interview

Vom Maschinenbauer zum Lösungsanbieter: Jörg Weinkogl und Karl Pichler von Emco

Die Werkzeugmaschinenbranche steckt seit Jahren in einer schwierigen Phase. Lieferkettenprobleme, geopolitische Spannungen, Inflation und Investitionszurückhaltung prägen den Markt. Auch der traditionsreiche Werkzeugmaschinenhersteller Emco blieb von diesen Herausforderungen nicht verschont. Im Sommer 2025 kam es zusätzlich zu einem Großbrand am Standort Hallein. Anstatt zurückzublicken, richtet das Unternehmen den Fokus jedoch entschlossen nach vorne. Im Gespräch mit CSO Jörg Weinkogl und COO Karl Pichler wird deutlich, dass Emco nicht nur reagieren möchte, sondern die Zukunft der Fertigung aktiv mitgestalten will – mit österreichischem Know-how, technischer Innovationskraft und einer klaren Vision.

Jörg Weinkogl (links) und Karl Pichler geben im Interview Einblicke in die neue Maschinengeneration, Automatisierungsstrategie und den Fokus auf Branchenlösungen.

Jörg Weinkogl (links) und Karl Pichler geben im Interview Einblicke in die neue Maschinengeneration, Automatisierungsstrategie und den Fokus auf Branchenlösungen.

Universalturn 50

Mit der Universalturn 50 präsentiert Emco ein neues universelles Drehzentrum, das mit Präzision, Dynamik und Prozesssicherheit punktet. Die Maschine wurde von Grund auf neu entwickelt und basiert auf einem massiven Gussbett, das höchste Steifigkeit und optimale Schwingungsdämpfung gewährleistet. Dadurch eignet sie sich ideal für anspruchsvolle Dreh- und Fräsaufgaben in unterschiedlichsten Branchen.

Herzstück der Maschine ist das flexible Bearbeitungskonzept: Eine integrierte Y-Achse ermöglicht erweitertes Fräsen, hochdynamische Antriebe sorgen für schnelle Bearbeitungszyklen, und eine kompakte Gegenspindel erlaubt präzise Rückseitenbearbeitung ohne zusätzliches Umspannen. Der Werkzeugrevolver bietet bis zu zwölf angetriebene Werkzeugpositionen und unterstützt vielseitige Bearbeitungsstrategien.

Ein wichtiger Vorteil ist der modulare Aufbau. Die Universalturn 50 kann je nach Anforderung automatisiert werden – vom kompakten Schwenklader über Stangenladesysteme bis hin zu Portallösungen.

Herr Pichler, Herr Weinkogl, die Werkzeugmaschinenbranche befindet sich seit Jahren in einem schwierigen Umfeld. Wie geht es Emco aktuell?

Karl Pichler: Uns geht es trotz aller Herausforderungen gut. Die Auftragslage ist stabil und wir spüren eine hohe Loyalität unserer Kunden. Anfang Juli hatten wir mit dem Großbrand am Standort Hallein ein sehr turbulentes Ereignis zu bewältigen. Zum Glück war nur eine Lagerhalle betroffen und die Produktion blieb vollständig intakt. Mit großem Einsatz unseres Teams und dank der Unterstützung unserer Kunden und Lieferanten konnten wir relativ rasch auf Volllast gehen. Seit Oktober produzieren wir wieder ohne Einschränkungen und die Kurzarbeit haben wir bereits nach zwei Monaten beendet.

Jörg Weinkogl: Es war beeindruckend zu sehen, wie groß die Solidarität war, sowohl intern als auch extern. Schon zwei Tage nach dem Brand haben uns Kunden angerufen und neue Aufträge erteilt, einfach um uns zu unterstützen. Das zeigt, welchen Stellenwert die Marke Emco in der Branche hat. Und das Wichtigste: Es gab keine Verletzten.

Zukunft im Blick: Jörg Weinkogl und Karl Pichler sprechen mit Robert Fraunberger über den Weg in eine neue Ära der Fertigung.

Zukunft im Blick: Jörg Weinkogl und Karl Pichler sprechen mit Robert Fraunberger über den Weg in eine neue Ära der Fertigung.

Jörg Weinkogl
CSO, Emco GmbH

„Werkzeugmaschinen sind das Fundament fast aller Industrien. Ohne sie gäbe es keine moderne Welt. Unser Anspruch ist, diese Basistechnologie mit Innovation und österreichischer Ingenieurskunst weiterzuentwickeln.“

Wie wichtig ist der Standort Hallein innerhalb der Gruppe?

