interview

Familienunternehmen mit Ambitionen

Frieder Gänzle ist seit 2015 Mitglied des Führungsteams der F. Zimmermann GmbH, einem weltweit tätigen Hersteller leistungsstarker Portalfräsmaschinen und Horizontalbearbeitungszentren mit Sitz im schwäbischen Neuhausen auf den Fildern. Seit Juli 2018 ist er nun geschäftsführender Gesellschafter. Das Ruder übernommen hat er von seinem Vater Rudolf Gänzle, der als Gesellschafter noch beratend tätig ist. Wie sich der Übergang gestaltet hat, worin er sich von seinem Vater unterscheidet und wohin er das Unternehmen führen möchte, verrät Frieder Gänzle im Interview.

Als ein modernes inhabergeführtes Familienunternehmen wollen wir technologisch führend, dynamisch und ein zuverlässiger Partner sein.

Frieder Gänzle, Geschäftsführender Gesellschafter der F. Zimmermann GmbH

Als ein modernes inhabergeführtes Familienunternehmen wollen wir technologisch führend, dynamisch und ein zuverlässiger Partner sein. Frieder Gänzle, Geschäftsführender Gesellschafter der F. Zimmermann GmbH

Als Kind haben Sie mal davon geträumt, Chefdesigner bei Porsche zu werden. Wann stand für Sie fest, dass Sie diesen Weg verlassen und in das Unternehmen Ihres Vaters einsteigen werden?

Mir ist dieser Wunsch tatsächlich in Erinnerung geblieben. Da wir bei Zimmermann Maschinen für den Modell- und Formenbau fertigen, die unter anderem in der Designentwicklung von Fahrzeugen zum Einsatz kommen, bin ich davon gar nicht so weit weg. Die Firma Zimmermann hat in meinem Werdegang schon immer eine Rolle gespielt. Auch was mein Vater gemacht hat, war natürlich jederzeit präsent. Trotzdem hatte ich viele Freiheiten und konnte meine Zukunft selbst bestimmen. Als ich mit dem Bachelor-Studium der Technischen Betriebswirtschaft begonnen hatte, kam mein Vater auf mich zu. Wir führten intensive Gespräche, und er fragte mich, ob ich mir vorstellen könnte, eines Tages in das Familienunternehmen einzusteigen. Heute beeindruckt es mich, welches Vertrauen er schon damals in mich gesetzt hat. Ich absolvierte anschließend meinen Master in Unternehmensführung um danach direkt bei Zimmermann einzusteigen.

Die hochpräzise Bearbeitung oft komplexer Bauteile wie dieser Spritzgußform mit sehr guten Oberflächen ist eine Spezialität der Zimmermann-Maschinen.

Die hochpräzise Bearbeitung oft komplexer Bauteile wie dieser Spritzgußform mit sehr guten Oberflächen ist eine Spezialität der Zimmermann-Maschinen.

Wie haben Sie diesen Generationenwechsel wahrgenommen?

Ich konnte in der Firma viele Stationen durchlaufen, zum Beispiel im Projektmanagement oder in der Technik. In der Montage oder auch im Service habe ich in Kundeneinsätzen wertvolle Erfahrungen sammeln können. So richtig zuhause habe ich mich aber erst im Vertrieb gefühlt. Hier sehe ich auch in der Zukunft meinen Schwerpunkt. Natürlich ist ein Generationenwechsel nicht einfach. Zum einen geht damit immer auch ein Kulturwandel einher. Zum anderen verändert sich die Führung eines Unternehmens. Daran müssen sich die Mitarbeiter gewöhnen. Dazu kommt der bewusst überlappende Übergang von meinem Vater auf mich. Aufgaben überschneiden sich. Eine klare Abgrenzung zu finden, ist nicht einfach. Und wenn es tatsächlich einmal zu kleineren Konflikten mit meinem Vater kam, weil wir einfach unterschiedlicher Meinung waren, konnten wir das immer unter vier Augen klären. Wir haben das ganz gut hinbekommen.

