der vierten Generation im Unternehmen aktiv. Das Schöne ist, dass wir verschiedene Bereiche abdecken: HR, IT, Projektmanagement, Produktion. Das gibt uns Breite und macht uns als Team stark.

Hans Kostwein: In dem Zusammenhang ist es mir wichtig zu betonen, dass unser Unternehmen nicht nur von Stefan und mir getragen wird. Wir sind ein Familienunternehmen im wahrsten Sinne des Wortes – und das zeigt sich jetzt auch in der vierten Generation. Meine Tochter Barbara bringt ihre Expertise im Projektmanagement ein, mein Neffe Michael verantwortet den HR-Bereich, und mein Neffe Philipp leitet die IT und Softwareentwicklung. Jeder trägt mit seinem Wissen und seiner Persönlichkeit etwas Wesentliches zum großen Ganzen bei. Es ist kein Einzelprojekt, sondern ein Miteinander. Und genau diese familiäre Vielfalt macht unsere Organisation stark, breit aufgestellt und zukunftsfähig.

Modernste Fertigung bei Kostwein: Eine automatisierte Zelle mit drei DMG Mori NHX 6300 und Fastems-MLS-System sorgt für maximale Produktivität rund um die Uhr.

Modernste Fertigung bei Kostwein: Eine automatisierte Zelle mit drei DMG Mori NHX 6300 und Fastems-MLS-System sorgt für maximale Produktivität rund um die Uhr.

Ing. Stefan Kostwein MSc
Geschäftsführer und Produktionsleiter, Kostwein Maschinenbau GmbH

„Für mich steht im Mittelpunkt, dass wir Kostwein erfolgreich in die nächste Generation führen. Wir wollen unsere Werte bewahren, neue Technologien mutig nutzen und unseren Mitarbeitern ein stabiles Umfeld bieten. Nur so bleibt unser Familienunternehmen auch in Zukunft ein verlässlicher Partner für Weltmarktführer.“

War für Sie beide immer klar, dass Sie ins Familienunternehmen einsteigen?

Hans Kostwein: In meiner Jugend war das nicht immer klar, da hatte ich auch andere Interessen. Aber durch den Einstieg von Tetra Pak als Großkunde wurde ich gebraucht, bin ins Unternehmen zurückgekehrt und habe Schritt für Schritt alle Bereiche durchlaufen – von der Montage über Qualitätssicherung, Arbeitsvorbereitung bis zur CNC-Programmierung. Das war eine hervorragende Grundlage.

Stefan Kostwein: Ich habe durch die HTL und die Sommerpraktika bei uns im Haus schon früh den Zugang zur Technik gefunden. Dann kam das Studium, unterschiedliche berufliche Stationen in Oberösterreich, Deutschland und den USA. Aber natürlich war für mich von Anfang an klar, dass mein Platz hier in Klagenfurt sein wird.

Stefan und Hans Kostwein im Gespräch mit Robert Fraunberger – offener Austausch im Video- und Podcastformat über Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Familienunternehmens.

Stefan und Hans Kostwein im Gespräch mit Robert Fraunberger – offener Austausch im Video- und Podcastformat über Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Familienunternehmens.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Vater und Sohn im Alltag?

Stefan Kostwein: Wir diskutieren, klar – aber wir ergänzen uns auch hervorragend. Mein Vater bringt jahrzehntelange Erfahrung mit, ich bringe neue Themen ein wie Digitalisierung oder Automatisierung. Wichtig ist: Wir wissen, dass wir uns aufeinander verlassen können.

Hans Kostwein: Es ist ein sehr wertschätzendes Miteinander. Und wir haben das frühzeitig strukturell abgesichert – durch die Gründung einer Stiftung im Jahr 2000. So steht das Unternehmen im Mittelpunkt – unabhängig davon, ob Familienmitglieder direkt mitarbeiten oder nicht. Das schafft Stabilität und Verlässlichkeit für alle Beteiligten.

Hans Kostwein im Fokus der Kamera, ein Familienunternehmer mit klarer Haltung und Vision.

Hans Kostwein im Fokus der Kamera, ein Familienunternehmer mit klarer Haltung und Vision.

Apropos Beteiligte – die Mitarbeiter spielen bei Kostwein eine zentrale Rolle, oder?

