anwenderreportage

Frischer Wind in der CNC-Ausbildung

Wer in der Lehrlingsausbildung praxisorientiert ausbilden möchte, muss auch bei der Maschinenausstattung mit der Zeit gehen. Um den steigenden Anforderungen im Berufsbild des Zerspanungstechnikers gerecht zu werden, sorgt das MAN Ausbildungszentrum Steyr mit zwei neuen TC600 Drehbearbeitungszentren von Spinner technisch für frischen Wind. Autor: Georg Schöpf / x-technik

Franz Ramskogler
Ausbildungsmeister bei MAN

„Für uns als Ausbildungsbetrieb ist es wichtig, immer auf einem aktuellen technischen Stand zu sein, um den Anforderungen in der Ausbildung zum Zerspanungstechniker gerecht zu werden.“

Dass ein Unternehmen wie MAN seine Lehrlinge selbst ausbildet scheint selbstverständlich und ist auch leicht nachvollziehbar. Dass ein solches Unternehmen die Türen seiner Lehrwerkstätten aber auch für andere Betriebe öffnet, ist hingegen schon etwas Besonderes. Das MAN Ausbildungszentrum in Steyr ist die größte Lehrwerkstätte der Region. Ihre Wurzeln gehen zurück bis in ins Jahr 1922. Mit einem Team von 17 Mitarbeitern werden zurzeit rund 360 Lehrlinge über vier Lehrjahre begleitet. Diese werden in bis zu zwölf Lehrberufen modular in den Bereichen Metalltechnik, Elektrotechnik, Kraftfahrzeugtechnik und Logistik ausgebildet. Sieben weitere Unternehmen aus der Region lassen einen Teil ihrer Lehrlinge von MAN bis zur Lehrabschlussprüfung begleiten.

Aus den metallverarbeitenden Berufen ist moderne CNC-Technik nicht mehr wegzudenken. Darum wird diesem Thema im Rahmen der Ausbildung bei MAN große Bedeutung beigemessen. „Die Lehrlinge werden bei uns schon früh an diese Technologie herangeführt“, bemerkt Franz Ramskogler, Ausbildungsmeister bei MAN. „Natürlich müssen die Grundlagen der konventionellen Bearbeitung erlernt werden. Aber je eher die Lehrlinge die Möglichkeiten moderner Maschinen kennen lernen, umso besser können sie auch die Grenzen des Machbaren verstehen“, so Ramskogler weiter.

Durch ihre robuste Ausführung bei gleichzeitig hoher Präzision ist die Spinner TC600 für die Ausbildung bestens geeignet.

Durch ihre robuste Ausführung bei gleichzeitig hoher Präzision ist die Spinner TC600 für die Ausbildung bestens geeignet.

Walter Lachner
Fachberater Metallbearbeitungsmaschinen bei Schachermayer

„Die TC600 ist eine robuste Maschine und lässt auch hinsichtlich Genauigkeit keine Wünsche offen. Damit bietet sie alles, was für eine praxisnahe Ausbildung gebraucht wird.“

Geschicktes Timing

Im August 2013 wurde damit begonnen, die Maschinenausstattung für den Bereich CNC-Drehen zu aktualisieren. Ziemlich genau ein Jahr später wurden dann zwei bestehende Maschinen durch zwei neue Spinner TC600 Drehbearbeitungszentren ersetzt. „Für uns war wichtig, dass die Implementierung der neuen Maschinen in den ausbildungsfreien Zeitraum im August fällt, damit der Lehrbetrieb nicht beeinträchtigt wird“, erinnert sich Ramskogler. Die Spinner Werkzeugmaschinenfabrik GmbH, die in Österreich durch die Schachermayer-Großhandelsgesellschaft m.b.H. vertreten wird, konnte eine termingenaue Lieferung zusichern und die Inbetriebnahme zeitgerecht umsetzen.

Da der Aufstellraum stark begrenzt war, musste eine Maschine gewählt werden, die bei möglichst geringer Grundfläche ein Maximum an Arbeitsraum und Zugänglichkeit aufweist. Bei einer Stellfläche von nur 2,50 x 1,60 m bietet die TC600 eine erstaunliche, maximale Drehlänge von 650 mm bei einem Drehdurchmesser bis 400 mm. Beide Maschinen sind mit einer Siemens 840D SolutionLine Steuerung ausgestattet, die bei einem Großteil der Unternehmen zum Einsatz kommt, für die MAN mit ausbildet.

„Wir bilden für die Praxis aus, darum versuchen wir, in unserer Ausbildungsumgebung so nah wie möglich an die Bedingungen im tatsächlichen Betrieb heranzukommen“, bemerkt dazu Jürgen Haselhofer, Ausbilder im Bereich CNC-Programmierung bei MAN. Die eingesetzte Steuerung ermöglicht sowohl die Dialogprogrammierung als auch die Übernahme von Programmen, die an Programmierarbeitsplätzen erstellt wurden.

Jeder der 16 Werkzeugplätze kann ein angetriebenes Werkzeug aufnehmen. Der Reitstock ist ebenso wie der Werkzeugrevolver als separate Achse ansprechbar und mittels Potentiometer fein justierbar.

Jeder der 16 Werkzeugplätze kann ein angetriebenes Werkzeug aufnehmen. Der Reitstock ist ebenso wie der Werkzeugrevolver als separate Achse ansprechbar und mittels Potentiometer fein justierbar.