Auf auf der AMB 2018 feierte die FZU Premiere: eine äußerst kompakte Universalmaschine für Modell- Formen- und Werkzeugbauer mit einer hohen Preis-Leistungs-Dichte.

Auf auf der AMB 2018 feierte die FZU Premiere: eine äußerst kompakte Universalmaschine für Modell- Formen- und Werkzeugbauer mit einer hohen Preis-Leistungs-Dichte.

Mit welchen Herausforderungen sehen Sie sich konfrontiert?

Herausforderungen sah und sehe ich insbesondere in der strategischen Produktentwicklung. Wichtige Handlungsfelder sind Automatisierungslösungen, sowie die zunehmende Digitalisierung von Produkten und Prozessen. Eine Werkzeugmaschine wird sich in den kommenden Jahren nicht mehr grundlegend verändern. Zunehmen werden aber digitale Services. Intensiver beschäftigen werden wir uns zudem mit alternativen Finanzierungslösungen und Absatzmodellen.

Dazu kommt der zunehmende Fachkräftemangel, mit dem wir hier im Raum Stuttgart extrem zu kämpfen haben. Hier befinden wir uns als Mittelständler im Konkurrenzkampf mit den großen Konzernen in der Umgebung. Aber dem stellen wir uns und wollen als attraktiver Arbeitgeber am Markt wahrgenommen werden. Lösungen hierfür sehe ich hauptsächlich in der eigenen Ausbildung.

Frieder Gänzle ist seit 2018 geschäftsführender Gesellschafter der F. Zimmermann GmbH. Übernommen hat er das Ruder von seinem Vater.

Frieder Gänzle ist seit 2018 geschäftsführender Gesellschafter der F. Zimmermann GmbH. Übernommen hat er das Ruder von seinem Vater.

Wie hoch ist Ihre Ausbildungsquote?

Wir haben zurzeit 17 Auszubildende bei uns in der Firma. Das entspricht einer Quote von etwa zehn Prozent. Das ist im Branchendurchschnitt sicherlich nicht schlecht, allerdings wollen wir da noch deutlich zulegen.

„Die Firma Zimmermann hat in meinem Werdegang schon immer eine gewisse Rolle gespielt.“

„Die Firma Zimmermann hat in meinem Werdegang schon immer eine gewisse Rolle gespielt.“

Was ist Ihr Rezept?

Wir sind ein modernes Familienunternehmen. Unsere Mitarbeiter genießen bei uns sehr viele Freiheiten und haben zahlreiche Entfaltungsmöglichkeiten. Wir legen zudem Wert auf kurze Entscheidungswege. Dazu kommen unsere Social Benefits: Wir bieten zum Beispiel eine Rückenschule an oder eine moderne, einladende Kantine. Unsere Mitarbeiter wissen das sehr zu schätzen. Dazu kommen Weiterbildungsmöglichkeiten. Wir fordern unsere Leute nicht nur, wir fördern sie auch.

Warum würden Sie Zimmermann als modernes Unternehmen bezeichnen?

Wir beschäftigen mittlerweile Mitarbeiter aus 21 Nationen. Unsere Anlagen haben wir in 33 verschiedene Länder geliefert. Wir haben eine Vielzahl an Entwicklungen und neuen Produkten auf den Markt gebracht. Für ein solches Unternehmen wie unseres sind diese Zahlen sehr beachtlich. Unsere Mitarbeiter schätzen auch die modernen Arbeitsplätze. Wir bieten übrigens für geflüchtete Menschen interessante Perspektiven an. Dazu haben wir zwei Ausbildungsprojekte gestartet.

Was wollen Sie beibehalten, was wollen Sie anders machen als Ihr Vater?

