interview
Die Zukunft der KMU-Fertigung in Österreich: Gebhard Aberer, DMG Mori Austria
Steigende Kosten, ein massiver Fachkräftemangel und ein zunehmend komplexes Marktumfeld stellen kleine und mittlere Zerspanungsbetriebe in Österreich vor große Herausforderungen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Flexibilität, Effizienz und Prozesssicherheit in der Fertigung. Warum gerade jetzt Investitionen in moderne Fertigungstechnologien entscheidend sind und wie Prozessintegration, Automatisierung und Digitalisierung zur Zukunftssicherung beitragen, erläutert Geschäftsführer Gebhard Aberer im Interview.
„Automatisierung und Digitalisierung sind heute keine Optionen mehr, sondern zentrale Bausteine einer wirtschaftlichen Fertigung. Sie ermöglichen stabile Prozesse, entlasten Personal und schaffen die Basis für dauerhaft effiziente Abläufe.“ Gebhard Aberer, Geschäftsführer, DMG Mori Österreich
„Erfolg in der Fertigung braucht mehr als eine gute Maschine, er braucht einen Partner, der zuverlässig begleitet und weiterdenkt. Genau diesen Anspruch verfolgt DMG Mori und unterstützt KMU dabei, ihre Produktion nachhaltig zukunftssicher aufzustellen.“
Herr Aberer, Sie kennen die österreichische Fertigungslandschaft seit vielen Jahren. Wie würden Sie die aktuelle Situation der Zerspanungsbetriebe beschreiben?
Die vergangenen Jahre haben die Liquidität vieler Betriebe stark geschwächt. Hohe Energie- und Personalkosten treffen auf schwach gefüllte Auftragsbücher, sodass viele notwendige Investitionen verschoben wurden. Diese Kombination macht es für viele Zerspaner schwierig, profitabel zu arbeiten und gleichzeitig technologisch Schritt zu halten. Gleichzeitig nimmt der Wettbewerbsdruck aus dem Ausland zu. Österreichische KMUs geraten zunehmend unter Zugzwang. Ohne intelligente Investitionen in die Produktion werden viele Betriebe ihre Wettbewerbsfähigkeit nur schwer halten können. Die Notwendigkeit, Prozesse effizienter zu gestalten und Kosten langfristig zu senken, ist wichtiger denn je.
Die CLX 450 TC ist in Kombination mit den Robo2Go-Automatisierungslösungen der Bestseller bei den österreichischen Betrieben.
Welche Rolle spielt DMG Mori heute als Partner der österreichischen Industrie und insbesondere für kleine und mittlere Betriebe?
DMG Mori nimmt heute eine zentrale Rolle als Partner der österreichischen Industrie ein, insbesondere für kleine und mittlere Betriebe. Rund drei Viertel unserer Kunden sind KMUs, und genau auf deren Anforderungen richten wir unsere Lösungen konsequent aus. Viele dieser Unternehmen stehen unter hohem Kosten- und Wettbewerbsdruck und benötigen Partner, die nicht nur Maschinen liefern. Aus diesem Grund verstehen wir uns bei DMG MORI als Partner, der seine Kunden über den gesamten Lebenszyklus einer Fertigungslösung begleitet und Stabilität bietet, von der Beratung bis zur Finanzierung und von der Inbetriebnahme einer Maschine bis hin zu allen Fragen rund um das Thema After Sales. Damit stellen wir sicher, dass unsere Kunden eine optimale Fertigungslösung erhalten, diese schnell in Betrieb nehmen können und darauf über viele Jahre hinweg zuverlässig produzieren. Wir kombinieren Prozessintegration, Automatisierung und Digitalisierung zu durchgängigen Fertigungslösungen, die KMUs helfen, effizienter zu arbeiten und mit kleineren Teams mehr Output zu erzielen. Ebenso entscheidend ist unsere regionale Stärke. Mit einem schlagkräftigen Service- und Anwendungstechnikteam in Österreich begleiten wir unsere Kunden über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Gerade für kleinere Betriebe ist diese Nähe, gepaart mit schneller Unterstützung und technischer Kompetenz, ein zentraler Erfolgsfaktor. Deshalb hat sich DMG Mori für viele KMUs zu einem verlässlichen und strategisch wichtigen Investitionspartner entwickelt.
Das Tech Center in Stockerau ist speziell auf die Anforderungen von KMU ausgerichtet. Kunden können dort die Machining Transformation MX sowie Maschinen live erleben, Testbearbeitungen durchführen und gemeinsam mit den Anwendungstechnikern von DMG Prozesse optimieren.
Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen für kleine und mittlere Zerspaner?
Der Fachkräftemangel ist aktuell eine große Herausforderung für kleine und mittlere Zerspanungsbetriebe. Parallel dazu belasten die stark gestiegenen Energie- und Lohnkosten die Betriebe erheblich und machen es schwierig, wirtschaftlich zu arbeiten. Hinzu kommt die zunehmende Komplexität moderner Fertigungstechnologien. Viele KMUs wissen, dass sie modernisieren müssen, tun sich aber schwer, die richtigen Schritte zu setzen, weil Know-how, Zeit und interne Ressourcen fehlen. Um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben, führt kein Weg an Prozessintegration, Automatisierung und einer gewissen Form der Digitalisierung vorbei.
Um wirtschaftlich kleine Losgrößen zu fertigen, sind auch die 5-Achs-Einstiegsmodelle DMX 60 U und DMX 80 U sehr gefragt.
Wie hat sich das Investitionsverhalten der KMUs in den letzten Jahren verändert?
Die Investitionsprämie 2021 hat zu vielen schnellen Entscheidungen geführt. Danach wurde es aufgrund schwacher Liquidität sehr ruhig. Auf der EMO haben wir deshalb bewusst passgenaue Modernisierungspakete präsentiert. Diese Lösungen haben wir im vergangenen Oktober mit einer Open-House-Veranstaltung im Tech Center Stockerau nach Österreich gebracht, um KMUs mehr Stabilätät zu geben und wieder leichter in die Modernisierung einsteigen können. Denn kleine und mittelständische Unternehmen fungieren als Rückgrat ganzer Branchen.
Zum 50-jährigen Jubiläum der EMO zeigte das Unternehmen eindrucksvoll, wie die Zukunft der Fertigung bereits heute Wirklichkeit wird.
Mit welchen Hürden kämpfen KMUs bei Investitionen in neue Fertigungslösungen?
KMUs stehen bei Investitionen in neue Fertigungslösungen vor anspruchsvollen Rahmenbedingungen. Umso wichtiger ist es, Lösungen zu schaffen, die Investitionen planbar machen und schrittweise umsetzbar sind. Flexible Finanzierungsmodelle, modular aufgebaute Technologien und transparente Kostenstrukturen helfen dabei, Liquidität zu schonen und Einstiegshürden zu senken. Gleichzeitig wächst der Bedarf an Lösungen, die sich nahtlos in bestehende Prozesse integrieren lassen und den organisatorischen Aufwand reduzieren. Standardisierte Schnittstellen, integrierte Automationskonzepte und durchgängige digitale Lösungen bieten klare Vorteile. Entscheidend ist, neue Technologien so zu gestalten, dass sie intuitiv nutzbar sind und Unternehmen im Alltag entlasten. Auf diese Weise entstehen Investitionsentscheidungen, die Sicherheit geben und KMU nachhaltig auf ihrem Weg in eine zukunftsfähige Fertigung unterstützen.
Für KMU sind grundsätzlich alle der vier MX-Säulen relevant, weil sie direkt auf Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit abzielen.
Wie unterstützt DMG Mori Unternehmen dabei, diese Hürden zu überwinden?
Wir betrachten jedes Unternehmen gesamtheitlich. Wir analysieren die Fertigung, das Personal, die Strukturen und entwickeln dann gemeinsam maßgeschneiderte Lösungen aus einer Hand. Dazu gehören Prozessintegration, Automatisierung, Digitalisierung sowie attraktive Finanzierungsmodelle. Besonderen Zuspruch erhalten unsere Full-Service-Pakete über fünf Jahre, die Wartung, Gewährleistung und Maschinenbruchversicherung abdecken und damit planbare Kosten schaffen.
Viele KMUs müssen kleine Losgrößen wirtschaftlich fertigen. Welche Ihrer Lösungen helfen dabei konkret?
Sehr gefragt sind kompakte Dreh-Fräszentren wie die CLX 450 TC und CLX 550 TC sowie die 5-Achs-Einstiegsmodelle DMX 60 U und DMX 80 U. Kombiniert mit den DMG Mori Standardautomationslösungen ermöglichen sie flexible und schnell umrüstbare Fertigungsprozesse, die auch mit wenig Fachpersonal einfach und effizient betrieben werden können. Einfach deshalb, da die Bedienung und Visualisierung von Systemen wie Robo2Go, PH 150, PH Cell oder Robo2Go Open direkt über die Celos-Oberfläche der Maschine erfolgt. Spezielle Apps ermöglichen das Einrichten neuer Werkstücke in weniger als fünf bis 15 Minuten durch vordefinierte Bausteine, ohne dass Roboter-Programmierkenntnisse nötig sind.
