anwenderreportage

Maschinenbau für höchste Ansprüche

Zwei GS 600E/5 von Alzmetall sorgen für präzise formgebende Werkzeuge und Kupfer-Elektroden bei Silhouette International: Eine nichtalltägliche Arbeitsweise herrscht in der Brillenkonstruktion bei Silhouette International in Linz. Dort werden von den Technikern nicht nur die Brillen konstruiert, sondern gleich die NC-Programme für die formgebenden Werkzeuge mittels CAM-System erzeugt und letztendlich auch gleich gefertigt. Für eine wirtschaftliche und hochgenaue Zerspanung sorgen dort unter anderem zwei GS 600E/5 von Alzmetall – in Österreich durch TMZ vertreten. Autor: Ing. Robert Fraunberger / x-technik

Seit Herbst 2016 sorgen zwei GS 600E/5 von Alzmetall für präzise formgebende Werkzeuge und Kupfer-Elektroden bei Silhouette International.

Seit Herbst 2016 sorgen zwei GS 600E/5 von Alzmetall für präzise formgebende Werkzeuge und Kupfer-Elektroden bei Silhouette International.

Lehrlingsausbildung bei Silhouette International

Mit einer eigenen Lehrlingsausbildung sorgt Silhouette International für bestens ausgebildete Fachkräfte. „Aktuell bilden wir 24 Lehrlinge, unter anderem in Berufen wie Kunststoffformgeber, Werkzeugbautechniker oder Maschinenbautechniker, aus“, erklärt Verena Greiner, Personalmanagerin bei Silhouette International. Eine moderne Lehrwerkstätte mit geschulten Ausbildnern bildet die Basis für eine bestmögliche Betreuung der Lehrlinge. Zudem werden von Silhouette International zusätzlich verschiedene Lehrmodule wie Teambuilding, professionelle Präsentationstechniken, eigene Englischkurse etc. angeboten. Nach der Lehrzeit haben bereits viele dieser für Silhouette International sehr wertvollen, zukünftigen Facharbeiter im Unternehmen Karriere gemacht. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an: personal@silhouette.com.

„Wir wollten aus einer Brille mehr als nur ein Sehbehelf machen, vielmehr ein stilvolles Accessoire in einzigartigem Design entwickeln, das Leichtigkeit und Tragekomfort bietet“, so das Credo der Unternehmensgründer Anneliese und Arnold Schmied. Mit dieser Vision, fünf Mitarbeitern und einer Designerin begann 1964 die Geschichte des führenden österreichischen Brillenherstellers Silhouette International Schmied AG. Das oberösterreichische Vorzeigeunternehmen ist auch heute noch ein Familienbetrieb, in dem rund 1.500 Mitarbeiter weltweit, 750 davon am Hauptsitz in Linz, jährlich an die 2,5 Millionen Brillen herstellen.

Das Brillenportfolio verteilt sich dabei auf drei Bereiche. Den größten Teil macht die Eigenmarke Silhouette aus, in der man Brillendesigns, die den Stil der Zeit prägen, für optische Brillen und Sonnenbrillen fertigt. Zweites Standbein ist die junge Eigenmarke „neubau eyewear“. Die dritte Sparte ist die Lizenzfertigung von Sportbrillen für „adidas Sport Eyewear“. Hochwertige Modellfertigung, innovative Materialien und außergewöhnliche Designelemente spiegeln sich in allen drei Marken des Unternehmens Silhouette International wieder.

Ing. Wolfgang Jaksch
Leitung Brillenkonstruktion Silhouette Interantional Schmied AG

„Die beiden GS 600E/5 sind ausgezeichnete Maschinen, die unsere Bedürfnisse optimal abdecken. Vor allem von der hohen Genauigkeit und Oberflächengüte der Werkstücke sind wir angenehm überrascht.“

Fertigungstiefe sichert Know-how

Die Umsetzung von einzigartigem Design sei auch ein Spiel mit technischen Möglichkeiten, wie es Ing. Wolfgang Jaksch, Leitung der Brillenkonstruktion, beschreibt. „Silhouette International setzt auf innovative Technik, Handarbeit und das Know-how der Mitarbeiter. Der gesamte Entwicklungsprozess – von der Idee bis zum fertigen Produkt – findet hier in Linz statt.“ Damit eine Brille perfekt sitzen kann, müsse auch in der Fertigung auf höchste Präzision geachtet werden. „Um dies gewährleisten zu können, ist Know-how und somit eine hohe Fertigungstiefe nötig“, ergänzt er. Lediglich Rohlinge für Sonnenbrillen und Stützgläser (Anm.: das sind Gläser ohne optische Wirkung) werden zugekauft.