Was wir sicherlich beibehalten möchten, sind die kurzen Entscheidungswege, die Freiheiten für Mitarbeiter und eine gewisse Agilität, damit wir bei Bedarf flexibel und darüber hinaus proaktiv agieren können. Weiter vorantreiben möchte ich das Thema Aus- und Weiterbildung. Das hatte ich gerade erwähnt: Vor uns liegt die große Aufgabe, qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen und ihnen bei uns im Unternehmen eine attraktive Perspektive aufzeigen zu können.

Welche Strategie ermöglicht es einem Unternehmen wie Zimmermann, über so viele Jahre erfolgreich zu sein?

Nun, unsere grundsätzliche Firmenstrategie können wir aus unseren Firmenwerten ableiten. Das heißt: Wir wollen technologisch führend, dynamisch und ein zuverlässiger Partner sein. Das hat uns über die Jahre hinweg ausgezeichnet. Dazu kommt, dass wir schon immer einen sehr engen Kontakt zu unseren Kunden pflegen und auch dann stets zur Stelle sind, wenn es bei ihnen brenzlig wird oder wenn es Schwierigkeiten gibt.

Die Additive Fertigung wird zunehmend zu einem konkurrenzfähigen Fertigungsverfahren. Wie gehen Sie als Hersteller abtragender Verfahren mit diesem Trend um?

Wir nehmen diesen Trend sehr ernst. Allerdings ist das Verfahren bei großvolumigen Bauteilen noch nicht besonders wirtschaftlich. Eine große Herausforderung ist beispielsweise der Wärmeeintrag ins Bauteil. Dies führt zu Spannungen und Ungenauigkeiten im Werkstück. Um nun aber auf diesen Trend zu reagieren, denken wir über Lösungen im Portalbereich nach, ohne dabei vorschnelle Entscheidungen zu treffen.

Können Sie etwas zur aktuellen Geschäftsentwicklung sagen?

Die aktuelle Geschäftsentwicklung ist zufriedenstellend. Hauptsächlich beschäftigen wir uns ja mit den Branchen Automotive und Aerospace, wobei sich Aerospace in Raumfahrt und zivile Luftfahrt aufteilt. Es gibt bestimmt weitere Industrien, in denen wir wirtschaftliche Lösungen anbieten können, allerdings fokussieren wir uns auf diese beiden Kernmärkte. Wir spüren sicherlich die Auswirkungen des Dieselskandals und eine gewisse Verunsicherung in dieser Branche. Die hohen Wachstumsraten im Flugzeugbau, also die Flottenerweiterungen der Fluggesellschaften, führen bei uns zu einem nachhaltigen Wachstum. Dies gleicht die Unregelmäßigkeiten im Automobilsektor etwas aus.

Gibt es noch andere Branchen, die für Zimmermann interessant wären?

Die Schienenfahrzeugindustrie ist sicher ein strategischer Zukunftsmarkt für Zimmermann, da immer mehr Züge gebaut werden. Hersteller zerspanen dabei jede Menge Aluminium, eine Kernkompetenz von FZ-Maschinen. Wir wollen hier den Einstieg unbedingt schaffen. Eine weitere wichtige Branche ist der Werkzeugbau, der zum Teil der Automotive-Branche zuzurechnen ist.

Wo sehen Sie sich und das Unternehmen in zehn Jahren?

Ich sehe Zimmermann auch in zehn Jahren noch als inhabergeführtes Familienunternehmen am Standort Neuhausen. Wir müssen uns aber weiterentwickeln, um nachhaltig wachsen zu können. Nur so können wir wirtschaftlich und konkurrenzfähig bleiben. Wir wünschen uns ein moderates Wachstum, um unsere Organisation nicht zu überfordern. Wir werden uns für die Zukunft strategisch weiterhin auf die Kernmärkte Automotive und Aerospace ausrichten. Die Wachstumschancen sind sicher im Bereich Aerospace etwas größer als in der Automotive-Branche. Letztendlich bestimmen auch ein wenig die Märkte, wie sich Zimmermann in Zukunft entwickelt.

Danke für das Gespräch!

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