anwenderreportage

Präzisionsdrehmaschinen für die Komplettbearbeitung

Teile drehen für die Luftreinhaltung: Die Fertigungstiefe beim Luft- und Umwelttechnikhersteller Scheuch reicht von der komplexen Großanlage bis zu den Ventilatoren. Deren rotierende Teile haben hohe Anforderungen an die Rundlaufgüte. Ihre Komplettbearbeitung in kleinen Losen erfolgt in einer Aufspannung auf Präzisions-Drehmaschinen mit Zyklensteuerung des deutschen Herstellers Weiler. Jüngster Zugang im Maschinenpark ist eine über die Österreich-Vertretung Schachermayer bezogene E70HD. Sie entlastet vorhandene Maschinen aller Größen und liefert einen Beitrag zur Absicherung des anhaltenden globalen Wachstums von Scheuch. Von Ing. Peter Kemptner, x-technik

Jüngstes Mitglied des Drehmaschinenparks bei Scheuch ist eine Weiler E70HD mit 3.000 mm Spitzenweite.

Jüngstes Mitglied des Drehmaschinenparks bei Scheuch ist eine Weiler E70HD mit 3.000 mm Spitzenweite.

Shortcut

Aufgabenstellung: Komplettbearbeitung rotierender Teile mit strengen Rundlauftoleranzen in kleinen Losen.

Lösung: Zyklendrehmaschine E70HD von Weiler.

Nutzen: Flexible, ergonomische und wirtschaftliche Kleinstserienfertigung.

Der Klimawandel ist in aller Munde. Zumindest ein Teil davon wird vom Menschen verursacht. Teil des Problems sind Emissionen aus Industrie und Energieerzeugung, die lange Zeit ungefiltert in die Atmosphäre entlassen wurden. Zumindest in unserem Teil der Welt gehören rauchende Fabrikschlote und Smog-Glocken über den Städten weitgehend der Vergangenheit an.

Ein 8-fach-Scheibenrevolver mit angetriebenen Werkzeugen macht die E70HD zum Komplettbearbeitungszentrum.

Ein 8-fach-Scheibenrevolver mit angetriebenen Werkzeugen macht die E70HD zum Komplettbearbeitungszentrum.

Hubert Puttinger
Leiter Oberflächentechnik und Ventilatorfertigung, Scheuch Components GmbH

„Wegen der geringen Losgrößen würde es sich in den meisten Fällen nicht lohnen, die Maschinenprogramme per CAM zu generieren. Deshalb setzen wir auf Maschinen mit Zyklensteuerung.“

Wichtiger Beitrag zum Klimaschutz

Das ist unter anderem der Scheuch Group zu verdanken. Ihr Gründer Alois Scheuch begann 1963, Luftreinigungsanlagen für die Holzverarbeitung zu produzieren. Seither beschäftigt sich das mittlerweile in zweiter Generation eigentümergeführte Unternehmen ausschließlich mit Anlagen zur Verbesserung der Luftqualität. Heute ist Scheuch Markt- und Kompetenzführer im Bereich innovativer Luft- und Umwelttechnik für industrielle Anwendungen mit rund 1.300 Mitarbeitern, davon allein rund 700 am Stammsitz in Aurolzmünster (OÖ).

Scheuch entwickelt sowohl die grundlegenden Verfahren im Haus als auch sämtliche in seinen Anlagen verwendeten Komponenten und Baugruppen, bis hin zu den Ventilatoren. Diese spielen in lufttechnischen Anlagen eine zentrale Rolle. Deshalb verlässt sich Scheuch nicht auf zugekaufte Standardteile, sondern entwickelt und fertigt diese zur Gänze im Haus.

Die SL2-Steuerung von Weiler mit 15“-Monitor erlaubt das Abrufen vorgefertigter Bearbeitungszyklen und verleiht der Maschine hohe Flexibilität bei geringstem Programmieraufwand.

Die SL2-Steuerung von Weiler mit 15“-Monitor erlaubt das Abrufen vorgefertigter Bearbeitungszyklen und verleiht der Maschine hohe Flexibilität bei geringstem Programmieraufwand.

Thomas Berghammer
Leiter Zerspanung, Scheuch Components GmbH

„Wir schätzen die Weiler-Maschinen für ihre hohe Zuverlässigkeit, Präzision und Bedienerfreundlichkeit. Dazu gehören neben der Zyklensteuerung auch die Möglichkeit des manuellen Betriebs und die hervorragende Zugänglichkeit ihres beinahe vollständig zu öffnenden Arbeitsraums ohne Kompromisse bei der Personensicherheit.“

Zerspanung für rotierende Teile

Neben einem sehr umfangreichen Stahl- und Blechbau verfügt die Scheuch Components GmbH daher im Hauptwerk auch über eine Zerspanungsabteilung mit 11 Mitarbeitern. Auch dabei verlässt sich Scheuch nicht auf andere, sondern bildet diese im hauseigenen Aus- und Fortbildungszentrum „Stage blue“ aus.