Die Abteilung Brillenkonstruktion ist nicht nur für die Konstruktion der Brillen (Anm.: nach Vorgabe der Designer), sondern auch für die Konstruktion der formgebenden Werkzeuge, deren Programmierung und Fertigung zuständig. „Wir liefern dem hausinternen Formenbau quasi keine Zeichnung, sondern bereits fertige Präge- bzw. Spritzgusswerkzeuge, die dort lediglich noch abgestimmt bzw. eingebaut werden müssen.“ Eine nicht alltägliche Vorgehensweise, da der Konstrukteur in dem Fall auch die NC-Programme erstellen muss und im Anschluss an die Maschine geht und das Teil auch gleich zerspant – somit für alles verantwortlich ist. „Dadurch generieren wir zwei für uns sehr positive Effekte. Schnittstellenprobleme fallen zur Gänze weg und der Lernfaktor für die aktuell acht Kollegen ist enorm“, zeigt Jaksch die Vorteile auf.

Bei konstanten Bedingungen erzielt Silhouette International mit den beiden GS 600 Genauigkeiten innerhalb von 5 µ und Oberflächen bis Ra = 0,2.

Bei konstanten Bedingungen erzielt Silhouette International mit den beiden GS 600 Genauigkeiten innerhalb von 5 µ und Oberflächen bis Ra = 0,2.

Erich Schörghuber
Vertriebsleitung Österreich bei Alzmetall Werkzeugmaschinenfabrik und Gießerei Friedrich GmbH & Co. KG

„Seit mehr als sieben Jahrzenten sind wir in der Technologie des Fräsens, Bohrens und Gießens führend. Wir legen höchsten Wert auf Präzision, Leistung und Qualität und sorgen mit unserer eigenen Gießerei für den Grundstock eines stabilen Maschinenbaus.

Zwei baugleiche Maschinen gesucht

Um die Fertigungsgenauigkeiten und -kapazitäten weiter steigern zu können, hat man sich letztes Jahr in der Abteilung zur Investition in zwei neue 5-Achs-Bearbeitungszentren entschieden. Die Ausgangssituation war dabei ganz klar. Man suchte zwei idente, hochgenaue Fräsmaschinen mit möglichst kleiner Stellfläche und einem Arbeitsraum für einen Werkstückkubus von Ø 250 mm x 125 mm Höhe mit einer Tischbelastung von rund 20 kg, wobei eine idealerweise für die Bearbeitung von Kupferelektroden und die zweite für Formeinsätze ausgelegt werden sollte.

Man suchte daher den Kontakt zu namhaften Werkzeugmaschinenherstellern, um das am besten passende Konzept am Markt zu finden. Auch Rudolf Fluch, Geschäftsführer der TMZ GmbH, die seit Juni 2015 für den Vertrieb von Alzmetall in Österreich zuständig ist, war mit im Boot: „TMZ ist ein Unternehmen, das sich mit den neuesten Technologien und den stabilsten Maschinen im Bereich der Zerspanung befasst. Mit der Vertretung für Alzmetall können wir 3- und 5-Achs-Hochleistungsfräsmaschinen sowie 5-Achs Fräs-Drehmaschinen bis zu einem Werkstückkubus von Ø 1.380 mm x 700 mm Höhe und einem Teilegewicht von max. 3.500 kg anbieten. Mit den vier verschiedenen Modellen der GS 600 Baureihe – einer Spindeldrehzahl von 10.000 bis 42.000 min-1 und verschiedenen Tischkonzepten – konnten wir die Vorgaben von Silhouette International perfekt abdecken.“

Das Team rund um Wolfgang Jaksch überließ jedoch nichts dem Zufall: „Ehrlich gesagt war Alzmetall von Anfang an keiner unserer Favoriten, doch diese Meinung änderte sich nach einem Werksbesuch mit anschließender Probebearbeitung sehr schnell.“ Im bayrischen Altenmarkt, dem Hauptsitz von Alzmetall, konnte man sich von der hohen Fertigungstiefe und -qualität ein gutes Bild machen. „Seit mehr als sieben Jahrzenten ist Alzmetall in der Technologie des Fräsens, Bohrens und Gießens führend. Wir legen höchsten Wert auf Präzision, Leistung und Qualität und sorgen mit unserer eigenen Gießerei für den Grundstock eines stabilen Maschinenbaus“, bringt sich Erich Schörghuber, Vertriebsleitung Österreich bei Alzmetall, ein.