Hans Kostwein: Absolut. Am Ende des Tages geht es immer um Menschen. Wir investieren viel in Ausbildung – aktuell haben wir rund 130 Lehrlinge. Viele bleiben bei uns, manche gehen weiter, aber alle erhalten eine qualitativ hochwertige Ausbildung. Das sehen wir auch als unseren gesellschaftlichen Beitrag.

Stefan Kostwein: Unsere Mitarbeitenden sind das Rückgrat des Unternehmens. Sie haben das Know-how, kennen unsere Prozesse und geben ihr Wissen an die nächste Generation weiter. Diese Kontinuität ist für uns entscheidend.

Eine der ersten Holzbearbeitungsmaschinen von Kostwein, gebaut in den Anfangsjahren des Familienunternehmens und Symbol für die handwerklichen Wurzeln von 1921.

Eine der ersten Holzbearbeitungsmaschinen von Kostwein, gebaut in den Anfangsjahren des Familienunternehmens und Symbol für die handwerklichen Wurzeln von 1921.

Sie sprechen gerne von Partnerschaften – was genau bedeutet das für Kostwein im Alltag?

Hans Kostwein: Partnerschaften sind für uns ein zentrales Element unseres Geschäftsmodells. Das beginnt bei unseren Kunden, die oft seit Jahrzehnten mit uns zusammenarbeiten. Tetra Pak ist dafür ein gutes Beispiel, sie sind seit 50 Jahren unser größter Kunde. Aber genauso wichtig sind für uns die engen Beziehungen zu unseren Lieferanten – ob im Bereich Werkzeugmaschinen, Werkzeuge, Software oder Automation. Wir suchen keine reinen Lieferantenbeziehungen, sondern echte Partnerschaften, in denen Vertrauen, Verlässlichkeit und gegenseitiger Respekt die Grundlage sind.

Stefan Kostwein: Für uns ist entscheidend, dass unsere Partner uns kennen – technisch, aber auch menschlich. Wir schätzen es sehr, wenn wir nicht nur Produkte bekommen, sondern auch kompetente Beratung, wenn es brennt. Gerade bei komplexen Fertigungssituationen ist der persönliche Draht wichtig. Wir arbeiten mit Werkzeug- und Maschinenherstellern zusammen, die uns aktiv unterstützen – sei es beim Einfahren von Bauteilen, bei der Prozessoptimierung oder bei strategischen Weiterentwicklungen.

Hans Kostwein: Und das funktioniert nur, wenn man nicht bei jedem Projekt neu verhandelt, sondern gemeinsam denkt. Wir investieren viel in diese Beziehungen – durch Offenheit, Feedback, gemeinsame Projekte. Daraus entstehen oft Lösungen, die weit über Standardprodukte hinausgehen. Wir profitieren dabei von der Innovationskraft unserer Partner und sie von unserem Fertigungs-Know-how. Es ist ein Geben und Nehmen auf hohem Niveau.

Stefan Kostwein: Besonders in Zeiten wie diesen, mit unsicheren Lieferketten und hoher Volatilität, zahlt sich das aus. Wenn man weiß, dass man sich aufeinander verlassen kann, dass Ersatzteile schnell geliefert werden, dass Unterstützung da ist. Das ist für uns ein entscheidender Faktor, um wirtschaftlich und stabil zu arbeiten.

Hans Kostwein: Kurz gesagt: Wir glauben an langfristige Zusammenarbeit, mit Handschlagqualität, aber auch mit gemeinsamen Zielen. Nur so kann man sich gemeinsam weiterentwickeln.

Und hilft das auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten?

Stefan Kostwein: Unsere Kunden sind sehr loyal – mit vielen verbindet uns wie bereits erwähnt eine langjährige Partnerschaft, das hilft in einem wirtschaftlich schwierigeren Umfeld wie aktuell . Aber natürlich spüren wir wie alle geopolitische Spannungen, Unsicherheit auf den Märkten, volatile Lieferketten. Wichtig ist, flexibel zu bleiben und gut vorbereitet zu sein. Und da profitieren wir durch unsere globale Aufstellung.

Hans Kostwein: Wir haben mit unseren internationalen Standorten – in Kroatien, Italien, Indien und den USA – die Möglichkeit, flexibel auf Entwicklungen zu reagieren. Das gibt uns Stabilität. Gleichzeitig stärken wir den Standort Österreich vor allem mit Hightech-Kompetenz: Reinraumtechnik, Halbleiter, Batterietechnologie – das sind Bereiche, in denen wir künftig verstärkt präsent sein wollen.