Apropos Dreh-Fräszentren. Gibt es eine typische KMU-Maschine oder einen Bestseller, der für österreichische Betriebe besonders relevant ist?
Ja, das ist eindeutig die CLX 450 TC in Kombination mit den Robo2Go Automatisierungslösungen. Dieses Dreh-Fräszentrum bietet maximale Flexibilität, eine hohe Bearbeitungstiefe und eignet sich perfekt für die Komplettbearbeitung in einer Aufspannung. Die visualisierte Bedienung und die 3D-Shop-Programmierung machen die Maschine für KMUs besonders attraktiv. Sie ist leistungsstark, universell einsetzbar und bietet ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis.
Wie schätzen Sie die Investitionsbereitschaft der KMUs ein?
Der Wille zur Investition ist absolut vorhanden. Auf der EMO und beim Open House im Tech Center Stockerau spürten wir eine Aufbruchstimmung und ein großes Interesse an unseren ganzheitlichen Modernisierungslösungen. Viele KMUs warten lediglich auf eine stabilere Auftragslage, um Projekte konkret umzusetzen. Gleichzeitig merken wir, dass sich die Unternehmen viel intensiver mit neuen Technologien und unseren attraktiven Finanzierungsmöglichkeiten auseinandersetzen, um bei besseren Rahmenbedingungen sofort handlungsfähig zu sein.
Welche Rolle spielen dabei flexible Finanzierungsmöglichkeiten?
Flexible Geschäftsmodelle wie Leasing, Mietkauf oder On-Demand-Angebote bei Softwarelösungen gewinnen stark an Bedeutung. Leasing schont die Liquidität, ermöglicht planbare monatliche Kosten und bietet steuerliche Vorteile, was gerade in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten ein wichtiges Argument ist. Darüber hinaus erlauben solche Modelle, technologische Entwicklungen schneller zu nutzen, ohne das Kapital langfristig zu binden. Mit DMG Mori Finance und der Deutschen Leasing haben wir Partner an Bord, die genau auf diese Bedürfnisse abgestimmt sind und KMUs helfen, notwendige Investitionen überhaupt erst realisierbar zu machen.
Und das Thema Digitalisierung für KMUs?
Eine sehr große. Digitalisierung muss nicht komplex sein. Mit Tools wie dem DMG Mori Messenger, dem Service Agent und unserem Remote Service lassen sich Daten transparent auswerten, Prozesse stabilisieren, Maschinenverfügbarkeiten überwachen und Stillstände reduzieren. Besonders wichtig ist unser Serviceportal my DMG Mori, über das Störungen, Diagnosen und Technikereinsätze digital abgewickelt werden. Ein weiterer Vorteil des my DMG Mori Portals ist, dass der Kunde Ersatzteile identifizieren, online bestellen und tracken kann. Das ist ein erheblicher Vorteil, spart enorm Zeit und Kosten. Ebenso bekommt der Kunde über dieses Portal eine gesamtheitliche Historie seines DMG Mori Maschinenparks.
DMG Mori setzt auf die Machining Transformation MX. Welche Säulen sind für KMUs besonders relevant?
Fortschritt muss nicht groß anfangen – er muss nur den richtigen Weg nehmen. Für KMUs sind grundsätzlich alle der vier MX-Säulen relevant, weil sie direkt auf Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit abzielen. Prozessintegration und Automatisierung sind die wichtigsten Hebel, da sie die Qualität erhöhen, Rüstzeiten reduzieren, Abläufe stabilisieren und mit weniger Personal mehr Output ermöglichen. Aber auch wichtige Themen wie einfache CAD/CAM-Systeme, Postprozessoren vom Maschinenhersteller, Simulationsysteme und der digitale Zwilling sowie einfaches Toolmanagement helfen, Prozesse abzusichern und Fehler schon vor Produktionsstart zu vermeiden. Selbst die Grüne Transformation wird für KMUs relevanter, weil energieeffiziente Maschinen langfristig Kosten sparen und bei vielen Kunden bereits ein Entscheidungskriterium sind. Wir sprechen hier teilweise von mehr als 30 Prozent Energiekosteneinsparungen, was mit Energiesparzertifikaten belegt wird. In verschiedenen Bundesländern können dadurch Fördermittel generiert werden. All dies wird durch die DMG Mori Machining Transformation MX aus einer Hand abgedeckt.