Zudem war Silhouette International auch von den Ansprechpartnern in Bereich Service und Aftersales positiv beeindruckt. „Der gute Service sowie eine kompetente Betreuung war für uns ebenfalls kaufentscheidend“, so Jaksch weiter, der zudem das gute Verhältnis zwischen den drei Projektpartnern lobend erwähnt.

Ein Formeinsatz für die Gläserfertigung: Zerspant werden die verschiedensten Materialien: von Kuper über Kunststoff, Alu bis zu den unterschiedlichsten Stahlsorten. Im Bild zwei repräsentative Beispiele aus Alu bzw. Kunststoff.

Ein Formeinsatz für die Gläserfertigung: Zerspant werden die verschiedensten Materialien: von Kuper über Kunststoff, Alu bis zu den unterschiedlichsten Stahlsorten. Im Bild zwei repräsentative Beispiele aus Alu bzw. Kunststoff.

Rudolf Fluch
Geschäftsführer TMZ GmbH

„Mit der Vertretung für Alzmetall können wir 3- und 5-Achs-Hochleistungsfräsmaschinen sowie 5-Achs-Fräs-Dreh- und Schleifmaschinen bis zu einem Werkstückkubus von Ø 1.380 mm x 700 mm Höhe und einem Teilegewicht von max. 3.000 kg anbieten. Darüber hinaus bekommt der Kunde von uns maßgeschneiderte Automationslösungen und individuelle Spannlösungen ausgearbeitet: ein Komplettpaket für höchste Produktivität!

Höchste Genauigkeiten und beste Oberflächen

Die letzten Bedenken räumte wie bereits erwähnt das hervorragende Ergebnis der Probebearbeitung aus dem Weg. Dabei wurden die strengen Toleranzvorgaben laut Silhouette International nicht nur eingehalten, sondern Großteils unterschritten. „Das hat uns schon beeindruckt und auch die Oberflächen waren ebenfalls perfekt. In Summe bot Alzmetall das beste Gesamtpaket“, begründet Jaksch die Investitionsentscheidung. „Bei konstanten Bedingungen sind mit der GS 600 Genauigkeiten innerhalb von 5 µ und Oberflächen bis Ra = 0,2 möglich“, ergänzt Rudolf Fluch.

Im September 2016 wurden die beiden baugleichen GS 600E/5 mit jeweils 76 Werkzeugplätzen, einer Schwenk-Drehkombination als A- und C-Achse sowie der neuesten Steuerungsgeneration TNC 640 von Heidenhain geliefert. Lediglich die Ausführung der Hauptspindel – mit einer Drehzahl von 18.000 min-1 für die Bearbeitung der Formeinsätze bzw. 30.000 min-1 für die Verwendung kleiner Werkzeuge zur Herstellung der Kupferelektroden – unterscheidet die beiden Fräsmaschinen.

Sowohl der optimale Zugang zum großzügigen Arbeitsraum als auch die kompakte Ausführung uns somit kleine Stellfläche der GS 600 überzeugten Silhouette International. Im Bild „Konstrukteur und Zerspaner“ David Spatzek.

Sowohl der optimale Zugang zum großzügigen Arbeitsraum als auch die kompakte Ausführung uns somit kleine Stellfläche der GS 600 überzeugten Silhouette International. Im Bild „Konstrukteur und Zerspaner“ David Spatzek.

Infos zum Anwender

Die Silhouette International Schmied AG mit Hauptsitz in Linz wurde 1964 gegründet und befindet sich immer noch gänzlich in Familienbesitz. An zwei Fertigungsstandorten produziert das Unternehmen jährlich etwa 2,5 Mio. Brillen. 13 Tochtergesellschaften und 91 Vertriebspartner sorgen weltweit für eine Exportquote von 95 %. International beschäftigt Silhouette International 1.500 Mitarbeiter, wovon rund 750 am Headquarter in Linz tätig sind.