Pichler: Hallein ist unser Dreh- und Angelpunkt. Hier befinden sich Entwicklung, Anwendungstechnik und die zentrale Fertigung. Insgesamt verfügen wir über vier Produktionsstandorte: Hallein in Österreich, Emco Italia bei Mailand für große Drehmaschinen, Emco Famup bei Pordenone für Fräsmaschinen und Emco Mecof bei Genua für Großfräszentren. Damit decken wir ein sehr breites Technologiespektrum ab, von der Ausbildungsmaschine bis zum Portalbearbeitungszentrum.

Im Vorführzentrum in Hallein präsentiert Emco die modernste Dreh- und Frästechnologie – live, anwendungsnah und direkt am Kundenprozess orientiert.

Im Vorführzentrum in Hallein präsentiert Emco die modernste Dreh- und Frästechnologie – live, anwendungsnah und direkt am Kundenprozess orientiert.

Der Markt für Standardmaschinen ist schwierig. Wie reagiert Emco auf diese Entwicklung?

Weinkogl: Das klassische Standardmaschinengeschäft ist hart umkämpft und wird es auch bleiben. Deshalb setzen wir verstärkt auf Branchenlösungen, also komplette Systemlösungen für spezifische Märkte. Wir wollen nicht nur Maschinen liefern, sondern Technologielösungen, die perfekt auf etwaige Anwendungen zugeschnitten sind.

Pichler: Wir richten uns dabei gezielt auf Zukunftsbranchen aus: Aerospace, Defense, Medizintechnik und Energie. Diese Märkte wachsen langfristig und weitgehend unabhängig von kurzfristigen Konjunkturzyklen. Unser Ziel ist, dem Kunden eine komplette Lösung anzubieten. Dazu gehören Werkzeugmaschine, Automatisierung, effiziente Dreh- und Fräszyklen, Werkzeugauswahl, Kühlmittel und Software. Alles aus einer Hand.

Nur wenige Wochen nach dem Großbrand im Juli 2025 lief die Produktion in Hallein wieder auf Hochtouren.

Nur wenige Wochen nach dem Großbrand im Juli 2025 lief die Produktion in Hallein wieder auf Hochtouren.

Karl Pichler
COO, Emco GmbH

„Mit unserer neuen Maschinengeneration heben wir die Präzision und Stabilität noch einmal auf ein neues Niveau. Das ist ein entscheidender Schritt, um weltweit vorne mitzuspielen.“

Wie sieht diese Neuausrichtung im Produktportfolio konkret aus?

Pichler: Wir arbeiten derzeit unser gesamtes Portfolio um. Künftig werden etwa 75 Prozent einer Maschine standardisiert sein. Das sichert Qualität, Präzision und Effizienz. Gleichzeitig bleibt genug Raum für kundenspezifisches Customizing. Ein wichtiger Schritt ist die Umstellung vieler Baureihen von Schweiß- auf Gusskonstruktionen, um Stabilität und Genauigkeit weiter zu erhöhen.

Weinkogl: Ein Beispiel dafür ist unsere neue Universalturn 50, die auf der EMO 2025 vorgestellt wurde. Sie steht sinnbildlich für den neuen Ansatz: modular, vielseitig und automatisierbar. Wir wollen kein Sondermaschinenbauer werden, sondern Standardmaschinen so individualisieren, dass sie exakt zur Anwendung passen. Das ist für den Kunden kosteneffizient und für uns skalierbar.

Technologieintegration: Das Dreh-Fräszentrum HT65 PM HP bietet zwei untere Werkzeugrevolver inklusive Fräsantrieb verfahrbar in X/Y/Z-Richtung. Somit kann jeder der Revolver auch komplexe Fräsoperationen durchführen.

Technologieintegration: Das Dreh-Fräszentrum HT65 PM HP bietet zwei untere Werkzeugrevolver inklusive Fräsantrieb verfahrbar in X/Y/Z-Richtung. Somit kann jeder der Revolver auch komplexe Fräsoperationen durchführen.

Die Universalturn 50 scheint eine Schlüsselrolle in Ihrer neuen Produktstrategie einzunehmen. Was macht diese Maschine so besonders und warum ist sie für Emco ein so wichtiger Meilenstein?

Weinkogl: Die Universalturn 50 ist für uns weit mehr als ein neues Modell. Sie steht exemplarisch für unsere strategische Neuausrichtung und zeigt sehr gut, wohin sich Emco entwickelt. Die Maschine ist ein hochpräzises Drehzentrum für die Komplettbearbeitung von Stangen und Futterteilen und bietet dank integrierter Y-Achse, leistungsstarker Antriebe und kompakter Gegenspindel eine große Flexibilität, besonders bei komplexen Dreh- und Frästeilen. Entscheidend ist ihr modularer Aufbau. Sie lässt sich vom integrierten Schwenklader bis hin zu Portalsystemen automatisieren und passt damit ideal zu unserem Ansatz, skalierbare Branchenlösungen anzubieten.

