interview
„Wir wollen vom Maschinenhersteller zum Lösungsanbieter wachsen“
Anlässlich des Grand Openings des neuen Solution Centers von Okuma in Krefeld sprachen wir mit DI (FH) Max Pieper, Senior Vice President der Okuma Europe GmbH, über die strategische Bedeutung des neuen Solution Centers, steigende Automatisierungsanforderungen, veränderte Marktstrukturen in Europa und die Zukunft der digital vernetzten Fertigung. Mit dem neuen Okuma Solution Center setzt der japanische Werkzeugmaschinenhersteller ein deutliches Signal für den europäischen Markt. 14 Maschinen – 8 davon automatisiert – demonstrieren in Krefeld das gesamte Leistungsspektrum von Okuma: von integrierten Standardautomationen bis hin zu komplexen, gemeinsam mit Partnern realisierten Roboterlösungen. Doch es geht um weit mehr als Maschinen. Es geht um Lösungen.
„Mit dem neuen Solution Center stärken wir unsere Präsenz in Europa und unseren Anspruch als Lösungsanbieter. Unser Ziel ist es, Kunden ganzheitlich, von der einzelnen Maschine bis zur integrierten Fertigungslösung, zu begleiten.“ DI (FH) Max Pieper, Senior Vice President, Okuma Europe GmbH
Okuma Solution Center Krefeld
• Vierstöckiges Büro- und Schulungszentrum
• Showroom: ca. 600 m²
• Maschinen: 14 Anlagen, davon 8 automatisiert
• Automatisierung: Okuma-eigene Lösungen; Partnerlösungen mit lokalen Integratoren
• Fokus: Komplettlösungen statt Einzelmaschinen
• Funktion: Europäischer Hub für Anwendungstechnik sowie Schulungszentrum
• Mitarbeiter Okuma Europe: rund 150
Herr Pieper, was bedeutet die Erweiterung der Europazentrale konkret?
Es ist definitiv mehr als nur eine bauliche Erweiterung. Wir haben hier ein 600 m² großes Solution Center geschaffen, ergänzt um ein vierstöckiges Bürogebäude für Anwendungstechnik, Schulungen und Administration.
Der Hintergrund ist klar: Nur eine Maschine zu verkaufen, ist heute nicht mehr ausreichend. Wir verstehen uns als Partner unserer Kunden und vor allem als deren Lösungsanbieter. Deshalb müssen wir hier mehr zeigen als reine Maschinenhardware. Wir wollen komplette Fertigungslösungen demonstrieren, diskutieren und gemeinsam mit unseren Kunden weiterentwickeln.
Blick in das neue Okuma Solution Center in Krefeld: Im 600 m² großen Showroom präsentiert Okuma integrierte CNC- und Automationslösungen. (Bilder: x-technik)
14 Maschinen stehen im Showroom, 8 davon automatisiert. Welche Strategie verfolgen Sie im Bereich Automation?
Wir unterscheiden sehr klar zwischen standardisierten Automationslösungen und kundenspezifischen Integrationsprojekten. Standardlösungen wie Portalladesysteme oder Palettenwechselsysteme kommen vollständig integriert aus Japan. Diese Systeme sind tief in die Maschine und Steuerung eingebunden. Das ist unsere Stärke als Single-Source-Anbieter.
Anders sieht es bei komplexeren Robotersystemen aus. Hier haben Kunden sehr individuelle Anforderungen. Deshalb arbeiten wir bewusst mit lokalen Integratoren zusammen. Diese Partner bringen das notwendige Engineering-Know-how und die Nähe zum Kunden mit. Gemeinsam entwickeln wir maßgeschneiderte Lösungen.
Blick in das neue Okuma Solution Center in Krefeld: Im 600 m² großen Showroom präsentiert Okuma integrierte CNC- und Automationslösungen.
Ist Automatisierung weiterhin primär ein Thema für Hochlohnländer?
Das war früher so, heute nicht mehr. In Ländern wie Dänemark oder generell Skandinavien sind nahezu 100 Prozent der Maschinen automatisiert, weil es wirtschaftlich gar nicht anders darstellbar ist. Inzwischen sehen wir jedoch eine stark steigende Nachfrage auch aus klassischen Niedriglohnländern.
Der entscheidende Treiber ist heute weniger der Faktor Lohnkosten, sondern der Fachkräftemangel. Unternehmen bekommen schlichtweg nicht mehr genügend qualifiziertes Personal. Automatisierung wird damit zur Notwendigkeit, unabhängig vom Lohnniveau. Die Anfragen steigen europaweit kontinuierlich.
