interview
Schlüsselbauer Technology sichert Standort durch Fertigungskompetenz, Automatisierung und Digitalisierung
Die Schlüsselbauer Technology GmbH & Co KG mit Sitz in Gaspoltshofen (OÖ) entwickelt und produziert industrielle Anlagen und Systeme, insbesondere für die Bauwirtschaft im Bereich der Infrastruktur für Wasser- und Abwassersysteme. Das Unternehmen bündelt Engineering, Fertigung und Inbetriebnahme unter einem Dach und setzt auf hohe Fertigungstiefe. Im Gespräch gibt Geschäftsführer DI Ulrich Schlüsselbauer Einblicke in die Struktur des Unternehmens, die strategische Bedeutung der Fertigungstiefe und die Rolle von Automatisierung und Digitalisierung für eine nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit.
„Unser Anspruch ist es, die wesentlichen Prozesse selbst zu beherrschen. Das schafft Unabhängigkeit, verkürzt Wege und gibt uns die Möglichkeit, schnell und gezielt auf Anforderungen zu reagieren.“ DI Ulrich Schlüsselbauer, Geschäftsführer, Schlüsselbauer Technology GmbH & Co KG
Zum Unternehmen
Die Schlüsselbauer Technology GmbH & Co KG ist Teil der international tätigen Schlüsselbauer-Gruppe und spezialisiert auf die Entwicklung und Produktion von industriellen Anlagen und Systemen, insbesondere für die Betonfertigteil- und Infrastrukturindustrie. Am Standort in Oberösterreich verbindet das Unternehmen Engineering-Kompetenz mit einer hohen Fertigungstiefe und setzt auf eine durchgängige Prozesskette von der Entwicklung bis zur Inbetriebnahme.
• Gründung: 1964
• Mitarbeiter: 300 weltweit
• Fokus: Anlagenbau und Systemlösungen für Betonfertigteil- und Infrastrukturindustrie
• Hohe Fertigungstiefe: von Zuschnitt über Zerspanung und Schweißen bis Oberflächenbehandlung und Montage
• Eigene Entwicklung, Fertigung und Inbetriebnahme
Schlüsselbauer Technology Gmbh & Co KG
Hörbach 4, A-4673 Gaspoltshofen
Tel.: +43 7735-7144-0
www.sbm.at
Herr Schlüsselbauer, wie ist Schlüsselbauer Technology strukturiert und wo positioniert sich das Unternehmen im Markt?
Wir sind breit aufgestellt, aber mit einem deutlichen Fokus auf technologisch anspruchsvolle Lösungen. Ein wesentlicher Bestandteil ist, dass wir viele Kompetenzen im eigenen Haus bündeln und Entwicklung, Fertigung sowie die Umsetzung kompletter Systeme selbst abdecken. Dadurch entsteht eine enge Verzahnung entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Diese Struktur ermöglicht es uns, flexibel auf unterschiedliche Anforderungen zu reagieren. Das verschafft uns eine gewisse Unabhängigkeit und macht uns gleichzeitig schneller in der Realisierung.
Automatisierte Anlagen von Schlüsselbauer bedienen die Bauwirtschaft, insbesondere im Bereich der Infrastruktur für Wasser- und Abwassersysteme, und ermöglichen eine effiziente sowie prozesssichere Produktion von Betonfertigteilen.
„Der Produktionsstandort in Österreich hat dann eine Zukunft, wenn wir in Technologie, Automatisierung und vor allem in Menschen investieren. Entscheidend ist dabei eine nachhaltige Stärke statt kurzfristiger Effizienz.“
Sie führen ein Familienunternehmen. Welche Rolle spielt diese Struktur für Ihre tägliche Arbeit?
Eine sehr prägende. Als Familienunternehmen denken wir nicht in Quartalen, sondern in Generationen. Das hat direkten Einfluss auf Entscheidungen, besonders bei Investitionen und strategischen Weichenstellungen. Dabei geht es neben wirtschaftlichem Erfolg auch um Verantwortung für den Standort und die Menschen im Unternehmen. Diese Haltung ist tief verankert und wird auch intern entsprechend gelebt.
Im Videocast x-technik FERTIGUNGSTECHNIK erläutert Ulrich Schlüsselbauer (rechts) mit Robert Fraunberger die Bedeutung von Fertigungstiefe, Automatisierung und durchgängigen Prozessen.
Wie wirkt sich dieses langfristige Denken konkret auf Ihre Investitionsentscheidungen aus?
Wir treffen Entscheidungen sehr bewusst und mit Blick auf die Zukunft. Gerade bei Themen wie Automatisierung oder Digitalisierung zählt neben dem kurzfristigen Nutzen vor allem die langfristige Wirkung. Das bedeutet auch, dass wir in Bereiche investieren, die sich vielleicht nicht sofort amortisieren, aber entscheidend dafür sind, dass wir in fünf oder zehn Jahren noch wettbewerbsfähig sind. Dazu gehören beispielsweise Ausbildung, Prozessstabilität oder auch der gezielte Ausbau von Know-how.
Hohe Fertigungstiefe: Von Zuschnitt über Zerspanung und Schweißtechnik bis hin zu Oberflächenbehandlung, Lackierung und Montage erfolgt die gesamte Wertschöpfung im eigenen Haus. Im Bild eine Fahrständerfräsmaschine Mecmill von Emco, mit der bei Schlüsselbauer große Träger für die eigenen Anlagen gefertigt werden.
Was unterscheidet diesen Ansatz von anderen Unternehmen in der Branche?