Zu den Hauptprodukten der hausinternen Zerspanung gehören Schleusengehäuse, Antriebswellen, Schleusenrotoren und Laufradnaben bis 1.100 mm Durchmesser und 145 mm Bohrung. Deshalb besteht der Maschinenpark zu 90 % aus Drehmaschinen, die im 2-Schicht-Betrieb arbeiten. „Wir fertigen auftragsspezifisch, daher sind die Losgrößen mit 1 bis 20 Stück recht niedrig“, erklärt Hubert Puttinger, Leiter Oberflächentechnik und Ventilatorfertigung bei der Scheuch Components GmbH. „Umso höher sind dafür die Präzisionsanforderungen.“

Die hier gefertigten Teile sind nicht nur mit K7/m6-Passungen versehen, sondern müssen angesichts von Drehzahlen um 3.600 U/min. eine Wuchtgüte von 2 ½, also Rundlauftoleranzen von 1/100 mm aufweisen. Nur so lässt sich ein langjähriger Betrieb ohne wartungsbedingte Stillstände oder geräuschbedingte Nachbarschaftskonflikte gewährleisten.

Die Präzision der Weiler E70HD ermöglicht die Fertigung rotierender Teile mit einer Wuchtgüte von 2 ½, also Rundlauftoleranzen von 1/100 mm.

Die Präzision der Weiler E70HD ermöglicht die Fertigung rotierender Teile mit einer Wuchtgüte von 2 ½, also Rundlauftoleranzen von 1/100 mm.

Franz Rechberger
Bereichsleiter Konstruktion / Entwicklung, Weiler Werkzeugmaschinen GmbH

„Die vor Kurzem gelieferte Maschine E70HDx3000 hat gegenüber dem bei Scheuch ebenfalls vorhandenen Vorgängermodell E70 im Standard eine größere Spindelbohrung von 128 mm und die Hauptspindeldrehzahl wurde von 1.800 auf 2.200 U/min erhöht.“

Zyklengesteuerte Komplettbearbeitung

Da bei den Werkstücken die rotierenden Teile überwiegen, tun das beim Maschinenpark auch die Drehmaschinen. „Wir erledigen auf diesen in einer Aufspannung die Komplettbearbeitung der komplexen Werkstücke einschließlich Fräsen, Bohren und Gewindeschneiden“, erklärt Thomas Berghammer, Gruppenleiter Zerspanung bei der Scheuch Components GmbH. „So können wir die hohen Präzisionsanforderungen wirtschaftlich erfüllen.“

Mit einer Ausnahme sind die Drehmaschinen bei Scheuch nicht CNC-gesteuert. „Wegen der geringen Losgrößen würde es sich in den meisten Fällen nicht lohnen, die Maschinenprogramme per CAM zu generieren“, weiß Hubert Puttinger. „Deshalb setzen wir auf Maschinen mit Zyklensteuerung.“

Diese wurde Ende der 1980er Jahre vom deutschen Drehmaschinenhersteller Weiler Werkzeugmaschinen GmbH erfunden und wird laufend weiterentwickelt. Ihre Anwender können in der Steuerung abgelegte Bearbeitungszyklen abrufen und zu komplexen Bearbeitungsfolgen zusammenstellen. Die Programmbibliothek enthält zahlreiche Zyklen nicht nur für das Drehen, sondern auch für das Bohren und Gewindeschneiden.

Das ermöglicht eine automatisierte Bearbeitung auch komplexerer Teile mit einem Programmieraufwand, der deutlich unter jenem einer CNC-Maschine liegt. „Die kurzen Programmierzeiten unterstützen die effiziente Einzelteil- und Kleinserienfertigung“, bestätigt Thomas Berghammer. „Außerdem ist der Einschulungsaufwand minimal, neue Mitarbeiter finden sich damit sehr schnell zurecht.“

Schachermayer-Vertriebsmann Matthias Ebner muss Scheuch Ausbildungsleiter Bernhard Urwanisch nicht erst von den Vorzügen der Weiler Praktikant VCplus überzeugen.

Schachermayer-Vertriebsmann Matthias Ebner muss Scheuch Ausbildungsleiter Bernhard Urwanisch nicht erst von den Vorzügen der Weiler Praktikant VCplus überzeugen.

