interview
HORN GmbH realisiert mit Fertigungstiefe, Technologie und Teamgeist komplexe Metallbauteile
Vom Behälterbau hin zu einem breit aufgestellten Fertigungspartner für komplexe Metallbauteile: Die HORN GmbH in Ratten (Stmk.) hat sich in den vergangenen vier Jahrzehnten zu einem leistungsfähigen Spezialisten für anspruchsvolle Aufträge in der Metallverarbeitung entwickelt. Im Gespräch geben Firmengründer Markus Horn sowie seine Söhne Christian und Andreas Einblicke in die Entwicklung des Familienunternehmens, in Investitionen in moderne Fertigungstechnologien, in die Bedeutung qualifizierter Fachkräfte – und in die Frage, wie wirtschaftliche Zerspanung auch im Fertigungsstandort Österreich möglich bleibt.
V.l.n.r.: Robert Fraunberger im Gespräch mit Andreas, Markus und Christian Horn über die Entwicklung der HORN GmbH, Investitionen in moderne Fertigungstechnologien und die Zukunft der Metallverarbeitung.
Zum Unternehmen:
Die HORN GmbH ist ein familiengeführter Spezialist für Metallverarbeitung. Das Unternehmen ist im Behälter- und Maschinenbau sowie in der Lohnfertigung tätig und bietet ein durchgängiges Fertigungsspektrum für anspruchsvolle Projekte. Mit über 100 Mitarbeitern fertigt Horn für Kunden aus unterschiedlichen Industriebereichen – von Einzelteilen bis hin zu komplexen Baugruppen und Gesamtanlagen. Die Stärke liegt in der hohen Fertigungstiefe: Vom Zuschnitt über Blechbearbeitung und Schweißtechnik bis zur mechanischen Bearbeitung, Oberflächenbehandlungen, thermischen Beschichtung und Montage werden nahezu alle Prozessschritte im eigenen Haus abgedeckt.
• Gründung: 1985
• Mitarbeiter: > 100
• Schwerpunkt: Lohnfertigung, komplexe Metallbauteile, Maschinen- und Behälterbau
• Leistungen: Zuschnitt, Umformung, Schweißtechnik, mechanische Bearbeitung, Vermessung und Oberflächenbehandlungen, thermische Beschichtung
• Besonderheit: hohe Fertigungstiefe und breite Werkstoffkompetenz
• Breites Materialspektrum bis hin zu hochlegierten Werkstoffen
• Zertifiziert nach EN ISO 9001, EN ISO 3834-2, EN 1090-2 EXC 4, AD 2000 HP0 und ASME BPVC Section VIII
HORN GmbH
Kirchenviertel 129, A- 8673 Ratten
Tel.: +43 3173-2320-0
www.horn.at
Herr Horn, Sie haben das Unternehmen Mitte der 1980er-Jahre gekauft und aufgebaut. Was bedeutet dieser Weg für Sie persönlich?
Markus Horn: Wenn man zurückblickt, ist es natürlich spannend. Gleichzeitig war es immer herausfordernd, aber auch mit sehr viel Glück verbunden. Die Entscheidung, das Unternehmen zu kaufen, ist Ende 1984 gefallen. Ich bin allerdings schon 1979 als Techniker hierhergekommen, war dann Betriebsleiter und habe Schritt für Schritt mehr Verantwortung übernommen. Mein damaliger Chef hat mir irgendwann eine Beteiligung angeboten. Ich habe aber gesagt: Entweder alles oder gar nichts. Am Ende habe ich das Unternehmen tatsächlich komplett übernommen – und dass damals ohne Eigenkapital.
Wenn ich heute nach über 40 Jahren zurückblicke, bin ich schon stolz auf diesen Weg. Und ich freue mich natürlich besonders, dass heute meine beiden Söhne im Unternehmen sind und ich Verantwortung übergeben kann.
Das ungewöhnliche „Tisch“-Setup beim Videocast-Dreh: Es handelt es sich um ein komplexes Bauteil aus der Fertigung der HORN GmbH, das einen Großteil der gesamten Prozesskette des Unternehmens widerspiegelt.
Christian und Andreas, welche Aufgaben verantworten Sie beide heute im Unternehmen?
Christian Horn: Ich bin für die Leitung der mechanischen Bearbeitung sowie der thermischen Beschichtung verantwortlich. In enger Zusammenarbeit mit Frau Hauswirtshofer, die den Bereich Behälter- und Maschinenbau sowie den Zuschnitt leitet, betreuen wir gemeinsam das gesamte Auftragsgeschäft unseres Unternehmens.
Andreas Horn: Ich kümmere mich vor allem um Strategie und Innovationsmanagement. Zusätzlich bin ich für die Schweißaufsicht verantwortlich und bringe meine werkstofftechnischen Kenntnisse ein. Dabei geht es auch darum, neue Möglichkeiten in der Fertigung zu erschließen und das Unternehmen strategisch weiterzuentwickeln.