Effizienter Ausbildungsverlauf

Beide Maschinen sind mit einem programmierbaren Reitstock ausgestattet, dessen Position als separate Achse angesteuert werden kann. Der servogesteuerte Werkzeugrevolver hat 16 Plätze, die alle mit angetriebenen Werkzeugen bestückt werden können. Durch den großen Revolverdurchmesser, der den Aufbau sehr übersichtlich macht, wird ein großer Werkzeug-zu-Werkzeug Abstand gewährleistet. „Die hohe Anzahl an Werkzeugplätzen mit der Möglichkeit, angetriebene Werkzeuge an beliebigen Revolverpositionen unterzubringen, ist für uns eine große Vereinfachung“, bemerkt Ramskogler und ergänzt: „Wir können dadurch einen Großteil der Werkzeuge auf der Maschine vorhalten, die wir für die Ausbildung benötigen. Dadurch bleibt mehr Übungszeit für unsere Lehrlinge, was einen effizienten Ausbildungsverlauf gewährleistet.“

Durch die flachen Führungen und die Anordnung der Maschinenkomponenten ist der großzügige Arbeitsraum leicht sauber zu halten, was Nebenzeiten verringert und mehr Übungszeit für die Lehrlinge ermöglicht.

Durch die flachen Führungen und die Anordnung der Maschinenkomponenten ist der großzügige Arbeitsraum leicht sauber zu halten, was Nebenzeiten verringert und mehr Übungszeit für die Lehrlinge ermöglicht.

v.l.n.r. Walter Lachner, Vertriebsbeauftragter bei Schachermayer, Franz Ramskogler, Ausbildungsmeister bei MAN.

v.l.n.r. Walter Lachner, Vertriebsbeauftragter bei Schachermayer, Franz Ramskogler, Ausbildungsmeister bei MAN.

Infos zum Anwender

Die MAN Gruppe ist Anbieter von Lkw, Bussen, Dieselmotoren, Turbomaschinen sowie Spezialgetrieben. Das Unternehmen blickt auf mehr als 250 Jahre Unternehmensgeschichte zurück und beschäftigt weltweit ca. 53.000 Mitarbeiter. Der Standort Steyr ist Teil der MAN Truck & Bus AG. Neben der Produktion der leichten und mittleren Lkw-Reihe umfasst die österreichische MAN-Tochter die Fertigung von Fahrerhäusern, eine Komponentenfertigung sowie die Bereiche After Sales, Motorenverkauf, Technical Training, Forschung und Entwicklung für alle Baureihen und Komponenten im MAN-Entwicklungsverbund sowie ein Vorseriencenter und einen umfangreichen Ausbildungsbereich.

Größtmögliche Sicherheit

„Die hohe Stabilität bezieht die TC600 aus einem steifen Gussbett aus Meehanite®. Große, gehärtete und geschliffene Gleitführungen sorgen für eine präzise Führung der Maschinenkomponenten. Der schwere Revolver bildet eine eigene CNC-Achse und kann, wie auch der Reitstock, mit einem Potentiometer genau positioniert werden. Die Steuerung ermöglicht zudem eine Drosselung der Geschwindigkeit beim Werkzeugwechsel“, beschreibt Walter Lachner, Vertriebsbeauftragter bei Schachermayer, die Vorzüge der beiden Maschinen.

„Das ist eine Funktionalität, die für uns in der Ausbildung sehr wichtig ist, weil wir dadurch Gefahrenquellen minimieren können. Der Sicherheitsaspekt steht bei der Ausbildung an höchster Stelle“, bemerkt Haselhofer.

Für die Werkstückspannung sind die Maschinen mit einem Hainbuch-Spannsystem ausgestattet. Denn auch schnelles und sicheres Spannen minimiert Rüstzeiten und verlängert somit die Maschinenbedienzeiten für die Auszubildenden. Dieser Aspekt wird zusätzlich von der günstigen Anordnung der Maschinenkomponenten unterstützt, die einen raschen Späneabtransport gewährleistet und somit den Reinigungsaufwand in der Maschine minimiert.

Ausbildung direkt an der Maschine schafft Sicherheit im Umgang mit Werkzeugen und Geräten.

Ausbildung direkt an der Maschine schafft Sicherheit im Umgang mit Werkzeugen und Geräten.

In der konventionellen Fräsausbildung kommen unter anderem zwei Kunzmann WF 400 MA Maschinen zum Einsatz, die ebenfalls von Schachermayer geliefert wurden.

In der konventionellen Fräsausbildung kommen unter anderem zwei Kunzmann WF 400 MA Maschinen zum Einsatz, die ebenfalls von Schachermayer geliefert wurden.

Optimal auf Ausbildung abgestimmt

Zusätzlich wurde im Arbeitsraum eine Kamera angebracht, die die Bearbeitung auf einen 42" Monitor überträgt. Dadurch können Bearbeitungsschritte für Demonstrationszwecke auch von einer größeren Gruppe betrachtet und mitgeschnitten werden.

„Beide Maschinen sind, obwohl sie in der Ausbildung eingesetzt werden, auf Produktivität ausgelegt. Denn auch in der Ausbildung zählt Effizienz. Wir brauchen gut ausgebildete Facharbeiter, darum wollen wir so viel Zeit wie möglich für die Vermittlung von Know-how und praktisches Üben verwenden“, fasst Ramskogler abschließend zusammen.

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