Der Unterschied liegt vor allem in der Konsequenz, mit der wir unsere Fertigungstiefe aufgebaut haben. Viele Unternehmen haben in den letzten Jahren bewusst ausgelagert, wir haben hingegen Kompetenzen gezielt im Haus gehalten oder sogar erweitert. Das bedeutet natürlich mehr Aufwand in der Organisation und höhere Anforderungen an die Mitarbeiter, bringt aber deutliche Vorteile: kürzere Entscheidungswege, mehr Kontrolle über Qualität und Prozesse sowie eine deutlich höhere Reaktionsgeschwindigkeit. Gerade in einem Umfeld, das immer dynamischer wird, ist das ein entscheidender Faktor.
Investitionen in Technologie, Automatisierung und Mitarbeiter sichern langfristig die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts in Gaspoltshofen (OÖ).
Eine hohe Fertigungstiefe ist also auch der Schlüssel zum Erfolg?
Absolut. Die Fertigungstiefe ist für uns ein strategisches Instrument. Sie ermöglicht es, Prozesse ganzheitlich zu verstehen und aktiv zu gestalten. Wir sind dadurch unabhängig von externen Einflüssen und steuern selbst, wie wir produzieren. Das wirkt sich direkt auf Qualität, Termintreue und Flexibilität aus. Wenn Änderungen notwendig sind, können wir diese kurzfristig umsetzen. Zeitgleich entsteht ein sehr tiefes Prozessverständnis im Unternehmen, das wiederum die Basis für kontinuierliche Verbesserungen bildet.
Die Wertschöpfung beginnt bei uns tatsächlich sehr früh. Wir starten beim Materialzuschnitt, gehen über die mechanische Bearbeitung mit moderner Zerspanungstechnologie bis hin zur Montage kompletter Baugruppen. Ergänzt wird das durch vorgelagerte und nachgelagerte Prozesse wie Schweißtechnik, Oberflächenbehandlung und Lackierung.
Welche Herausforderungen ergeben sich aus dieser hohen Tiefe in der Wertschöpfung?
Die größte Herausforderung liegt sicherlich in der Komplexität. Eine hohe Fertigungstiefe bedeutet, dass viele unterschiedliche Prozesse ineinandergreifen. Das erfordert eine sehr gute Organisation und vor allem qualifizierte Mitarbeiter. Zugleich steigt der Anspruch an die interne Abstimmung. Prozesse müssen sauber definiert und stabil umgesetzt werden. Wenn das gelingt, entsteht aber genau daraus ein wichtiger Wettbewerbsvorteil.
Welche Rolle spielen Ihre Mitarbeiter in diesem Gesamtsystem?
Eine zentrale Rolle. Die beste Technologie bringt nichts, wenn sie nicht richtig eingesetzt wird. Unsere Mitarbeiter sind es, die Prozesse verstehen, weiterentwickeln und letztlich den Unterschied machen. Deshalb investieren wir bewusst in ständige Aus- und Weiterbildung. Ziel ist es, unsere Fachkräfte auch langfristig im Unternehmen zu halten und weiterzuentwickeln.
Wie gelingt es Ihnen, Fachkräfte zu binden und gleichzeitig neue zu gewinnen?
Ein entscheidender Punkt ist, interessante und anspruchsvolle Aufgaben zu bieten. Viele Mitarbeiter schätzen es, dass sie bei uns einzelne Schritte sehen und zugleich den gesamten Zusammenhang verstehen können. Dazu kommt ein stabiles Umfeld mit vielseitigen Perspektiven. Als Familienunternehmen können wir diese langfristige Sicherheit bieten. Außerdem versuchen wir, junge Menschen früh einzubinden und ihnen Entwicklungsmöglichkeiten aufzuzeigen.
Automatisierung und Digitalisierung gelten als zentrale Zukunftsthemen. Welche Bedeutung haben sie konkret in Ihrem Unternehmen?
Für uns sind das feste Bestandteile unserer Strategie und keine isolierten Projekte. Automatisierung hilft uns, Prozesse effizienter und stabiler zu gestalten, während Digitalisierung vor allem Transparenz schafft. Durchgängige Daten ermöglichen es, Entscheidungen besser zu treffen und Prozesse gezielt zu optimieren. Gleichzeitig geht es immer darum, den richtigen Einsatz zu finden – Technologie soll unterstützen, nicht dominieren.
Wo sehen Sie die größten Potenziale in diesem Bereich?
Vor allem in der Vernetzung. Wenn Maschinen, Systeme und Prozesse miteinander verbunden sind, entstehen völlig neue Möglichkeiten in der Steuerung und Optimierung. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Datenverwendung. Viele Potenziale liegen heute noch ungenutzt in vorhandenen Daten. Diese sinnvoll auszuwerten und in konkrete Verbesserungen umzusetzen, wird in Zukunft noch stärker an Bedeutung gewinnen.
Gibt es auch Grenzen bei Automatisierung und Digitalisierung?
Ja, und die sollte man auch klar benennen. Nicht jeder Prozess lässt sich sinnvoll automatisieren, und nicht jede digitale Lösung bringt automatisch einen Mehrwert. Wir prüfen sehr genau, wo sich der Einsatz lohnt und wo nicht. Dieser differenzierte Zugang ist aus unserer Sicht wesentlich für nachhaltigen Erfolg.
Abschließend: Wie sehen Sie die Entwicklung von Schlüsselbauer Technology in den kommenden Jahren?
Wir gehen unseren Weg weiter und investieren in unsere Stärken, in Technologie, Prozesse und vor allem in unsere Mitarbeiter. Der Fokus liegt darauf, den Fertigungsstandort hier in Österreich nachhaltig zu sichern und zudem unsere Wettbewerbsfähigkeit weiter auszubauen. Wenn es uns gelingt, diese Balance zu halten, sind wir auch in Zukunft gut aufgestellt.





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