Markus Horn gründete das Unternehmen Mitte der 1980er-Jahre und entwickelte den Betrieb über vier Jahrzehnte zu einem leistungsfähigen Fertigungspartner für anspruchsvolle Metallbauteile.
Wir stehen hier an einem sehr ungewöhnlichen Tisch. In Wirklichkeit ist das aber gar kein Tisch, sondern ein Bauteil aus Ihrer Fertigung. Was sehen wir hier?
Markus Horn: In gewisser Weise ist dieses Bauteil ein Symbol für unser Unternehmen. Viele Geschäftsbereiche arbeiten daran zusammen. Es beginnt beim Material, das aus unserem Hochregallager kommt, dort lagern wir bis zu 1.500 Tonnen Material. Danach folgt der Zuschnitt, etwa durch Laser-, Plasma-, Wasserstrahl- oder Autogenzuschnitt. Anschließend werden die Teile vorbereitet, zusammengebaut und geschweißt. Ein Teil dieser Arbeiten wird bereits mit Robotern durchgeführt. Danach kommt die mechanische Bearbeitung – Drehen, Fräsen, Bohren, Gewinden. Am Ende folgt die Vermessung und schließlich die Oberflächenbehandlung – beispielsweise Sandstrahlen, Keramikstrahlen und/oder Lackieren.
HORN setzt auf hohe Fertigungstiefe: Viele Prozessschritte von Zuschnitt über Schweißen bis zur Zerspanung werden im eigenen Haus realisiert.
„Unsere Stärke ist die Kombination aus hoher Fertigungstiefe, moderner Technologie und einem Team, das wirklich hinter dem Unternehmen steht. Da alle Bereiche zusammenarbeiten, können wir auch sehr komplexe Projekte wirtschaftlich umsetzen.“
Wie lange dauert es, ein Bauteil wie dieses von der Anfrage bis zur Auslieferung zu fertigen?
Markus Horn: Das hängt natürlich stark vom Projekt ab. Wenn es sehr dringend ist, können wir schnell reagieren. Ein Vorteil ist, dass wir sehr viel Material lagernd haben. Wenn ein Kunde anruft und sagt, es wird ernst, kann Christian sofort prüfen, ob das Material vorhanden ist. Dann startet die Arbeitsvorbereitung und parallel dazu bereits der Zuschnitt und die Vorbereitung der Bauteile.
Christian Horn: Wenn es wirklich pressiert, schaffen wir solche Projekte in etwa drei Wochen. Realistisch sind aber meistens rund sechs Wochen, weil einige Schritte, etwa die Wärmebehandlung nach dem Schweißen, extern erfolgen müssen. Dieses Bauteil zeigt aber sehr gut unsere Fertigungskompetenz: vom Zuschnitt über das Schweißen bis zur mechanischen Bearbeitung. Dabei sprechen wir von Toleranzen im Hundertstelbereich. Für unsere Kunden ist es ein großer Vorteil, dass sie dieses Komplettpaket aus einer Hand bekommen.
Großteilebearbeitung bei HORN: Die Soraluce FP-Fahrständermaschine bietet große Verfahrwege und hohe Präzision für anspruchsvolle Werkstücke.
„Die Zukunft wird davon abhängen, wie gut es uns gelingt, Technologie, Digitalisierung und Werkstoffkompetenz miteinander zu verbinden. Wenn wir weiterhin neue Möglichkeiten suchen und uns gezielt spezialisieren, können wir den Standort langfristig sichern.“
Der Druckbehälterbau war lange ein wichtiger Teil Ihrer Tätigkeit. War das auch der Ausgangspunkt für die heutige Entwicklung?
Markus Horn: Absolut, der Druckbehälterbau hat uns sehr stark geprägt. Ich bin ursprünglich selbst aus diesem Bereich gekommen. Gleichzeitig war mein Herz immer auch in der mechanischen Fertigung. Deshalb haben wir schon früh begonnen, unsere Kompetenzen zu erweitern und in die mechanische Bearbeitung zu investieren. Seit den 1990er-Jahren haben wir diesen Bereich massiv ausgebaut. Heute sind wir sehr breit aufgestellt und können einen Großteil der Fertigungsschritte selbst abdecken.
Großteilebearbeitung bei HORN: Die Soraluce FP-Fahrständermaschine bietet große Verfahrwege und hohe Präzision für anspruchsvolle Werkstücke.
Auffällig ist, dass Ihr Unternehmen immer wieder größere Investitionsphasen umgesetzt hat. Steckt dahinter eine Strategie?
Markus Horn: Ja, tatsächlich. Wir haben etwa alle zehn Jahre größere Investitionen umgesetzt – etwa 1990, 2000, 2010 und zuletzt wieder in den vergangenen zwei Jahren. Dabei haben wir bewusst antizyklisch investiert. Wenn sich die Konjunktur wieder erholt hat, waren wir technologisch vorne dabei. Dieses Konzept hat für uns sehr gut funktioniert.