Das Okuma 5-Achs-Bearbeitungszentrum MU-4000V gemeinsam mit dem Automationssystem Promro Hybrid ID 50 von Promot Automation. Diese Anlage wird übrigens auch auf der Fachmesse Intertool vom 21 - 24 April in Wels präsentiert.
Gleichzeitig befindet sich der europäische Markt im Umbruch. Wie bewerten Sie die aktuelle wirtschaftliche Situation?
Wir erleben einen deutlichen Strukturwandel. Noch 2017 gingen über 47 Prozent der deutschen Werkzeugmaschinen in die Automobilindustrie oder zu deren Zulieferern. 2023 lag dieser Anteil nur noch bei rund 27 Prozent. Das ist ein massiver Rückgang. Für uns bedeutet das zweierlei: Erstens müssen wir neue Industriebereiche erschließen. Zweitens steigt der Wettbewerb, weil viele Hersteller, die stark auf Automotive fokussiert waren, nun ebenfalls neue Märkte suchen. Es ist also nicht nur eine konjunkturelle, sondern eine strukturelle Veränderung.
Universaldrehmaschine LB3000 EX II mit Roboterbeladung für die automatisierte Fertigung kleiner bis mittlerer Losgrößen.
Welche Rolle spielt die Digitalisierung im neuen Solution Center?
Eine sehr zentrale. Wir zeigen hier nicht nur Maschinen, sondern komplette Prozessketten. Dazu gehören Werkzeugdatenmanagement, Simulation, ERP-Anbindung und automatisierte Rüstprozesse. Wir haben bereits Lösungen realisiert, bei denen der Auftrag direkt aus dem ERP-System kommt und sich die Maschinenzelle selbstständig mit Werkzeugen und Spannmitteln rüstet. Ziel ist es, auch Losgröße 1 wirtschaftlich automatisiert fertigen zu können. Die Digitale Fabrik ist kein Zukunftsszenario mehr – sie wird Schritt für Schritt Realität.
Das kompakte horizontale Bearbeitungszentrum Okuma MS-320H mit vier Achsen bietet effiziente Automatisierungslösungen für verschiedenste Produktionsanforderungen.
Okuma gilt als Single-Source-Anbieter. Ist das ein strategischer Vorteil?
Absolut. Wir entwickeln Maschine, Steuerung und wesentliche Kernkomponenten selbst. Das ermöglicht eine sehr tiefe Integration, etwa bei Performance, Stabilität und Datenfluss. Natürlich gibt es Kunden, die sich Offenheit bei Steuerungssystemen wünschen. Aber wir stehen bewusst zu unserer Philosophie. Die Performance und Zuverlässigkeit unserer eigenen Steuerung sind ein wesentlicher Bestandteil unserer Marktposition.
Offizielle Eröffnung des Okuma Solution Centers in Krefeld: Dr. Atsushi Ieki, Präsident und CEO der Okuma Corporation, und Max Pieper, Senior Vice President Okuma Europe, bei der traditionellen Zeremonie.
Krefeld wird künftig europäischer Hub. Was bedeutet das organisatorisch?
Okuma Europe beschäftigt rund 150 Mitarbeiter. Mit dem neuen Standort bündeln wir Anwendungstechnik, Schulungen und Kundenprojekte hier in Krefeld. Allein Okuma Deutschland führt rund 50 Schulungen pro Jahr durch. Dieser gesamte Kundenverkehr wird künftig hier konzentriert. Das schafft Synergien zwischen europäischer Anwendungstechnik und den nationalen Organisationen. Für unsere Kunden bedeutet das: mehr Kompetenz an einem Ort.
Ist der neue Standort auch ein Bekenntnis zum europäischen Markt?
Definitiv. Europa ist für uns ein sehr wichtiger Markt. Wir sehen hier noch Wachstumspotenzial und wollen unseren Anteil weiter steigern. Das neue Solution Center ist ein klares Zeichen, dass wir langfristig investieren und unsere Position als Lösungsanbieter weiter ausbauen wollen.
Abschließend gefragt: Wo sehen Sie Okuma in den kommenden Jahren?
Unser Ziel ist klar: Wir wollen nicht nur Maschinen liefern, sondern integrierte, wirtschaftliche Fertigungslösungen. Automatisierung, Digitalisierung und Prozessintegration werden weiter an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Datensicherheit und Geheimhaltung, worauf wir uns ebenfalls organisatorisch und technisch einstellen. Die Branche befindet sich im Wandel. Wir wollen diesen Wandel aktiv mitgestalten – als technologisch führender Partner unserer Kunden.






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