Ein wichtiges Zukunftsthema auf diesem Weg ist sicherlich die Verbindung von Automatisierung und Digitalisierung. Wie setzen Sie das konkret um?

Stefan Kostwein: Das ist für uns ein zentrales Thema, gerade bei kleinen Losgrößen und hoher Teilevielfalt. Im Fräsen liegen wir im Schnitt bei etwa sechs Stück pro Bauteil, beim Drehen bei rund 15. Das ist keine klassische Serienfertigung – bedeutet aber: Wenn wir automatisieren, dann müssen wir es smart tun. Wir setzen daher gezielt auf flexible Automationslösungen, vor allem in Kombination mit intelligentem Rüsten, Palettenhandling und Werkzeugorganisation. So schaffen wir es, wirtschaftlich zu fertigen – auch mit geringer Stückzahl.

Gleichzeitig treiben wir die Digitalisierung der gesamten Prozesskette voran: von der CAD/CAM-Integration über das Werkzeugmanagement bis hin zu Auswertungen aus der Fertigung. Ziel ist immer: den Prozess besser zu verstehen und schneller reagieren zu können – sowohl auf technische als auch auf wirtschaftliche Anforderungen.

Hans Kostwein: Wir sehen Automatisierung und Digitalisierung nicht als Selbstzweck, sondern als Notwendigkeit, um in Österreich wettbewerbsfähig zu bleiben. Unsere Strategie ist zweigleisig: Einerseits automatisieren wir dort, wo es wirtschaftlich sinnvoll ist – auch als Antwort auf den Fachkräftemangel. Andererseits konzentrieren wir uns in Österreich auf besonders komplexe Fertigung – etwa für die Halbleiter- oder Batterieindustrie.

Sie bauen also bewusst zwei Kompetenzbereiche parallel auf?

Stefan Kostwein: Genau. Zum einen automatisieren wir Standardprozesse – da hilft uns auch die Zusammenarbeit mit unseren Partnern im Maschinen- und Werkzeugbereich. Zum anderen bauen wir gezielt Fertigungskompetenz für Bauteile auf, die hochgenau, oft geometrisch sehr komplex und technologisch herausfordernd sind. Das ist unser Beitrag, um in Österreich hochwertige Arbeitsplätze zu sichern – und international konkurrenzfähig zu bleiben.

Was motiviert Sie persönlich, täglich ins Unternehmen zu kommen?

Stefan Kostwein: Es ist die Mischung aus Technik, Verantwortung und Teamarbeit. Kein Tag ist wie der andere – man stellt sich neuen Herausforderungen, entwickelt Prozesse weiter, bringt Menschen zusammen. Und wenn man sieht, wie sich das Unternehmen entwickelt, ist das eine starke Motivation.

Hans Kostwein: Auch nach so vielen Jahrzehnten macht es mir Freude, Ideen einzubringen, Menschen zu fördern, Netzwerke zu knüpfen und Chancen zu erkennen, bevor sie andere sehen. Ich sehe meine Rolle heute eher im strategischen Bereich: Wissen weitergeben, Verbindungen schaffen, Potenziale entfalten. Solange ich einen Beitrag leisten kann, mache ich das mit großer Leidenschaft. Und wenn ich sehe, wie engagiert die nächste Generation ans Werk geht, dann weiß ich: Es lohnt sich.

Und was braucht jemand, um bei Kostwein erfolgreich zu sein?

Hans Kostwein: Zuerst muss der Mensch passen. Fachliche Kompetenz ist wichtig, aber nicht alles. Unsere Führungsprinzipien sind: Vertrauen, Anerkennung, Respekt und Kompetenz. Wer Leidenschaft, Einsatzbereitschaft und Ausdauer mitbringt, ist bei uns richtig.

Wohin geht die Reise bei Kostwein?

Hans Kostwein: Unsere mittelfristige Strategie geht bis 2028. Ziel: 300 Millionen Euro Umsatz – und darüber hinaus 400 Millionen. Aber nicht um der Zahl willen, sondern weil wir weiter wachsen wollen – qualitativ, international, nachhaltig.

Stefan Kostwein: Mir ist es zudem wichtig, dass wir das Unternehmen stabil in die fünfte Generation führen. Die Kinder meiner Schwester und meiner Cousins sind schon da – wir wollen ein Umfeld schaffen, das langfristig Perspektiven bietet.

Vielen Dank für die interessanten Einblicke!

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