Schwerpunkt mechanische Bearbeitung: Mit einem modernen Maschinenpark (Anm.: im Bild die neue Millturn M70 von WFL) und hoher Werkstoffkompetenz fertigt HORN komplexe Bauteile für unterschiedlichste Industrieanwendungen.
Andreas, welche Investitionen haben Sie zuletzt konkret umgesetzt?
Andreas Horn: Ein Schwerpunkt lag auf der Modernisierung des Zuschnittbereichs. Wir haben eine neue Laserschneidanlage installiert sowie eine neue Plasma- und Autogenzuschnittanlage. Auch in den Bereich Umformtechnik wurde investiert, etwa in eine moderne Abkantpresse. Und natürlich haben wir auch unsere Zerspanung weiter ausgebaut – mit einer großen Fahrständerfräsmaschine von Bimatec Soraluce und einem großen Dreh-Fräs-Bohrzentrum von WFL, die uns ermöglichen, sehr komplexe und große Bauteile präzise zu bearbeiten.
Herr Horn, eine der größten Investitionen war zuletzt die neue WFL, richtig?
Markus Horn: Ja, das war eine besondere Investition. Zwei Tage vor Weihnachten ist unsere neue Millturn M70 von WFL geliefert worden – die erste Maschine dieser Baureihe. Das war gleichzeitig die größte Einzelinvestition, die ich in meiner Unternehmerlaufbahn getätigt habe. Mit solch modernen Technologien versuchen wir immer, technologisch vorne mit dabei zu sein. Das war eigentlich schon immer unsere Handschrift.
Ein Unternehmen mit dieser Fertigungstiefe braucht vor allem eines: qualifizierte Fachkräfte.
Markus Horn: Absolut. Unser Team ist der entscheidende Faktor. Wir haben etwas mehr als 100 Mitarbeiter, und über 95 Prozent davon sind Facharbeiter. Deshalb ist die Lehrlingsausbildung für uns so wichtig. Wir bilden seit 1983 selbst aus. Insgesamt haben bereits rund 150 Lehrlinge ihre Ausbildung bei uns begonnen – und jeder einzelne hat sie erfolgreich abgeschlossen. Darauf sind wir sehr stolz.
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind gerade für Lohnfertiger nicht einfach. Wie sehen Sie die Zukunft des Standorts Österreich?
Markus Horn: Die Situation ist tatsächlich herausfordernd. In den letzten Jahren hatten wir etwa 25 Prozent Lohnerhöhung, dazu kommen Energiepreise und steigende Materialkosten. Wenn wir in den letzten Jahrzehnten nicht konsequent investiert hätten, wäre ich heute deutlich pessimistischer. Aber weil wir technologisch gut aufgestellt sind und ein starkes Team haben, bin ich überzeugt, dass wir diese Herausforderungen bewältigen können.
Welche Rolle spielen dabei Automatisierung und Digitalisierung?
Christian Horn: Eine sehr große Rolle. Selbst bei Einzelstücken versuchen wir, Prozesse zu optimieren. Beispielsweise durch Roboterschweißen oder durch moderne Zuschnitttechnologien, bei denen schon viele Bearbeitungsschritte vorbereitet werden können. Das Ziel ist immer, Nebenzeiten zu reduzieren und die Spindellaufzeit zu erhöhen.
Andreas, welche strategischen Themen beschäftigen Sie derzeit besonders?
Andreas Horn: Ein wichtiger Bereich ist die weitere Optimierung unserer Logistik und internen Abläufe. Gleichzeitig beschäftigen wir uns intensiv mit Digitalisierung – etwa in der Lagerverwaltung oder bei administrativen Prozessen. Das Ziel ist, effizienter zu werden und gleichzeitig den Personalstand in der Verwaltung stabil zu halten.
War es für Sie beide selbstverständlich, irgendwann ins Familienunternehmen einzusteigen?
Christian Horn: Nein, überhaupt nicht. Unser Vater hat uns nie gedrängt. Wir konnten immer unseren eigenen Weg gehen.
Andreas Horn: Aber wenn man im Unternehmen aufwächst, bekommt man natürlich vieles mit. Irgendwann entdeckt man dann doch die Faszination für die Technik und dann ergibt sich vieles ganz natürlich.
Zum Abschluss: Was ist das Erfolgsrezept der HORN GmbH?
Christian Horn: Ein Satz beschreibt es ganz gut: „Geht nicht, gibt’s nicht.“ Wir versuchen immer, Lösungen zu finden – egal wie schwierig eine Aufgabe zunächst erscheinen mag.
Markus Horn: Genau diese Haltung prägt unser Unternehmen seit mehr als 40 Jahren. Wir haben noch nie einen Auftrag angenommen und am Ende gesagt, wir schaffen das nicht. Wenn wir etwas zusagen, dann setzen wir es auch um. Und diese Handschrift wollen wir auch in Zukunft weitertragen.







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