Pichler: Mit der Universalturn 50 setzen wir im Universal-Drehbereich einen neuen Benchmark und zeigen, wie moderne Komplettbearbeitung aussehen muss: kompakt, automatisierbar, digital und hocheffizient. Für uns ist sie ein echtes Zukunftsprodukt, das bereits jetzt im Markt sehr gut angenommen wird.

Die Digitalisierung steht bei Emco hoch im Kurs: Mit Emconnect und CPS Pilot schafft Emco die digitale Verbindung zwischen Maschine, Prozess und Bediener – für mehr Transparenz, Effizienz und Bedienkomfort.

Die Digitalisierung steht bei Emco hoch im Kurs: Mit Emconnect und CPS Pilot schafft Emco die digitale Verbindung zwischen Maschine, Prozess und Bediener – für mehr Transparenz, Effizienz und Bedienkomfort.

Karl Pichler
COO, Emco GmbH

„Was uns der Brand gezeigt hat: Wenn ein Team zusammensteht, ist fast alles möglich. Die Geschwindigkeit, mit der wir gemeinsam den Neustart geschafft haben, war außergewöhnlich und macht mich unglaublich stolz auf die gesamte Belegschaft.“

Automatisierung ist ein entscheidendes Zukunftsthema. Emco hat kürzlich eine Partnerschaft mit automation.eXpress bekannt gegeben. Was steckt dahinter?

Pichler: Wir sehen Automatisierung als integralen Bestandteil jeder modernen Fertigung. Anstatt alles selbst aufzubauen, haben wir mit automation.eXpress einen starken österreichischen Partner gefunden. Gemeinsam entwickeln wir modulare Automatisierungslösungen, die direkt in die Maschinenentwicklung integriert werden.

Weinkogl: Der Kunde möchte heute einen echten One-Stop-Shop, also eine Gesamtlösung aus einer Hand. Mit automation.eXpress können wir genau das bieten: Maschine, Spannmittel, Werkzeuge, Roboter und Software als abgestimmtes System. Besonders wichtig ist uns die intuitive Bedienung. Wir arbeiten daher an gemeinsamen HMIs und KI-gestützten Interfaces, damit Automatisierung für den Anwender einfacher und effizienter wird.

Die Digitalisierung steht bei Emco hoch im Kurs: Mit EMCONNECT und CPS Pilot schafft Emco die digitale Verbindung zwischen Maschine, Prozess und Bediener – für mehr Transparenz, Effizienz und Bedienkomfort.

Die Digitalisierung steht bei Emco hoch im Kurs: Mit EMCONNECT und CPS Pilot schafft Emco die digitale Verbindung zwischen Maschine, Prozess und Bediener – für mehr Transparenz, Effizienz und Bedienkomfort.

Jörg Weinkogl
CSO, Emco GmbH

„Wir denken nicht mehr in einzelnen Maschinen, sondern in Gesamtlösungen. Branchenlösungen, Automatisierung und Digitalisierung sind für uns keine Schlagworte, sondern die Basis, um unseren Kunden echten Mehrwert zu liefern.“

Wie fügt sich die Digitalisierung in dieses Konzept ein?

Weinkogl: Mit Emconnect haben wir bereits eine eigene App-basierte Maschinenplattform, die als Basis für viele digitale Erweiterungen dient, etwa für Automatisierung, Spannmittelüberwachung oder Prozessoptimierung. Unser Ziel ist es, Rüstzeiten zu verkürzen, die Maschinenverfügbarkeit zu erhöhen und die Bedienung zu vereinfachen. Auch im Bereich virtueller Inbetriebnahmen sind wir seit Jahren Vorreiter. Gemeinsam mit der Firma Pimpel bieten wir unseren Kunden einen Digitalen Zwilling. Mit CPS Pilot steht eine präzise 1:1-Simulation der realen Maschine auf dem PC zur Verfügung – dadurch lassen sich Prozesse und Werkzeuge virtuell testen, bevor die Maschine physisch eingerichtet wird. Außerdem ermöglicht das System eine Rücksimulation bestehender Programme und verringert dadurch Ausschuss sowie Stillstand, was insgesamt Effizienz und Produktivität steigert. Und unsere neue Universalturn 50 wurde komplett digital konstruiert und innerhalb von 18 Monaten zur Serienreife gebracht. Ohne digitale Tools wäre das nicht möglich gewesen.

Mit der Universalturn 50 präsentiert Emco ein neues universelles Drehzentrum, das mit Präzision, Dynamik und Prozesssicherheit punktet.