Stabiler Maschinenbau garantiert Qualität

Um höchste Steifigkeit, Dynamik und Thermo-Symmetrie erreichen zu können, basiert der Aufbau aller Alzmetall Bearbeitungszentren auf einer Gantry-Bauweise. Die Basis bildet ein sehr steifes, einteiliges Maschinenbett, auf dem der Fahrwerksträger (X-/Y-/Z-Achse) sowie der NC-Schwenk-Rundtisch (A-/C-Achse) integriert sind. Die statisch beanspruchten Gestellbauteile sind dabei aus Grauguss GGL 30 und die dynamischen aus Sphäroguss GGG 60.

Das Fahrwerk ist als Box-in-Box-System ausgelegt, wobei die Linearachsen X und Y jeweils 2-fach und die Z-Achse 4-fach geführt sind. „Die Y-Achse wird mit zwei Kugelgewindetrieben und zwei Servomotoren, die X- und Z-Achse jeweils mit einem Kugelgewindetrieb und Servomotor angetrieben. Dadurch entsteht trotz eines höheren Gewichts im Oberteil eine exzellente Achsdynamik und extrem hohe Parallel-Verfahr-Genauigkeit“, betont Erich Schörghuber und Rudolf Fluch ergänzt: „Der geometrisch symmetrische Aufbau mit der thermo-symmetrischen Hauptspindel bietet eine optimale thermische Stabilität und somit höchste Genauigkeit in der Bearbeitung.“ Zudem können aufgrund des großen Z-Verfahrweges von 400 mm (X = 460 mm, Y = 600 mm) auch längere Werkzeuge verwendet werden.

Die kompakte Bauweise von 3.150 x 3.250 mm (Anm.: inklusive Späneförderer, -wagen und Kühlaggregat – die wahlweise links oder rechts angeordnet werden können) und der große Arbeitsraum sowie ein ungehinderter Zugang zum Werkstück sieht man bei Silhouette als weitere Pluspunkte.

Das Brillen-Konstruktionsteam bei Silhouette International konstruiert nicht nur die Brillen nach Vorgabe der Designer, sondern ist auch für die Konstruktion der formgebenden Werkzeuge, deren Programmierung und Fertigung zuständig.

Das Brillen-Konstruktionsteam bei Silhouette International konstruiert nicht nur die Brillen nach Vorgabe der Designer, sondern ist auch für die Konstruktion der formgebenden Werkzeuge, deren Programmierung und Fertigung zuständig.

Gute Zusammenarbeit (v.l.n.r.): Mario Schwung, David Spatzek, Wolfgang Jaksch, alle Silhouette International, Rudolf Fluch, TMZ und Erich Schörghuber, Alzmetall.

Gute Zusammenarbeit (v.l.n.r.): Mario Schwung, David Spatzek, Wolfgang Jaksch, alle Silhouette International, Rudolf Fluch, TMZ und Erich Schörghuber, Alzmetall.

Jährlich werden bei Silhouette International in Linz etwa 2,5 Mio. Brillen produziert.

Jährlich werden bei Silhouette International in Linz etwa 2,5 Mio. Brillen produziert.

Überzeugend in der Praxis

Nach rund einem halben Jahr Einsatzzeit zeigt sich Wolfgang Jaksch nach wie vor überzeugt und resümiert: „Wir sind mit unseren beiden GS 600 von Alzmetall sehr zufrieden und von der hohen Genauigkeit und Oberflächengüte der Werkstücke angenehm überrascht.“ Zudem seien die beiden Bearbeitungszentren sehr wartungsarm und bis jetzt war auch noch kein Serviceeinsatz nötig. „Einfach saubere Maschinen, die unsere Bedürfnisse optimal abdecken.“

Zurzeit lastet Silhouette International die beiden GS 600 rund zwölf Stunden pro Tag aus – ein Viertel davon mannlos. Auch die Mitarbeiter der angrenzenden Abteilung Werkzeug- und Formenbau nützen bereits die neuen 5-Achs-Bearbeitungszentren für Schweiß- und Fräsaufnahmen sowie Prägewerkzeuge, denn der dortige Maschinenpark besteht hauptsächlich aus 3-Achs-Fräs- sowie Erodiermaschinen. „Zudem sind die beiden Alzmetall bereits für eine eventuelle spätere Automatisierung vorbereitet“, wie Rudolf Fluch abschließend bemerkt, der dafür auch schon ein entsprechendes Konzept in der Schublade hat.

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