Matthias Ebner
Außendienst Metallbearbeitungsmaschinen, Schachermayer-Großhandelsgesellschaft m.b.H.

„Ohne Sprachbarriere leisten unsere Techniker und bei Bedarf auch diejenigen von Weiler schnell und kompetent Hilfe und wir berechnen die Anfahrt erst ab dem Standort Linz.“

Deutsche Qualität mit Österreich-Bezug

Bei den zyklengesteuerten Maschinen handelt es sich ausnahmslos um Präzisions-Drehmaschinen von Weiler, die in Österreich von der Schachermayer-Großhandelsgesellschaft m.b.H. vertrieben werden. Auch sonst steckt in den Maschinen, die ausschließlich und mit großer Fertigungstiefe am Weiler-Hauptstandort Mausdorf nahe Nürnberg produziert werden, ein Stück österreichisches Erbe. Das eigentümergeführte Unternehmen in österreichischem Familienbesitz hat Mitte der 1990er Jahre das Portfolio von voestalpine Steinel übernommen.

Tatsächlich löste die 1996 angeschaffte erste Weiler-Maschine, eine E50 mit 1.000 mm Spitzenweite, eine ältere Maschine dieses Fabrikats ab. Zu ihr gesellten sich später noch eine E70 mit 3.000 und eine E110 mit 4.500 mm Spitzenweite. In der Lehrwerkstätte wird eine konventionelle Drehmaschine eingesetzt. Die zur Eröffnung von „Stage blue“ 2020 angeschaffte Praktikant VCPlus ersetzte die Weiler DA 260, die jetzt in der allgemeinen Dreherei für kleine Arbeiten zwischendurch zur Verfügung steht.

„Wir schätzen die Weiler-Maschinen für ihre hohe Zuverlässigkeit, Präzision und Bedienerfreundlichkeit“, begründet Thomas Berghammer die langjährige Lieferantentreue. „Dazu gehören neben der Zyklensteuerung auch die Möglichkeit des manuellen Betriebs und die hervorragende Zugänglichkeit ihres beinahe vollständig zu öffnenden Arbeitsraums ohne Kompromisse bei der Personensicherheit.“

Die Weiler E70HD lässt sich auch manuell betreiben, ihr Arbeitsraum ist trotz kompromissloser Sicherheit durch überwachte Schutzhauben sehr gut zugänglich und übersichtlich.

Die Weiler E70HD lässt sich auch manuell betreiben, ihr Arbeitsraum ist trotz kompromissloser Sicherheit durch überwachte Schutzhauben sehr gut zugänglich und übersichtlich.

Infos zum Anwender

Der Familienbetrieb Scheuch entwickelt und produziert anwendungsspezifische Lösungen für Luft- und Umweltthemen, von Absaugung, Entstaubung und Förderung bis Rauchgasreinigung zur Senkung von Feinstaub- und Schadstoffemissionen im industriellen Sektor. Mit über 1.300 Mitarbeitern und Niederlassungen auf der ganzen Welt erwirtschaftete das international führende Lufttechnik-Unternehmen 2019/20 237 Mio. EUR Umsatz bei 85 % Exportquote. Die 2020 gegründete Scheuch Components GmbH ist Teil der Scheuch Group und fertigt am Standort Aurolzmünster Geräte und Komponenten für den industriellen Anlagenbau.

Flexible Stärke für steigenden Bedarf

Jüngstes Mitglied des Drehmaschinenparks bei Scheuch ist eine Weiler E70HD (für Heavy Duty) mit 3.000 mm Spitzenweite. Die schwere, leistungsstarke und energieeffiziente Produktions-Drehmaschine aus der E-Reihe wurde zusätzlich angeschafft, um die Kapazitäten der Zerspanungsabteilung an das anhaltende starke Wachstum des Unternehmens anzupassen.

Zum Komplettbearbeitungszentrum macht die E70HD ein 8-fach-Scheibenrevolver mit angetriebenen Werkzeugen mit 40 mm Schaftdurchmesser nach VDI40. Zusätzlich umfasst ihre Ausstattung eine handbetätigte Reitstockpinole und eine feststehende Lünette.

„Die Präzisions-Drehmaschine hat gegenüber dem bei Scheuch ebenfalls vorhandenen Vorgängermodell E70 eine von 110 mm auf 128 mm erweiterte Bohrung in der Spindel“, erklärt Franz Rechberger, Bereichsleiter Konstruktion und Entwicklung bei Weiler. „Deren Drehzahl ist von 1.800 auf 2.200 U/min. gestiegen.“ Das ist für Scheuch deshalb wichtig, weil auf der E70HD zur Entlastung der vorhandenen E50 auch kleinere Teile geschlichtet werden.