Mit der Universalturn 50 präsentiert Emco ein neues universelles Drehzentrum, das mit Präzision, Dynamik und Prozesssicherheit punktet.

Ein besonderes Aushängeschild von Emco ist die Ausbildung. Welche Rolle spielt sie heute?

Pichler: Eine sehr große. Allein in Hallein bilden wir rund 40 Lehrlinge aus, gruppenweit sind es deutlich mehr. Wir investieren bewusst in Fachkräfte, auch in schwierigen Zeiten. Die Lehrlingsausbildung bleibt ein zentraler Erfolgsfaktor für uns, selbstverständlich auf unseren eigenen Maschinen.

Weinkogl: Ausbildung ist ein Teil unserer DNA. Wir unterstützen seit Jahren Wettbewerbe wie die Berufsmeisterschaften, auch wenn es zuletzt leider an Teilnehmern mangelte. Mein Appell an die Unternehmen: Schickt eure Leute wieder hin. Nachwuchsförderung ist unerlässlich. Und ja, wir müssen die Ausbildung modernisieren, vor allem an Berufsschulen und HTLs. Hier gibt es bei Ausstattung und Investitionen Aufholbedarf.

Wie beurteilen Sie den Industriestandort Europa im globalen Vergleich?

Weinkogl: Europa und speziell der DACH-Raum haben enormes Potenzial. Wir verfügen über großes Fertigungs-Know-how, Tradition und Innovationskraft. Wenn wir diese Stärken mit moderner Automatisierung und Digitalisierung verbinden, hat der Standort eine sehr gute Zukunft.

Pichler: Ohne Investitionen in Digitalisierung, Automatisierung und Ausbildung wird es keine Zukunft geben. Mit ihnen haben wir jedoch die Chance, wieder neue Maßstäbe zu setzen, anstatt nur dem Markt zu folgen.

Wo liegen die Wachstumsmärkte für Emco?

Weinkogl: Unser Fokus liegt klar auf Zentraleuropa, mit den Kernmärkten Österreich, Deutschland und Italien. Parallel bauen wir unsere Präsenz in Nordamerika und Mexiko weiter aus. Dort haben wir neue Vertriebs- und Servicestandorte eröffnet. Asien, insbesondere China und Indien, bleibt ebenfalls wichtig, auch wenn der Wettbewerb dort intensiv ist.

Pichler: Österreich ist und bleibt trotz seiner geringen Größe ein emotional wichtiger und technologischer Heimmarkt. Hier haben wir die höchste Marktdurchdringung und das beste Feedback.

Was motiviert Sie persönlich, Emco in dieser herausfordernden Zeit zu führen?

Pichler: Ich bin mit Emco groß geworden und habe auf Emco-Maschinen meine Ausbildung gemacht. Heute das Unternehmen mitgestalten zu dürfen, erfüllt mich mit Stolz. Wenn ich abends durch die Produktion gehe, sehe ich, was für großartige Maschinen hier entstehen. Das ist meine Energiequelle.

Weinkogl: Ich liebe Werkzeugmaschinen. Das klingt vielleicht ungewöhnlich, aber ohne sie gäbe es keine moderne Welt. Kleidung, Möbel, Autos, alles beginnt mit einer Werkzeugmaschine. Diese Technologie ist die Basis unserer Industrie, und ich bin stolz darauf, sie mitzugestalten. Gemeinsam mit Karl wollen wir Emco wieder dorthin bringen, wo es hingehört, nämlich in die Spitzenliga europäischer Maschinenbauer.

Danke für die interessanten Einblicke!

Produkt im Bericht

<b>Emco Universalturn 50: </b>Mit der Universalturn 50 präsentiert Emco ein neues universelles Drehzentrum, das mit Präzision, Dynamik und Prozesssicherheit punktet. Die Maschine wurde von Grund auf neu entwickelt und basiert auf einem massiven Gussbett, das höchste Steifigkeit und optimale Schwingungsdämpfung gewährleistet. Dadurch eignet sie sich ideal für anspruchsvolle Dreh- und Fräsaufgaben in unterschiedlichsten Branchen.

Emco Universalturn 50

Mit der Universalturn 50 präsentiert Emco ein neues universelles Drehzentrum, das mit Präzision, Dynamik und Prozesssicherheit punktet. Die Maschine wurde von Grund auf neu entwickelt und basiert auf einem massiven Gussbett, das höchste Steifigkeit und optimale Schwingungsdämpfung gewährleistet. Dadurch eignet sie sich ideal für anspruchsvolle Dreh- und Fräsaufgaben in unterschiedlichsten Branchen.

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