Kann man ohne Automatisierung und flexible Fertigungskonzepte am Standort Österreich noch konkurrenzfähig arbeiten?
Ganz klar nein. Ausnahmen gibt es immer, aber grundsätzlich ist ohne Automatisierung keine wirtschaftliche Fertigung mehr möglich. Wer sich dem nicht stellt, gefährdet die Zukunft seines Unternehmens. Unsere Fertigungslösungen sind modular aufgebaut, dass eine Automation auch per Retrofit nachträglich installiert werden kann. Mit dieser Option erleichtern wir kleineren und mittelständischen Unternehmen zu jedem Zeitpunkt die Investition in fortschrittliche CNC-Technologie.
Retrofitting bleibt ebenfalls ein Thema. Wie sehen Sie diese Entwicklung?
Retrofitting ist heute wichtiger denn je. Wenn Neuinvestitionen schwerfallen, bietet eine Überholung oder Modernisierung bestehender Maschinen einen attraktiven Weg, um technologisch aufzuholen. Wir bieten dafür verschiedene Stufen an, bis hin zur Generalüberholung mit neuer Steuerung und moderner Antriebstechnik. Viele Betriebe gewinnen dadurch mehrere zusätzliche Jahre Maschinenlebensdauer und profitieren gleichzeitig von deutlich gesteigerter Präzision und Verfügbarkeit. Unsere Kunden profitieren sofort von einer wirtschaftlichen Bearbeitung auf leistungsfähigen und präzisen Maschinen. Die Amortisation solcher Automationslösungen kann bereits nach sechs Monaten erreicht werden, abhängig von Auslastung und Anwendung.
Sie erwähnten das Tech Center. Welche Bedeutung hat das Tech Center in Stockerau für KMUs in Österreich?
Eine sehr große. Unser Tech Center in Stockerau ist speziell auf die Anforderungen von KMUs ausgerichtet. Kunden können dort unsere Machining Transformation MX sowie Maschinen live erleben, Testbearbeitungen durchführen und gemeinsam mit unseren Anwendungstechnikern Prozesse optimieren. Ebenso wichtig ist die DMG Mori Academy vor Ort, die Schulungen direkt in Österreich ermöglicht. Das spart Reisekosten und stärkt die Qualifikation der Mitarbeiter. Das Tech Center ist ein zentraler Pfeiler unserer regionalen Betreuung und auch eine zusätzliche Plattform für unsere DMQP-Partner, um ganzheitliche Lösungen zu präsentieren.
Welche Botschaft möchten Sie Entscheidungsträgern in KMUs mitgeben, die aktuell über Investitionen nachdenken und welche Faktoren bestimmen aus Ihrer Sicht, wer künftig erfolgreich produziert?
Betriebe sollten Investitionen nicht ausschließlich über den Preis bewerten, sondern über ihre langfristige Bedeutung für Wettbewerbsfähigkeit und Stabilität. Erfolgreich wird künftig nur der produzieren, der konsequent modernisiert, Automatisierung nutzt und Digitalisierung sinnvoll integriert. Ebenso wichtig sind verlässliche Partnerschaften und moderne Arbeitsumgebungen sowie eine gezielte Ausbildung, um qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen und zu halten. Und genau hier sehen wir unsere Aufgabe. DMG MORI versteht sich als langfristiger Partner, der KMUs mit Technologie, Service und Erfahrung dabei unterstützt, ihre Fertigung nachhaltig zukunftssicher aufzustellen.
Vielen Dank für das Gespräch!
Produkte im Bericht
DMG MORI CLX 550 TC
Die CLX 550 TC von DMG Mori: Eine B-Achse mit der 90 Nm starken compactMaster Dreh-Frässpindel ersetzt den Werkzeugrevolver. Das Werkzeugmagazin bietet Platz für bis zu 60 Werkzeuge. Die Haupt- und Gegenspindel haben ein Drehmoment von 720 Nm, während der Reitstock und eine Lünette die Ausstattung komplettieren. Dies erlaubt Anwendern aus allen Branchen eine effiziente Fertigung komplexer Werkstücke in einem Arbeitsraum.
DMG MORI DMX 60 U
Basierend auf der bewährten und robusten Konstruktion der 3-achsigen DMV Vertikalfräsmaschinen hat DMG Mori die DMX 60 U und DMX 80 U für die 5-seitige Bearbeitung komplexer Werkstücke mit bis zu 300 respektive 350 kg Gewicht entwickelt.
DMG MORI DMX 80 U
Hochleistungs- und präzises Universal-Fräszentrum für Teile bis zu D800 x 450 mm und 350 kg.








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