Zu den hier bearbeitetet Werkstücken gehören auch Schleusengehäuse. Dieses wurde soeben in einer Weiler E110 fertiggestellt.

Zu den hier bearbeitetet Werkstücken gehören auch Schleusengehäuse. Dieses wurde soeben in einer Weiler E110 fertiggestellt.

Sämtliche in seinen Anlagen verwendeten Komponenten und Baugruppen wie die Ventilatoren fertigt der Luft- und Umwelttechnikhersteller Scheuch zur Gänze im Haus.

Sämtliche in seinen Anlagen verwendeten Komponenten und Baugruppen wie die Ventilatoren fertigt der Luft- und Umwelttechnikhersteller Scheuch zur Gänze im Haus.

Steuerungskomfort und Energieeffizienz

Die E70HD verfügt über die aktuelle Version der SL2-Steuerung von Weiler mit 15“-TFT-Farbbildschirm. Diese baut auf einer Sinumerik 840D sl von Siemens auf und beherrscht nicht nur die Zyklensteuerung, sondern lässt sich bei Bedarf auch nach DIN/ISO programmieren. Ein Wertespeicher sorgt dafür, dass die Maschine nach Unterbrechungen mit manueller Bedienung exakt dorthin zurückkehrt, wo sie vorher war, und nicht neu eingestellt werden muss.

Die Funktionen der SL2-Steuerung umfassen unter anderem auch die automatische Berechnung und Ergänzung fehlender Schnittpunkte bei Konturzug-Programmierung sowie eine Grafik-Simulation. Diese berücksichtigt sogar den Hinterschnitt der verwendeten Schneidplatte und warnt vor dadurch verursachten Kollisionen. Zu den Funktionen der SL2-Steuerung gehört darüber hinaus eine grafisch unterstützte Werkzeugverwaltung für bis zu 200 Werkzeuge.

Wie alle zyklengesteuerten Drehmaschinen von Weiler ist auch die E70HD mit modernster Antriebstechnik ausgestattet. Das Energiesparsystem e-TIM minimiert den Stromverbrauch, indem es überschüssige Bremsenergie ins Netz zurückspeist und aktuell nicht benötigte Nebenaggregate abschaltet.

Freuen sich über eine langjährige, erfolgreiche Partnerschaft: Hubert Puttinger, Leiter Oberflächentechnik und Ventilatorfertigung bei Scheuch und Weiler-Entwicklungsleiter Franz Rechberger sowie Schachermayer-Vertriebsmann Matthias Ebner und Thomas Berghammer, Gruppenleiter Zerspanung bei Scheuch (v.l.n.r.).

Freuen sich über eine langjährige, erfolgreiche Partnerschaft: Hubert Puttinger, Leiter Oberflächentechnik und Ventilatorfertigung bei Scheuch und Weiler-Entwicklungsleiter Franz Rechberger sowie Schachermayer-Vertriebsmann Matthias Ebner und Thomas Berghammer, Gruppenleiter Zerspanung bei Scheuch (v.l.n.r.).

Eines der zentralen Elemente der Lehrlingsausbildung ist eine Weiler Praktikant VCplus in der „Stage bBlue“, dem neuen Aus- und Fortbildungszentrum der Firma Scheuch.

Eines der zentralen Elemente der Lehrlingsausbildung ist eine Weiler Praktikant VCplus in der „Stage bBlue“, dem neuen Aus- und Fortbildungszentrum der Firma Scheuch.

Betreuung ohne Umwege

Ebenso wichtig wie die Praxistauglichkeit der Maschinen und die Kompetenz ihres Herstellers ist den Zerspanungsexperten bei Scheuch ein verlässlicher Partner für die Einbringung, Inbetriebnahme, Schulung und weitere Betreuung der Drehmaschinen.

„Ohne Sprachbarriere leisten unsere Techniker und bei Bedarf auch diejenigen von Weiler schnell und kompetent Hilfe, wenn Not am Mann ist“, versichert Matthias Ebner, Außendienst Metallbearbeitungsmaschinen bei Schachermayer. „Bei jedem Einsatz berechnen wir die Anfahrt zum Kundenstandort ab dem Standort Linz.“

„Die erfahrenen Schachermayer-Servicetechniker sind gut geschult und mit unseren Maschinen bestens vertraut“, bestätigt Thomas Berghammer. „Man könnte glatt vergessen, dass es sich bei dem Linzer Unternehmen nicht um den Hersteller der Maschine handelt.“

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